Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Nichts wird dir fehlen

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Nichts wird dir fehlen

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Osterbild
Köln 1933

Menschen erheben Anspruch auf Führung. Sie wecken große Erwartungen, versprechen Freiheit, Glück – wenn wir ihnen folgen. Prüft die Stimme!, sagt uns Jesus; prüft das Wort und den Klang. Die Stimme Jesu ist unverwechselbar: Er ist das wahre Wort, er ist der gute Hirt.

Antiphon: Der Herr ist mein Hirt; er führt mich an Wasser des Lebens.
Psalm 23
1 Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.
2 Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Rastplatz am Wasser.
3 Er stillt mein Verlangen; er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen. – (R)
4 Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht. – (R)
5 Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, du füllst mir reichlich den Becher. – (R)
6 Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit. (R)
Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.

Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Ich bin der gute Hirt.
Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.
Halleluja.

Die Stimme
Die Unterscheidung der „Stimme“ ist heute wichtiger als je gegenüber einem zunehmenden Gewirre von Argumenten und Parolen menschlicher Intelligenz, die die schlichte Wahrheit des Evangeliums bestreiten oder verdrängen … Alles liegt jetzt an der Übereinstimmung mit der Stimme des Hirten. Sie fordert gegebenenfalls auch den Preis der Flucht vor der Stimme des Fremden, die Weigerung, ihm zuzuhören. Also nicht in jedem Fall Dialog. (Heinrich Spaemann)

Blindheit
Gerade das ist das Harte an geistiger Blindheit, dass man, obwohl man weder edel noch gut noch verständig ist, sich selbst so vorkommt, als hätte man diese Ziele erreicht. (Platon)

Tagesimpuls Erzabtei Beuron

Immer dann, wenn ich mich entscheide, in einen notwendigen Kampf zu ziehen, und sei es, wie hier nur virtuell, dann beschäftige ich mich vorher und nachher lange damit. Insbesondere wenn Emotionen eine Rolle spielen, prüfe ich meine Motivation besonders ausgiebig. Habe ich dann im realen Leben oder virtuell Stellung bezogen, bleibt das Ganze weiter Gegenstand der Reflektion. Manchmal habe ich das Glück, von Gesprächspartnern zu profitieren, oft aber bleibe ich mit meiner „inneren Beratungskonferenz“ alleine.

Mutter vom guten RatMein wichtigstes Gegenüber ist dann die „Mutter vom Guten Rat“, Maria, an deren sicherer Ankerkette ich im Rosenkranz gehe: „Schweige und lausche, neige deines Herzens Ohr, suche den Frieden…“
Ich bete um Führung.
Und wenn mir die Gnade der Antwort widerfährt, dann wird das Herz ruhig, alles wird ruhig.
Meine Antwort „im Kampf“ mit dem schwarzen Ritter, der den Morgenstern gegen den Papst und zwei Heilige schwingt, war ganz schlicht: es fiel mir Psalm 23, „Der Herr ist mein Hirte“ ein. Wenige Stunden später dann die Texte der Sonntagsliturgie – Dank überflutet mein Herz.

Ja, manchmal darf man nicht schweigen. Manchmal muß man sagen, es ist falsch, was Du tust. Manchmal muß man Zeuge sein und geradestehen für das, was man erkannt hat. Nicht in zerstörerischer Absicht, nicht in der Absicht, alles andere zu übertönen, aber in der klaren Intention, die eigene, nur dir geschenkte Stimme hörbar zu machen. Mag es auch nicht dein letztes Wort sein, so ist es doch dein Beitrag jetzt: den Rest überläßt du Gott. Nada te turbe…
„Die Wahrheit ist symphonisch“ sagte Hans Urs von Balthasar. Ja, das ist sie.
Es gibt aber jene, die sich nicht „symphonisch“ geben, die alles überwältigen wollen mit ihrer Stimme, ihrem Instrument, die eine Meinungsführerschaft ausüben wollen, die ihnen nicht zusteht. Man muß es ihnen spiegeln: Du bist zu laut, Du übst Gewalt aus.
Alles liegt jetzt an der Übereinstimmung mit der Stimme des Hirten. Sie fordert gegebenenfalls auch den Preis der Flucht vor der Stimme des Fremden, die Weigerung, ihm zuzuhören. Also nicht in jedem Fall Dialog.“

Nein, kein „fauler Friede“ mit der Bosheit, mit einem, der Gewalt ausübt. „Fauler Friede“ ist ein anderes Wort für Acedia, den Mittagsdämon, der alles lähmt und gegenüber Gott und den Menschen taub und fühllos macht:
„Prüft die Stimme!, sagt uns Jesus; prüft das Wort und den Klang. Die Stimme Jesu ist unverwechselbar: Er ist das wahre Wort, er ist der gute Hirt.“
Was die Mönche von Beuron in ihren heutigen Tagesimpuls geschrieben haben, das war für mich bestimmt und dafür danke ich frohen Herzens.
Mutter vom Guten Rat, bitte für mich.

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4 Kommentare

  1. Liebe A., ich danke Dir für diese Worte, die mir in der Seele gut tun. Ich denke da an eine Situation, in die ich vor wenige Wochen geraten bin. Innerhalb von Pfarrgemeinderäten unserer neuen Großpfarrei habe ich Schlimmes erlebt und dazu nach intensivem Ringen mit mir als Einzige Stellung bezogen. Genau dies herrschte vor: fauler Friede mit einer, die Gewalt ausübte. Jemand wurde zu Unrecht öffentlich ausgeschlossen und diffamiert, und alle haben geschwiegen. Ich habe das schier nicht ertragen. Und das war genau mein Empfinden: ich will dieser bösen Stimme einer Pfarrgemeinderatsvorsitzenden, im Katholikenrat aktiv, die sich aber in ihrer Gemeinde für meine Begriffe „böse“ verhält, nicht zuhören. Natürlich ist sie eloquent und man kann einfach nicht mit ihr reden. Ich war mir unsicher, weil ich jetzt angefeindet werde wegen meiner Reaktion, in der ich öffentlich Partei für den zu Unrecht Ausgeschlossenen bezogen habe und das hinterhältige Verhalten aufgezeigt habe. Durch deinen Beitrag fühle ich mich bestärkt. Ich höre nur auf den Heiligen Geist und kann Kraft des Gebets „böse Geister“ erkennen. Danke und liebe Grüße!

    • Es ist so sehr Sitte geworden bei uns, daß man mit Frechheit und Smartness siegt. Mit kalter Intellektualität und Scheinvernünftigkeit.
      Man darf das Feld nicht den Herzlosen überlassen. Mir ist am Wichtigsten, daß ich mich nicht dazu manipulieren lasse, selbst herzlos zu werden. Du kennst ja „Ali in Battle“ von Rumi…
      In diesen Gremien geht ja allgemein „bös die Post ab“ und leider „gewinnen“ viel zu oft die Lauten und Narzißtischen, die ohne jeden Zweifel an sich selbst…

      • Du triffst den Nagel auf den Kopf, genau so erlebe ich viele dort: narzisstisch und herzlos, „kalte Intellektualität“ kommt mir auch bekannt vor. Die „ohne Zweifel an sich selbst“ sind mir so zuwider – ich will mich dem nicht mehr aussetzen, habe mein ehrenamtliches Engagement vorerst sozusagen beendet. Die größte Enttäuschung war für mich in diesem Zusammenhang der Pfarrer! Jetzt besuche ich jeden Tag die Hl. Messe im Kloster St. Paulus in Worms, das ist Balsam für meine Seele.

  2. Liebe Ankerperlenfrau,

    auch mir sprichst Du aus der Seele. Ein guter Rat, sich an die Mutter vom guten Rat zu wenden. Es besteht nämlich auch die Gefahr, dass man im eigenen Kampf, im für Etwas oder für einen Anderen einzustehen, aufpassen muss, dass sich die eigene Stimme nicht auch in eine laute niederschreiende Stimme wandelt und man selbst zu einer Unrechtsstimme wird, genau wie jene denen man entgegnen will. Da ist die Besinnung auf den rechtenTon „SEINER STIMME“, notwendig.

    Liebe Grüsse Clara

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