Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Qui in monte Tabor transfiguratus est coram discipulis.

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Qui in monte Tabor transfiguratus est coram discipulis.

Hier noch einmal die Predigt von Abt Columban zum Evangelium des Zweiten Fastensonntags.

Tabor Ottheinrich Bibel Bayerische Staatsbibliothek

Tabor
Ottheinrich Bibel
Bayerische Staatsbibliothek

Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe:
Auf den sollt ihr hören.“ (Mt 17, 1-9 und Lk 9, 28-35)

Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist
(eine Predigt von Abt Columban Luser OSB, Stift Göttweig)

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!
Bei dieser Feier soll uns der Blick auf das 4. Geheimnis des lichtreichen Rosenkranzes leiten: „Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist.”

Dazu vorweg eine kleine Vorbemerkung, warum wir diese Betrachtung halten, warum wir überhaupt einzelne Stationen und Situationen aus dem Leben Jesu meditieren. Ein modernes Lied, das die Jugend sehr gern singt, bringt das auf den Punkt: „Im anschauen deines Bildes, da werden wir verwandelt in dein Bild.” Rosenkranzbeten heißt eigenttlich nichts anderes, aber auch nichts geringeres als das: Mit Maria auf Jesus schauen und sich auf einen Prozeß der Wandlung einlassen.
Je mehr ich auf Christus schaue, je mehr ich ihm in meinem Leben Raum gebe, umso mehr geschieht ganz still und zunächst unbemerkt etwas, was über kurz oder lang meine ganze Person erfaßt: Ich werde innerlich „umgestaltet”. Ich werde nach und nach der Mensch, der so ist, wie Jesus es will:
„Im Anschauen deines Bildes, da werden wir verwandelt in dein Bild.”
Im Rosenkranzgebet trete ich in einen geistigen Raum ein, in dem ich Christus begegnen und auf ihn schauen kann. Ich lasse mich auf einen Prozeß der Umgestaltung ein. Ich will, daß mein Leben mehr und mehr „Christus – konform” wird!

Versuchen wir nun gemeinsam hinzuschauen auf das „Bild” der Verklärung Jesu, wie es der Evangelist Lukas zeichnet. 

Sieger Köder Tabor

Sieger Köder
Tabor

Zunächst fällt auf, daß Lukas ausdrücklich eines vermerkt und festhält: Jesus steigt auf einen Berg, um zu beten. Dieser Szene geht im Lukasevangelium das Messiasbekenntnis des Petrus und die Leidensankündigung durch Jesus voraus. Die Verklärung will das bestätigen, was Jesus gesagt hat.
Der Berg ist der Ort der Gotteserscheinungen. Moses begegnet Gott am Gottesberg Horeb im brennenden Dornbusch. Das Volk Israel sieht den Berg Sinai ganz mit Rauch bedeckt, weil der Herr im Feuer auf ihn herabgekommen ist.
Für Jesus ist der Berg mit seiner Einsamkeit der bevorzugte Platz für sein Gebet. Dort sucht er die Gemeinschaft mit seinem Vater.
Genau in diesem Moment, wo er betet, wird er als der Christus, als der Messias Gottes geoffenbart, wie er einmal kommen wird in Glanz und Herrlichkeit.

Hier können wir schon einen ersten kräftigen Farbstrich an dem Bild der Verklärung erkennen: Hinter der Verkündigung und der Offenbarung Jesu steht sein Gebet – d.h. seine innigste Gemeinschaft mit dem Vater, aus der heraus er lebt und wirkt!

Der zweite kräftige Farbstrich, der sofort ins Auge sticht, das sind die zwei Gestalten Mose und Elija und ihr Gespräch mit Jesus.
Mose und Elija werden seit jeher im Judentum mit dem Kommen des Messias in enge Verbindung gebracht: Sie repräsentieren Gesetz und Propheten, die auf den Messias verweisen. Beiden ist gemeinsam, daß sie Leidensgestalten sind.
Jetzt strahlen diese beiden großen Gestalten des Alten Testamentes im Glanz der Gottesherrlichkeit, aber zuerst mußten sie durch das Leiden gehen. In ihnen zeichnet sich bereits der Weg Jesu ab: durch das Los des Gottesknechts zum göttlichen Glanz des Messias.
Die beiden großen Vorbilder des Messias reden mit Jesus über sein Ende, über seinen „exodon”, seinen Exodus, den er in Jerusalem erfüllen wollte. Im Klartext heißt das: Sie reden über das Schicksal Jesu, über sein Leiden und seinen Tod, über den Plan Gottes, der in der Heiligen  Schrift – in Gesetz und in den Propheten – schon längst vorgezeichnet ist. In Jerusalem wird sich alles vollenden: sein Tod und seine Verherrlichung.
Wir dürfen hier den Blick auf das Ende Jesu in Jerusalem – auf seinen Tod – nicht losgelöst von dem Wort sehen, mit dem Johannes seinen ganzen Passionsbericht einleitet: „ Da er die Seinen liebte, liebte er sie bis zur Vollendung.” (Joh 13, 1)
Sein „Ende” – sein Exodus – hat mit dem Exodus der ganzen Menschheit zu tun:
Er führt in der Freiheit seiner Liebe in die Freiheit der Liebe.
Sein „Ende” – seine Liebe bis in den Tod – wird zur Mitte der Heilsgeschichte. Auf diese Mitte schauen die großen Männer des Alten Testamentes, aber auch die Kirche! Dieses „Ende” Jesu in Jerusalem eröffnet die neue Zeit, die Zeit des Geistes, das Pfingsten der Liebe. Denn im Tod haucht Jesus seinen Geist nicht aus, sondern er haucht der Welt den Geist ein: sterbend übergibt er der Welt den Geist des Lebens und der Liebe.
 

Der dritte kräftige Farbstrich: das ist die Wolke. Sie hat viel Symbolisches an sich. Sie ist Zeichen der Gegenwart Gottes. Die Wolke auf dem Berg der Verklärung, die Jesus, Mose, Elija und die Jünger einhüllt, offenbart die Gegenwart Gottes und zugleich die Gottesherrlichkeit Jesu.
In dieser Symbolik ist etwas sehr Tiefes ausgesagt: Auf dem Berg der Verklärung steht ein neues Heiligtum. Gott errichtet einen neuen Tempel: Nicht mehr der Tempel in Jerusalem ist der Ort der Offenbarung und Anbetung Gottes, sondern Jesus, auf den das Alte Testament hingewiesen hat. Der Christus, der durch Leiden und Tod hindurchgeht und in der Auferstehung verherrlicht wird, dieser Christus ist in Person Mitte des neuen Gottesdienstes; er ist in Person Gegenwart und Offenbarung des neuen Gottesdienstes.
Durch die Stimme, die aus der Wolke spricht, wird Jesus ausgewiesen als der große Offenbarer des Vaters: „Das ist mein auserwählter Sohn; auf ihn sollt ihr hören!” In Jesus erfüllt sich das Wort, das wir bei Deuterojesaja lesen: „Seht, mein Knecht, den ich halte, mein Erwählter, der mir gefällt! Ich legte meinen Geist auf ihn. Er bringt den Völkern die Wahrheit.” (Jes 41,1)
Jesus gibt den Jüngern, die ihn begleiten, in dieser Szene der Verklärung einen Weg vor, der ihnen zu diesem Zeitpunkt unverständlich ist und bleiben muß: durch Leiden und Tod zur Auferstehung und Herrlichkeit. Das ist der Weg Jesu, der Weg seiner Jünger, der Weg der Kirche.
Das Licht, das von Jesus ausgeht, ist wie eine Programmvorschau auf das, was einmal endgültig kommen wird: die Auferstehung. Aus diesem Licht dürfen wir leben und auf dieses Licht zu dürfen wir leben. So ist dieses Bild der Verklärung ein Bild der Hoffnung, das uns hilft, über alles Begrenzte hinweg das Unbegrenzte zu glauben und zu suchen. Amen.

Abt Columban Luser OSB © A.Wolf

Abt Columban Luser OSB
© A.Wolf

Mit freundlicher Genehmigung von Abt Columban Luser OSB,
Stift Göttweig,
Österreich.

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2 Kommentare

  1. Diese Morgenandacht ist Balsam für die Seele. Dass sie das hier eingestellt hat, dafür danke ich A. von ganzem Herzen.

    • Danke, liebe Ankerperlenfrau, für diese Gedanken!!!
      Gerade heute sind sie für mich Trost und Aufforderung zum Vertrauen, dass alles gut wird… Wie schön, dass wir an eine frohe Botschaft glauben dürfen, auch wenn rundherum nicht immer alles erfreulich ist!

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