Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Paul Josef Nardini – Rosenkranz

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Sel. Paul Josef Nardini mit Kindern
1821 – 1862
(Link zu Nardini.de)

CARITAS CHRISTI URGET NOS

Paul Josef Nardini wirkte Mitte des 19. Jahrhunderts als Priester im westpfälzischen Pirmasens. Um der Armut und der Not in der jungen Industriestadt zu begegnen, gründete er 1855 die Schwesterngemeinschaft der “Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie” (Mallersdorfer Schwestern). Die Ordensfrauen nahmen sich der verwahrlosten Kinder in seiner Pfarrei an und kümmerten sich um alte und kranke Menschen.

Paul Josef Nardini starb 1862 im Alter von nur 40 Jahren. Sein Lebenswerk und sein Glaubenszeugnis aber bleiben unvergessen.

ZITATE

“Gott ist der Mittelpunkt, das Fundament aller Dinge.”

“Jesus Christus ist mein Wendepunkt; der Brennpunkt meines Herzens; es mag mich anziehen, was da will, von ihm soll es mich nicht ablenken.”

“Liebe ist unser Leben. Liebe ist unsere Bestimmung. Liebe ist das einzige, was Gott von uns fordert, denn die Erfüllung aller Pflichten fließt aus ihr.”

“Ich habe bei so vielen braven Familien eine Armut angetroffen, die mir in der Seele weh tut und jedes fühlende Menschenherz zum Mitleid hinreißt und zur Hilfe auffordert. Ich könnte nie glücklich und zufrieden leben, wenn ich nicht sagen könnte, das Meinige nach möglichster Kraft zur Linderung der Armut beigetragen zu haben.”

“Nicht weniger groß als die leibliche Armut ist die geistige Armut im lebendigen christlichen Glauben.”

“Caritas Christi urget nos – Die Liebe Christi drängt uns.”(2 Kor 5,14)                      Leitspruch der Mallersdorfer Franziskanerinnen

Sein Rosenkranz war in der Ausstellung “Zeitinseln – Ankerperlen” 2005 in Speyer (Rosenkranzsammlung F. Bühler, heute z.T. im Diözesanmuseum Salzburg) zu sehen, das Foto wurde durch die Vitrinenscheibe gemacht, daher leider etwas verspiegelt….

Nardinis Rosenkranz (Ausstellung “Ankerperlen” 2005, F. Bühler)
Ein typisches Stück aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, süddeutsche Machart. Foto A.Wolf

Beschreibung des Rosenkranzes:

Machart und Medaille lassen auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts schließen. Das Material der Perlen ist, von ferne gesehen, schwer zu beurteilen. Ich tippe auf Beinperlen, ungewöhnlich geschnitten und rötlich braun gefärbt.

Der Rosenkranz ist aufgefädelt.  Neun Ave – Perlen wurden durch in Rosenform gestochene Perlen ersetzt, eine Paternoster – Perle fehlt. Das Credo – Kreuz sitzt am falschen Platz. (Bis ins späte 19. Jahrhundert waren die Rosenkränze in ihrer Mehrheit auf Schnüre aufgezogen. Wenn die Schnur riß, kullerten Perlen in alle Richtungen und oft gingen welche verloren.)

Das Abschluß – Kreuz ist “alpenländisch”, ein Typus, der seit dem 18. Jahrhundert sehr verbreitet war. Kreuz, Kruzifixus und Schmerzensmutter sind aus Holz geschnitzt und in eine Silbermontur eingelegt. Das Holz wurde am Silberrahmen festgeschraubt, die silbernen Schraubenköpfe sind erhalten.

Holz und Aufhänger sind “abgebetet”. Die Rosenkränze dieser Zeit sind viel größer als heute gebräuchlich. Dieses Kreuz ist sicher 8 x 5 cm groß. Leider ist der Rosenkranz nicht im Katalog dokumentiert, daher meine Einschätzung aus der Erinnerung. Hier ist der Link zum Katalog: Der Rosenkranz Andacht Geschichte Kunst

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatten die Rosenkränze zusätzlich zum Abschlußkreuz ein Credo – Kreuz. Es saß zwischen Abschlußkreuz und erster Paternoster – Perle. Hier ist es durch das Neufädeln nach oben gerutscht. Seit dem Ersten Weltkrieg fallen die Credo-Kreuze als süddeutsche Eigenart zunehmend weg, das Credo wird nun am Abschlußkreuz gebetet.

Die Paternoster – Perlen liegen in ziselierten Silberkappen und sind in “Rosenform” gestochen. Kleine Filigranzwischenperlen aus Silber dienen als Abstanshalter. Die sehr abgenutzte Pilgermedaille stammt wohl aus Lourdes, jedenfalls entspricht sie den französischen Medaillen der Zeit.

Ein schöner Männerrosenkranz aus der Zeit, als die Pfalz noch bayerisch war und nun die kostbare Reliquie eines beeindruckenden Seligen der Kirche.

Paul Josef Nardini im Dom zu Speyer selig gesprochen
Kardinal Wetter: „Gott rüttelt uns durch den neuen Seligen wach“
Der Priester und Ordensgründer Paul Josef Nardini, der im 19. Jahrhundert als Pfarrer von Pirmasens gegen die soziale Not in der jungen Industriestadt kämpfte, ist am 22. Oktober als erster Pfälzer im Speyerer Dom selig gesprochen worden. Im Auftrag des Papstes verlas der Münchner Kardinal Friedrich Wetter in der Feier das Apostolische Schreiben, mit dem Benedikt XVI. verfügt, dass Nardini als Seliger verehrt werden darf und sein Fest jährlich am 27. Januar gefeiert wird.

Nardini
Schrift

 

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