Rosenkranz + Pilgerzeichen

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Mobile Kapelle – Der Rosenkranz

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Mobile Kapelle – Der Rosenkranz

Pilgrims Rosary Rom 2008

Pilgrims Rosary
Rom 2008

Maryse FritzschThillens hat mich in einem Austausch auf FB ermutigt, einen Rosenkranz vorzustellen, den ich immer dabei habe und den ich gerne als mein „Vademecum“ oder die Privatkapelle in der Tasche bezeichne.
Wer seinen Rosenkranz gerne schlicht und ohne viel „Brimborium“ hat, der muß jetzt hier nicht wirklich weiterlesen, es sei denn, aus „anthropologischem Interesse“.

Manche Leute sagen, es sei ein Gewinn, wenn man es schaffe, allein im „Hier und Jetzt“ zu leben. Ich verstehe die Vorzüge dieser Weisheit, muß aber selbst ein bißchen vorsichtig damit umgehen. Warum?

Netzfund

Netzfund

Ich bin eine sehr vergessliche Person. Ich neige dazu, Wichtiges und Zukunftsweisendes aus meiner Vergangenheit zu vergessen. Und noch tückischer: negative Erfahrungen krallen sich wie Kletten in meinem Hirnkastel fest, während all das Gute, Beglückende und Weiterführende immer wieder mühselig aus Tagebüchern, Erzählungen und Fotos zusammengeklaubt werden muß. Zwar entlastet mich die neuere Hirnforschung, ich bin quasi ein Opfer der Evolution; es heißt, es sei ein „Überlebensvorteil“, wenn unser Gehirn auf schmerzhafte Erfahrungen mehr achtgibt, um sie künftig besser vermeiden zu können. In „Säbelzahntigerumgebungen“ mag das zutreffen, aber glücklicherweise lebe ich nicht in einer solchen.
Es gab viele glückliche Fügungen in meinem Leben. Sicher gehört der „Zufall“, daß ich an Gott glaube (Gnade) und das auf „katholisch“ tue (Geschenk der Familie) zu den „Top Five“ meiner Biographie. Aber auch da: vergesslich wie ein Sieb…
So helfe ich meinem schwachen Gedächtnis für das Gute in meinem Leben mit einem Trick auf die Sprünge: ich pflastere meine Umgebung mit „Memorabilien“ und zwinge damit mein Oberstübchen auf Dateien und Archive zurückzugreifen, die nähren, stärken, weiterführen. Mein Rosenkranz (auch Plural) hat sich im Kampf gegen das (Selbst-) Vergessensein als „Joker“ erwiesen. Schon der erste, den mir meine Oma 1965 aus Lisieux mitgebracht hat, wurde zum Anker, der mich mit ihrer bäuerlich bodenständigen Frömmigkeit (und natürlich Santa Teresita) verband.

A Pilgrims Rosary Rom 2008

A Pilgrims Rosary
Rom 2008

Da habe ich sie also immer in der Tasche, meine „Privatkapelle“, meine Ankerkette mit den vielen Erinnerungszeichen. Und folge ich damit nicht guter alter katholischer Tradition und Sitte? Haben sich nicht schon die ersten Christen um die Gebeine ihrer Heiligen geschart, sich erinnert? Sind nicht all unsere Wallfahrtstätten eigentlich Erinnerungsorte? Ich lasse sie nicht mehr los, meine Ankerkette des Glaubens: sie liegt vor mir auf dem Tisch, in jeder Tasche reisen ein oder zwei, neben meinem Kissen bei Nacht, im Auto fehlt sie nie. Sogar beim Fernsehen, Lesen, in Unterhaltungen und bei Spaziergängen mit den Hunden: die Ankerperlen und das leise Geräusch der Medaillen gehören zu mir. Die Freunde lächeln, haben sich aber daran gewöhnt: es gibt ja deutlich schlimmere Schrullen.
An meinem Pilgerrosenkranz von 2008 zeige ich mal, was da alles aus „gepackten Archiven“ auf der Festplatte in den „Arbeitsspeicher“ aktiven Erinnerns, Erlebens und Weiterdenkens geholt werden kann.

Benedikt XVI. Medaille Rom

Benedikt XVI.
Medaille Rom

Das Jahr 2008 hatte Benedikt XVI. zum Paulusjahr ausgerufen und ich fand, daß es nun, nach fast 30 Jahren, endlich an der Zeit sei, wieder in die Ewige Stadt zu reisen. Zur Feier des Ereignisses kaufte ich diesen grünen Achat Rosenkranz und brachte auch Medaillen einiger Pilgerziele mit nach Hause.
Der deutsche Papst: viel habe ich von ihm gelernt, da war er noch das Alter Ego vom Heiligen Johannes Paul. „Einführung in das Christentum“ und dann die Jesus Bücher…seit Romano Guardini hat sich kein Theologe mehr die Mühe gemacht, unseren Glauben in seiner ganzen Fülle der Vernunft des Laien zur Verfügung zu stellen. Die Päpste des Konzils haben uns Brücken gebaut zwischen Tradition und Gegenwart: ich bin ihnen dankbar und meine Verehrung ist ihnen sicher. Heilige_PaepsteAuch Johannes XXIII. und Johannes Paul II. dürfen deshalb an keinem Rosenkranz fehlen – sie erinnern mich an alle Zeiten meiner katholischen Biographie mit einer Unzahl an guten Erfahrungen. Fürbittheilige sind sie mir längst.

Benediktusmedaille Paulusjahr

Benediktusmedaille
Paulusjahr

Der Heilige Benedikt mit Abtsstab und Regel stammt aus St. Paul vor den Mauern. Das Verweilen am Paulusgrab war ein Segen und Tröstung nach einer fürchterlichen Beichte im Campo Santo Teutonico bei einem „Ultra“ – Jungpriester: eine traumatische Erfahrung, die erst ein Benediktiner Abt mit seinem Segen wieder lösen konnte. Ja, der Benedictussegen: Heilmittel in der Hand der Benediktiner. Es gibt das Böse und DER Böse bedient sich auch der Frommen (wenn’s ganz dumm läuft): „…trinke Du selber Dein Gift!“ Alle Stützen und Förderer meines Glaubens waren benediktinisch geprägt, gehörten dem Orden an oder waren seine Oblaten. Entsprechend groß war mein Jubel bei der Namenswahl von Joseph Ratzinger als Papst.

S.Teresita

S.Teresita

Die Heilige Theresia von Lisieux begleitet mich seit der Kindheit, eine Medaille trage ich, weil ich mich immer neu an ihren „Kleinen Weg“ erinnern muß: „Man muss das Gute um sich herum aussäen, ohne sich zu beunruhigen, ob es wächst.“
Und:
„Machen Sie es klar, Mutter Oberin, dass mein Vertrauen in Jesus genauso groß wäre, wenn ich auch alle nur möglichen
Verbrechen begangen hätte. Ich fühle es,diese Masse von Sünden wäre wie ein Wassertropfen, den man auf glühende Kohlen fallen läßt.“ Für mich ist sie die Heilige der Ermutigung und des Trostes.

Hl. Mutter Anna und Hl. Josef

Hl. Mutter Anna und
Hl. Josef

Die Heilige Mutter Anna, die Mutter Marias ist meine Namenspatronin. Ihre Fürsprache gilt den Müttern, den Witwen, den unverheirateten Frauen, die ihre Mütterlichkeit in den Dienst der Gemeinschaft stellen. Mütterlichkeit und Väterlichkeit sind Begabungen und Fähigkeiten, die nicht automatisch mit der physischen Elternschaft verbunden sind. Es sind Gnadengaben des Heiligen Geistes und zu jeder Zeit große „Mangelware“. Wer das Leben beschützen will, kann die Unterstützung der Mutter Anna und des Hl. Josef gut gebrauchen. Die Medaille am Rosenkranz erinnert mich daran, daß Gaben und Talente nur durch konkretes Handeln für die Nachfolge Jesu taugen. Muttersein und Väterlichkeit gibt es nicht „theoretisch“.

Bei der Betrachtung des Lebens Jesu im Rosenkranz berühre ich diese Erinnerungsinseln und sie fließen ganz natürlich in die Meditation der Heilsgeheimnisse ein.
Damit sei es für heute genug, die Fortsetzung folgt bald.

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