Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Rosenkranz aus Wassernuß, Scheyern

| Keine Kommentare

Rosenkranz aus Wassernuss,

Stachelnuss oder Wasserkastanie (trapa natans), auch Jesuitennuss genannt. Es heißt, die Samen der Wassernuss wurden aufgrund ihrer fledermausartigen Gestalt als Apotropäum, als Schutzmittel gegen Unheil gebraucht. Nach Volksmeinung wurden sie im Haus aufgehängt und sollten gegen Überschwemmung, Gewitter, Erdbeben und Hagelschlag schützen. Die seltene Wasserpflanze gedieh u.a. in den Teichen der Benediktinerabtei

Samen der
Wassernuß

Foto: Theodor Frey

Scheyern und Rosenkränze aus den Samen der Pflanze wurden an Pilger verkauft. Eigentlich ist das Kloster berühmt für seine Kreuzreliquie. (Abb. links)

Man kennt solche  Wandrosenkränze  im 19. Jahrhundert auch als Pilgermitbringsel aus Lourdes und Guirmané in Frankreich. Der Brauch, diese überdimensionalen Rosenkränze im Haus aufzuhängen, hat sich mit den bis heute zu findenden großen Wandrosenkränzen aus Holz gehalten.

Rosenkranz Wassernuß

Der Rosenkranz stammt aus dem 18./19. Jahrhundert, kommt eher aus Süddeutschland und dürfte, nach dem Abschlußkreuz zu urteilen, ein recht altes Exemplar sein. Die Länge ist 110 cm. Eisendraht, helle und schwarze Samen der Wassernuß im Wechsel zu fünf Gesätzen gekettelt.

Am Credokreuz, das bei vielen Vertretern dieser Art „Rosenkranz“ eigentlich als Abschluß dient, wird bei diesem Exemplar durch ein echtes Abschlußkreuz ergänzt:

Lateinisches Kreuz in Silberfassung, Silbernägel an den Paßenden, Holzkreuz mit Intarsien aus Perlmutt und verschiedenfarbigem Holz 9 x 6 cm (Jerusalemer Stil), einige Perlmuttintarsien sind verloren – das kommt bei diesen Arbeiten recht häufig vor, da der alte Leim spröde wird und die Plättchen bei Berührung leicht herausfallen.

 

Wer also solch ein Teil in Kisten, Kästen und Dachböden findet und nicht weiß, welche Bewandtnis es hat mit dem seltsamen Teil, dem sei hiermit geholfen!

Apropos „Äquivalenzbewußtsein“ und magisches Denken unserer Vorfahren ( = grimmige Gesichter in Wassernüssen helfen gegen „böse Gesichte“ da draußen): Auch die Gesichtserkennung meines Apple – Computers glaubte auf den Fotos des Rosenkranzes Gesichter auszumachen….

Quelle: „Mittel zum Heil – Religiöse Segens – und Schutzzeichen in der Sammlung Dr. Edmund Müller“, Haus zum Dolder, Heft 7, 2005

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.