Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Oh Herr, warum kannst Du nicht bei uns bleiben?

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Oh Herr, warum kannst Du nicht bei uns bleiben?

christi_himmelfahrt

Merian 1629

Dieser alte Stich zeigt sehr schön das Erschrecken und Erstaunen der Jünger bei Christi Auffahren in den Himmel. Das Wort „Auffahrt“ hat mir immer sehr gut gefallen, weil es die Plötzlichkeit, die Wucht des Ereignisses so deutlich macht. Ich habe mir immer vorgestellt, wie getröstet die Jünger gewesen sein müssen nach Begegnungen mit dem Auferstandenen. Und da: jetzt ist er ganz weg, den Blicken, dem Erleben entzogen.

christi_himmelfahrt_2Wenn ich im Rosenkranz bete, „Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist“, dann ist das immer ein etwas „verstörender“ Moment und in der Betrachtung geht es mir regelmäßig wie den Jüngern auf dem Bild. Ich erschrecke ein bißchen und würde gern rufen, oh Herr, warum kannst Du nicht bei uns bleiben? Es fühlt sich verwaist an, so, als würde sich Gott von mir weg in „seine“ Sphäre (wir nennen es Himmel) zurückziehen. Es ist auch ein Tag, der etwas „Fremdeln“ läßt mit Gott Vater: warum muß das alles so sein, warum zeigst Du Dich uns im Sohn und nimmst ihn dann wieder?

Dann bete ich weiter und warte sehnsüchtig auf Gottes Antwort: „Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat!“ – Der Heilige Geist, Gott sei Dank: nicht alleine, ER läßt uns nicht mit unserer Unfähigkeit, unserer Angst, unserer Kleingläubigkeit und unserer Begrenztheit im Stich.

DU, Herr, hole mich!

Du sende Deinen Geist, daß er mich umschaffe.

Du gib mir den neuen Sinn, der im Stande ist,

das Deinige von Dir her zu denken.

Du gib mir das neue Herz;

aus Gottes Liebe geformt

und fähig zu würdigen, was Gottes ist.

Du ewiger Ursprung, hole mich zu Dir!

Du Schöpfer Geist, schaffe mich um!

Der Du mich begonnen hast, vollende mich!

Amen.

ROMANO GUARDINI (aus „Der Herr“)

christi_himmelfahrt_1Von den Jüngern heißt es ja bei Lukas: „Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.“ So haben sie sich also rasch vom Schreck erholt, blieben zusammen und beteten. Es sind seine Jünger, ausgestattet mit der Kraft der lebendigen Begegnung. Für mich gilt mehr die Bitte von Guardini: „Du, Herr, hole mich, schaffe mich um, vollende mich“…bringe mich auf die richtige Spur, erfülle mich mit Deinem Heiligen Geist!

Da, auf dem alten Bild sind die Spuren Jesu noch am Boden zu sehen und ich bete mit Franz von Assisi:

Hilf uns, immer zu wollen, was Dir gefällt, damit wir innerlich geläutert und erleuchtet werden, damit wir, erfüllt vom Feuer des Heiligen Geistes, den Spuren deines geliebten Sohnes folgen können, unseres Herrn Jesus Christus. Amen

…Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist.

(die Gebete sind entnommen: „Entzünde in uns das Feuer Deiner Liebe, Gebete zum Heiligen Geist“ Hrsg. Josef Sudbrack SJ, München 1990)

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