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Papst Franziskus: Schlagt gute Hirten vor!

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Papst Franziskus: Schlagt gute Hirten vor!

ostern_1933_b(Radio Vatikan, 21. Juni 2013)  Papst Franziskus hat an diesem Freitagvormittag die Apostolischen Nuntien aus aller Welt empfangen, die in diesen Tagen – noch auf Einladung Benedikt XVI. – im Vatikan zu Beratungen zusammen gekommen sind. In seiner Ansprache an die päpstlichen Gesandten erinnerte Franziskus an die schwierigen Lebensumstände, die die Diplomaten im Dienst der Weltkirche auf sich nehmen, und ermunterte sie, diese als Möglichkeit zu begreifen, ohne den Ballast weltlicher Güter und Beziehungen Gott noch näher zu kommen. Er betonte außerdem die wichtige Rolle, die die Gesandten bei Empfehlungen für die Besetzung der lokalen Bischofssitze hätten. Die Nuntien sollten „gute Hirten“ vorschlagen. Franziskus führte aus:

„Ihr kennt den berühmten Ausdruck, der ein grundlegendes Kriterium bei der Wahl dessen, der regieren soll, darstellt: si sanctus est oret pro nobis, si doctus est doceat nos, si prudens est regat nos – wenn er heilig ist, bete er für uns, wenn er gelehrt ist, lehre er uns, wenn er wohl bedacht ist, regiere er uns. Bei der delikaten Aufgabe, die Untersuchungen zu den Bischofsernennungen anzustellen, seid darauf bedacht, dass die Kandidaten Pastoren nahe bei ihren Gläubigen sind: das ist das erste Kriterium. Hirten nah beim Volk. Aber, der ist doch ein großer Theologe, ein schlauer Kopf… Na, dann soll er doch auf die Universität gehen, da wird er sicher viel Gutes tun! Aber Hirten? Die brauchen wir.“

Väter und Brüder, bescheiden, geduldig und barmherzig sollten sie sein, so fuhr Papst Franziskus fort in der Aufzählung der Kriterien, die er für die neuen Bischöfe als unabdingbar betrachtet:

Pfarrer-von-Ars„Dass sie die Armut lieben, innere Armut als Freiheit für den Herren und äußere Armut als Einfachheit und Schlichtheit des Lebens, dass sie nicht die Geisteshaltung von „Fürsten“ haben. Seid darauf bedacht, dass sie nicht ehrgeizig seien, dass sie das Bischofsamt nicht anstreben: man sagt, dass Johannes Paul II. in einer ersten Audienz, zu der ich gerade die Einzelheiten nicht erinnere, gesagt habe: das erste Kriterium ist volentes nolumus („die die wollen, wollen wir nicht“). Wenn ihr einen habt, der das Bischofsamt anstrebt, dann geht das nicht. Und dass sie Gatten einer Kirche seien, ohne ständig nach einer anderen zu suchen. Darüber werde ich mehr sagen, wenn meine Worte nicht aufgenommen werden…“

Die Apostolischen Nuntien, so führte Franziskus in seiner Ansprache aus, müssten in ihrem rastlosen Leben viele Entbehrungen auf sich nehmen. Dies sei vergleichbar mit dem rastlosen Wandern Abrahams unter Verzicht auf jede Sicherheit, von dem das Buch Genesis berichtet (vgl. auch Hebräerbrief Kap. 11). Dies bedinge, von eigenen Wünschen und Gütern in gewisser Weise Abstand zu nehmen; auch Karrieredenken sei nicht angebracht und gebe die Betroffenen vielmehr der Lächerlichkeit preis. Diesen Abstand könne man jedoch nur durch eine konstante Beziehung zu Jesus Christus erhalten:

„Euer Leben ist oftmals schwierig, manchmal auch in Orten des Konfliktes – das weiß ich gut -, eine ständige Pilgerreise ohne die Möglichkeit, Wurzeln an einem Ort, in einer Kultur, in einer spezifischen kirchlichen Umgebung zu schlagen. Aber es ist ein Leben, das den Versprechen entgegen geht und sie von weitem grüßt. Ein Leben auf der Reise, aber stets mit Jesus Christus, der euch bei der Hand hält. Vielen Dank nochmals dafür! Wir wissen, dass unsere Stabilität nicht an Dingen hängt, an den eigenen Projekten oder dem eigenen Ehrgeiz, sondern daran, dass wir wahre Hirten sind, die den Blick nicht von Christus abwenden.“

EPA/CLAUDIO PERI  © dpa

EPA/CLAUDIO PERI
© dpa

Das Treffen der 150 Nuntien geht zurück auf eine Initiative Benedikt XVI.. Dieser hatte gewünscht, dass die päpstlichen Gesandten aus aller Welt im Jahr des Glaubens im Vatikan zusammen kämen, um gemeinsam zu beten und sich über die Belange in ihren einzelnen Wirkungsgebieten auszutauschen. Papst Franziskus hatte das Treffen nach seinem Amtsantritt bestätigt. Als Andenken überreichte er den Diplomaten im Verlauf der Audienz jeweils ein kleines 85g schweres Silberkreuz, das von den Goldschmieden Claudio und Piero Savi eigens für diese Gelegenheit gefertigt worden war. Noch bis Samstag werden die Nuntien im Vatikan verweilen, bevor sie wieder an ihre Posten zurückkehren; für Freitagabend ist im Hof der Casina Paolo VI. in den Vatikanischen Gärten ein gemeinsames Abendessen mit Papst Franziskus geplant, unweit des aktuellen Domizils des emeritierten Papstes Benedikt XVI.


Englischer Text aus Catholic Herald co.uk

„Nuncios should beware of clerics who actively “seek the episcopacy” when they are looking for candidates for vacant sees, Pope Francis said today.

Addressing 108 papal representatives to nations and international organisations, along with 40 retired nuncios, who were making a two-day Year of Faith pilgrimage to the Vatican, the Pope said future bishops must be “pastors who are close to their people, fathers and brothers, who are meek, patient and merciful”.

A good prospective bishop will “love interior poverty as freedom for the Lord” and live that externally with a simple lifestyle, and he won’t have the “mindset of a prince”, the Pope said.

The papal representatives are scheduled to dine under the stars this evening with Pope Francis in the Vatican gardens.

The majority of the Vatican diplomats are nuncios or apostolic delegates to one or more country. Pope Francis said one of the most important tasks they have is studying the needs of vacant dioceses and helping him find appropriate candidates for the ministry.

“It’s a delicate task,” the Pope said. “Beware of those who are ambitious, who seek the episcopacy.”

Pope Francis said the best priest to choose as bishop or the best bishop to choose to head a larger diocese or archdiocese is one who is wed to his diocese, “the spouse of one Church, who is not constantly seeking another”.

“I will comment [more] about this when it’s not being recorded,” the Pope told the nuncios, who laughed.

Candidates must be real pastors and shepherds, he said, able to watch over their flock, keep them united, protect them from danger and, especially, nourish their hope, “sustaining with love and patience the plans that God is working within his people.”

“Shepherds need to be in front of their flocks to indicate the path, in the midst of the flock to keep them united, behind the flock to make sure none is left behind,” the Pope said.

Telling the nuncios and representatives that he wrote his speech himself after much thought and prayer, Pope Francis said he knows their ministries mean they often are nomads. “I’ve often thought, ‘these poor men’”, they not only leave their homelands, but serve for a few years in one country, then are moved to another.

The one thing they must never leave behind, he said, is their faith in Jesus and their love for the Church.

“There is always the danger, including for churchmen, to give into what – borrowing an expression from [the late Jesuit cardinal] De Lubac – I call ‘spiritual worldliness’: giving into the spirit of the world which leads to acting for one’s self-realisation and not for the glory of God,” he said.

If a nuncio is not always drawing on the strength of the Lord and not always focused on Christ and his Gospel, “he risks turning a holy mission into something ridiculous,” the Pope said. “I know ‘ridiculous’ is a strong word, but it’s true. Giving into the spirit of the world makes pastors, especially, ridiculous. We might gain some applause, but those same people who appear to approve of us will criticise us behind our backs.”

Even though they don’t have a parish or a diocese, nuncios and other Vatican diplomats are called to be pastors, the Pope said. “Always seek the good, the good of all, the good of the Church and each person.”

But along with prayer and works of charity, nuncios must work with a high level of diplomatic professionalism. “This is kind of like your hairshirt, your penance,” he said.

As a gift, Pope Francis gave each of the nuncios a commemorative silver pectoral cross made for the occasion.“

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