Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Moderne Rosenkränze können schön sein

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Ja, wirklich, moderne  Rosenkränze können schön sein. Falls sie es noch nicht sind, können wir sie schöner machen.

In einem früheren Artikel habe ich herumspekuliert, warum wohl seit circa 100 Jahren der „Trend“ zum besonders schlichten, unauffälligen Rosenkranz geht.  Warum er verschämt versteckt und verborgen gehalten wird. Und das selbst dann, wenn sein Besitzer das Rosenkranzgebet liebt und praktiziert.

Einmal sprach ich mit einer älteren Katholikin und äußerte mein Bedauern darüber, daß man bei uns kaum noch Rosenkränze sehe in der Öffentlichkeit. Jedenfalls nicht bei Gläubigen (ganz im Gegensatz zur Jugend, wo er „voll trendy“ ist). Darauf reagierte sie ganz empört und meinte, das gehöre sich ja auch nicht, sei zu demonstrativ und verstoße gegen Jesu Gebot: Mt 5 – „Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“

Starkes Argument, aber auch ein bißchen „streng deutsch“. In südlichen Ländern, anderswo in der Welt sind die Leute viel unbefangener, vielleicht auch beherzter.

Lapislazuli, Silber
1988 München
ergänzt mit einem Silberkreuz
19. Jahrhundert

Mit dem Diskretions – Diktum im Nacken, saß ich schon öfter verdruckst und g’schamig im Wartezimmer oder in der Eisenbahn und betete „heimlich“. Bei Lichte besehen ist übertriebene Diskretion, der man gar nicht zustimmt, die man nicht braucht, auch eine verlogene Sache.

Irgendwie ist das doch paradox: In unserer allgemeinen Freizügigkeit soll ausgerechnet der Rosenkranz, das religiöse Symbol überhaupt, schamhaft verborgen bleiben? Da ist etwas faul und Mt 5 ist sicher nicht der Grund!

Hier also mein Plädoyer: Rosenkränze zurück ins „Bild“, in die Alltagserfahrung. Sie dürfen schön sein, sie dürfen da sein. Gislinde Ritz zitiert die Chronik der Stadt Biberach von 1530:

„Jedermann hat patternoster tragen und darahn bettet, jung und alt…Wer khain patternoster tragen hat oder bey ihme gehabt hat, den hat man nit für einen christenmenschen gehalten“

(500 Jahre Rosenkranz)

Auch heute findet man neben der billigen Massenware noch schöne Rosenkränze aus guten Glasperlen oder Halbedelstein mit Silberdraht, Messing bzw. Doublé gekettelt.

Onyx und Silber
Wien 2005

Sie haben die klassische Form des 50ers und können nach Geschmack oder Vorliebe verändert werden. Pilgermedaillen, Symbole für Heilige, die man besonders verehrt, Erinnerungsstücke von geliebten Verstorbenen.

Die gezeigten Rosenkränze sind klein und in jeder Tasche mitzuführen, ohne groß aufzufallen. Wie unser Ehering, die gute Uhr, das ererbte Schmuckstück kann der Rosenkranz wieder zu unseren persönlichen Kostbarkeiten gezählt werden, können wir ihm einen Platz einräumen. Will man Kinder an den Rosenkranz heranführen, dann kann ich diesen Umgang nur empfehlen. Kinder haben besondere Freude daran, wenn das Rosenkränzchen schön ist und schöne Anhänger hat.

Amethystperlen mit emailliertem Messingkreuz
Ende 20. Jahrhundert, Wien
Div. Pilgermedaillen, Votivherz aus Mexico

Manchmal ärgere ich mich richtig, wenn ich sehe, was die Händler feilhalten um den Kommuniontag herum: in aufgemotzten Verpackungen befindet sich Minderwertiges, Nichtssagendes. Das sollte man ihnen liegen lassen. Kinder werden in ihrem Schönheitssinn allgemein unterschätzt: was sich „billig“ und nach Plastik anfühlt, das behandeln sie auch so – sie ignorieren es.

Und wenn wir ehrlich sind, uns Erwachsenen geht es genauso.

Daher mein Appell an Eltern, Großeltern, Onkel, Tanten, Paten: wenn Sie einen Rosenkranz verschenken, dann nur, wenn Sie auch etwas damit wollen. Kein „Routinegeschenk“ daraus machen, sondern eine wirklich persönliche Gabe gestalten, die Sinn hat und in Ehren gehalten wird, weil der Sinn zu erkennen und zu erfahren ist.

Malachit, Messing
Ende 20. Jahrhundert, Maria Laach
Emailliertes Messingkreuz

Lange bevor ich selbst zur Rosenkranzbeterin geworden war, besaß ich einen Rosenkranz, den mir meine Großmutter von einer Wallfahrt nach Lisieux mitgebracht hatte. Mit einem Kreuzchen zum Öffnen, das eine kleine Reliquie enthielt. Viel zu kostbar für ein Kind von fünf Jahren. Aber genau diese Besonderheit hat ihn vor „kindlichem“ Umgang geschützt und über die Jahre gebracht.

Zum Ende dieses Plädoyers für den schönen, geschmückten Rosenkranz noch die Aufzählung der Medaillen an dem Malachit – Rosenkränzchen aus Maria Laach. Er ist immer in meiner Handtasche zu finden und wurde schon oft an „rosenkranzlose“ Nachbarn in der Kirchenbank ausgeliehen. Weil er schon zu vielen Gesprächen über Heilige und die Bedeutung der Medaillen geführt hat und durch viele Hände gegangen ist, mag ich ihn besonders gern:

Benedikt XVI./Altötting, Bruder Konrad/Gnadenbild Altötting, Franziskusrose/Portiunkula, Mutter von der immerwährenden Hilfe/Alfons von Liguori, emaillierte Medaille aus Lourdes, Benediktusmedaille Weingarten 1936, Benediktusmedaille Montecassino, Pater Pio, Hl. Drei Könige/Kölner Dom – das ist Stoff für ein langes und interessantes Gespräch mit Neugierigen.

Nein, man muß Medaillen nicht unbedingt am Rosenkranz haben, aber man kann. Und man darf ihn schön sein lassen, wenn man will: auf das eigene Herz hören und nicht auf „Demutsapostel“, die vielleicht generell ein Problem mit dem Rosenkranzbeten haben…

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Ein Kommentar

  1. Ein wundervolles, sehr feinsinniges Plädoyer für den schönen Rosenkranz!
    Danke, ich bin ganz bei Ihnen!

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