Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Rosenkränze zu Allerseelen

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Rosenkränze zu Allerseelen

Im November sind wir in Gebet und Erinnerung verbunden mit denen, die uns vorausgegangen sind in die Vollendung durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Es ist die Zeit für den trostreichen Rosenkranz, diesen Schatz der deutschsprachigen Kirche.

13. Jahrhundert

13. Jahrhundert


…Jesus, der als König herrscht.

…Jesus, der in seiner Kirche lebt und wirkt.

…Jesus, der wiederkommen wird in Herrlichkeit.

…Jesus, der richten wird die Lebenden und die Toten.

…Jesus, der alles vollenden wird.

 

Silberrosenkranz 30er Jahre

Silberrosenkranz
30er Jahre

Wenn mir im „Allerseelen“ Monat so mancher Rosenkranz aus „fremden Händen“ begegnet, dann denke ich an seinen Vorbesitzer, ja an die Vorbesitzer, denn einige Rosenkränze in meiner Sammlung sind schon sehr alt. Wie lange mögen sie schon von Generation zu Generation weitergegeben worden sein, bevor sie dann verwaist sind und in den Handel kamen.
KruzifixEinigen Rosenkränzen kann man es ansehen, daß sie viel benutzt wurden. Die Kettelung ist durch den Gebrauch dünn geworden und die Perlen und Medaillen sind von tausendfacher Berührung „abgebetet“. Diese Rosenkränze mag ich am liebsten. Ich versuche, mir die Betenden vorzustellen, ihre Zeit, ihre Nöte und Freuden.  Just zu Allerheiligen kam ein solcher Rosenkranz bei mir an, den ich im Sortiment eines Silberwarenhändlers gefunden hatte.

Er muß einer frommen Frau gehört haben, seine Medaillen weisen auf die 20er und 30er Jahre hin und auf das Erzbistum Köln. Und schon tauchen die Bilder vor mir auf, die heraufziehende Nazizeit, die Angst der Menschen, der Halt, den sie im Glauben fanden.

Anbetung der Koenige Koeln, 30er Jahre

Anbetung der Koenige
Koeln, 30er Jahre

Die Anbetung der Könige bei dem wahren König, wie man im Ungeist der Zeit den trostreichen Rosenkranz murmelte:

…Jesus, der als König herrscht!

Die große Fronleichnamsprozession in Köln, zur Einschüchterung umzingelt von Gestapo -„Beamten“ mit Fotoapparaten.
Die brennende Stadt und dann die Stadt in Trümmern.
Aus heutiger Sicht ist es unvorstellbar, was die Menschen durchgemacht haben.
Allerheiligen und Allerseelen liegen im liturgischen Kalender beieinander: wie weise. Ich denke an Reinhold Schneiders verzweifeltes Sonett von 1936:

Allein den Betern

Allein den Betern kann es noch gelingen,
Das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten
Und diese Welt den richtenden Gewalten
Durch ein geheiligt Leben abzuringen.

Denn Täter werden nie den Himmel zwingen:
Was sie vereinen, wird sich wieder spalten,
Was sie erneuern, über Nacht veralten,
Und was sie stiften, Not und Unheil bringen.

Koeln 1945

Koeln 1945

Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt,
Und Menschenhochmut auf dem Markte feiert.
Indes im Dom die Beter sich verhüllen,

Bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt
Und in den Tiefen, die kein Aug’ entschleiert,
Die trockenen Brunnen sich mit Leben füllen.

HerzUnd ich denke an die Heiligen jener Tage, die niemand kennt, deren Name in keiner Chronik verzeichnet ist. Die beteten ohne Unterlaß, die niemanden verrieten, denunzierten und dem Untergang preisgaben. Die Opfer brachten, um nach Jesu Weisung zu leben.
Ich denke an Dich, liebe unbekannte Schwester, schließe Dich ein in meine kleinen Gebete, während ich Deinen Rosenkranz in der Hand halte und seine Medaillen betrachte, wie Du sie betrachtet hast: die Gottesmutter mit dem Kind, die Heiligen Drei Könige, die Heilige Theresia von Lisieux, die heilige Bernadette.
Ich werde Deinen Rosenkranz in Ehren halten bis auch ich ihn weitergebe…Ruhe in Frieden.

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6 Kommentare

  1. Mir geht es ähnlich bei alten Gebet- und Gesangbüchern … ich suche ja oft einen Diakonieladen heim und stöbere in den Bücherregalen, die sich meist aus Nachlässen füllen. So manches Buch hat seine Geschichte, gerade auch religiöse Bücher … wenn man ihnen ansieht, daß sie nicht nur irgendwo im Regal standen.

    • Man sagt, die Dinge seien vergänglich und unerheblich…Wer aber einen Sensus dafür hat, der weiß, daß etwas von seinem Besitzer „beseelt“ sein kann (ein besseres Wort fällt mir jetzt nicht ein), wie Du sagst, gerade die religiösen Dinge, die Bücher, die Andachtsgegenstände. Offenbar gibt es das auch „im Negativen“ – manches mag man nicht um sich haben, sei es auch schön, wertvoll, alt…

  2. Liebe A., sehr berührend Deine Betrachtung!

    Ich habe diese „Gesätze“ wieder neu gebetet und sie sind wahrhaft trostreich!
    Sie entlasten mein „Machenmüssen“…. da es den EINEN gibt, der alles im Blick hat, alles ausleuchtet, auch was noch so finster und trüb scheint, der präsent ist in Seiner Kirche, auch da wo wir IHN so oft vermissen! Doch wir können und dürfen IHN nicht zu „ver- und bemessen“ suchen! Unser menschliches Denken kann Seine Größe und Güte nicht ahnen, Sein Wirken nicht einordnen und wenn wir einst vor IHM stehen, werden uns die Augen aufgehen ob Seiner Liebe und Barmherzigkeit. Und dann wird ER uns vollenden!!!

    Einen gesegneten Sonntag morgen!

  3. Liebe Ankerperlenfrau,
    deine Gedanken – nicht nur zu diesem Thema – berühren mich sehr! So viele gute Gedanken und Anregungen hab ich auf deiner Seite schon gefunden! Vielen, vielen Dank dafür…
    Ich selber liebe den Rosenkranz, warum ich aber beim Beten nicht und nicht in die Gänge komme, dem muss ich noch auf den Grund gehen… 😉

    Allen Segen wünsche ich Dir!!!
    Regina

    • Liebe Regina,
      Danke für die freundliche Rückmeldung!
      „Klein anfangen“ mit dem Rosenkranz ist meine Empfehlung: mal die Eröffnung und ein Gesätz beten, dabei die Szene der Heilsgeschichte in der Aufmerksamkeit „stabil“ halten: wie Maria über die Berge zu Elisabeth läuft oder reitet sie? usw. Und kein Zwingen und Drängen – nimm dann lieber ein kurzes Gebet (das Jesusgebet oder ein Stoßgebet) zu den Perlen des Rosenkranzes. Wenn man die Übung noch nicht so hat, dann entgleitet man leicht ins reine „Repetieren“ und das ist nicht der Sinn des Gebetes. Es ist auch nicht „schlimm“ – aber darin liegt eben nicht „das Geschenk“ des Rosenkranzbetens. Man kann sich auch vom gemeinschaftlichen Rosenkranzbeten „tragen“ lassen: vorausgesetzt, man findet einen Ort, wo nicht andere Gebete und Ablenkungen in den Rosenkranz „gepresst“ werden…ganz schlicht der Rosenkranz, das ist am besten.
      Liebe Grüße,
      die ankerperlenfrau

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