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Mont Sainte Odile – ein Abenteuer

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Mont Sainte Odile – ein Abenteuer

sancta_odiliaHeute ist der Gedenktag der „Heiligen Ottilie“, Sainte Odile, wie es im Französischen viel melodischer heißt. In meiner Heimat ist sie eine beliebte Heilige und Namensgeberin gewesen (wie Wendelinus, Pirminius und Remigius). Wer es „mit den Augen hatte“, ist zu ihr hin gepilgert und benetzte betend seine Augen mit Wasser aus der uralten Quelle am Odilienberg im Elsaß. Dort ist sie die Schutzheilige des Landes und das Bild der frühmittelalterlichen Äbtissin aus fürstlichem Geblüt schaut vom Mont Sainte Odile bei Otrott weit über’s Land bis nach Deutschland hinein. Ihre Legende liest sich wie ein altes europäisches Märchen.
Sie lebte zwischen 660 und 723 n. Chr. und starb im Ruf der Heiligkeit.
Anläßlich des Gedenktages der Heiligen ist mir ein kleines Abenteuer wieder eingefallen oder „wie wir den Mont Sainte Odile bezwangen“.
Mont_Sainte-OdileMit guten Freunden reiste ich 1988 durch Südfrankreich (vier Personen, ein Golf). Zum Abschluß der Reise hatten wir uns drei Tage auf dem Mont Sainte Odile vorgenommen, um noch ein bißchen durch die Wälder zu streifen. So waren wir in einer Nacht die fast 1000 Kilometer gefahren und kamen todmüde am Fuß des Berges an. An der Hauptzufahrt in der Ebene stand ein Polizeiposten als Straßensperre im Nieselregen und vermeldete, hier könne man nicht durch, der Papst (Johannes Paul II.) würde erwartet und man brauche eine Einladung.

Ach Herrje…einerseits freuten wir uns, daß wir wohl auf diese Weise zu einem unverhofften päpstlichen Segen kommen würden, andererseits konnten wir die Aussicht auf ein erholsames Bett vorerst in den Wind schreiben. Also dann wenigstens den Papst. Wir fuhren weiter, um evtl. an anderer Stelle „nach oben“ zu kommen, aber überall das gleiche Bild: Straßensperre. Ein netter elsässischer Gendarm riet uns auf deutsch, wir könnten doch den Berg hinauflaufen, es sei noch Zeit, bis der Papst komme.
Gesagt, getan: wir stellten das Auto auf einem Waldparkplatz ab und schlugen uns der mont_ste_odile-heidenmauer„Heidenmauer“ folgend durch den Wald Richtung Kloster. Das Laub war schon herbstlich gefärbt und der feine Nieselregen drang uns langsam durch die Kleider.
Damals dachte man noch, die Mauer sei keltischen Urprungs und so erzählten wir uns launige Geschichten über Druiden und Zaubertränke, während wir da recht angestrengt und schnaufend auf kürzestem Weg nach oben strebten. Aus der Ferne hörte man Musik und Gesang und das war ein seltsamer Kontrast zu unserem verborgenen Gehen unter dichtem Laubdach und auf wurzeldurchzogenen Waldpfaden. Als wir unter dem Haupttor des Klosters ins Freie traten….hatte der Papst gerade den Ort verlassen. Wir konnten noch seinem Autokonvoi auf der Straße in die Ebene nachschauen. Das war am 11. Oktober 1988.
Wir ließen uns dann auf die von Rosen umstandenen Bänke im Innenhof sinken (sicher ahnt der Leser, daß es JETZT auch zu regnen aufgehört hatte…) und sinnierten darüber nach, ob wir nun auch vom Papst gesegnet worden waren, wo wir doch noch im Wald steckten. Die Mehrheitsmeinung war: ja. Der tapfere und unverwüstliche Ehemann meiner Freundin stapfte nach einer Tasse Kaffee los, um unser Auto zu holen und die Ladies durften im Hotel des Klosters endlich in die Kissen sinken.

figur_ste_odileEin verwunschener Ort ist das dort oben mit einem ganz eigenen Zauber. Im Kontrast zu Südfrankreich kam er uns sehr „nordeuropäisch“ vor und für mich „Waldmenschen“ aus der Südpfalz war es fast heimatlich.
Nachhaltig beeindruckt war ich von der Tatsache, daß in der Kirche des Klosters „Ewige Anbetung“ seit 1931 gehalten wird. Zum Teil von den Schwestern, die da leben, zum Teil aber auch von Pilgergruppen aus den Gemeinden des Elsaß. Ich hatte solch einen Ort bis dahin noch nicht erlebt und es bewegte mich sehr.
Wir saßen  nachts für einige Stunden dabei und wachten mit und dieses Sicheinreihen in die Kette der Beter war unvergesslich.
So hat uns also die Heilige Odilia unversehens doch eine kleine „Fußwallfahrt“ beschert und uns die Augen für das Eigentliche geöffnet.

 

S. Johannes Paulus II Mont Sainte Odile 1988

S. Johannes Paulus II
Mont Sainte Odile 1988

Lasset uns beten!
O Gott, Du Licht der Völker,
Du hast die Hl. Ottilia durch Wunder verherrlicht
und der Blindgeborenen im heiligen Sakrament der Taufe das Augenlicht gegeben.
Wir bitten Dich nun vertrauensvoll:
Schenke uns auf ihre Fürbitte hin die Gesundheit des Leibes und der Seele,
damit wir hier in diesem Leben mit den Augen unseres Leibes
in der Schöpfung die Spuren Deiner Weisheit und Liebe sehen können
und dereinst im anderen Leben Dich selbst unverhüllt schauen dürfen ohne Ende.
Durch Christus, unseren Herrn.
Amen. (Quelle)

odilienberg

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