Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Rosenkranz – Kranz aus Rosen

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Murillo (1617 – 1682)
Sta. Rosa de Lima
Madrid
„ROSA CORDIS MEI TU MIHI SPONSA ESTO“

Die peruanische Mystikerin Rosa von Lima, bis heute in Lateinamerika verehrt, schmückte zeitlebens eine Rosenkranzkapelle mit selbstgezogenen Blumen und sah in ihren Visionen

M.E. Stapp
Rosa von Lima
1986

die Muttergottes umkränzt von Rosen, den Gebeten des Rosenkranzes. Wie Schmerz und Liebe dem Herzen Flügel verleihen, erlebte sie in unzähligen Bildern ihrer mystischen Herzensschau. (Wunderschön wurde sie von Maria Elisabeth Stapp verstanden und für Adveniat 1986 in Ton geformt).

Warum heißen Gebet und Gegenstand Rosenkranz?  Warum nimmt dieses repetitive Gebet Bezug auf die Rose, auf die ganze Fülle ihrer Symbolik, ihres mystischen Gehaltes und ihrer Ikonographie?

Es geht die Geschichte, (vielleicht eine fromme Legende), nach der ein einfacher Eremit, unwissend und ungelehrt, das Bildnis der Gottesmutter mit dem Kind Tag für Tag mit einem Kranz aus Rosen geschmückt habe, während er seine Gebete verrichtete. Als er nun in ein Kloster eintrat, litt er darunter, daß er den Erlöser und seine Mutter nicht mehr auf diese Weise ehren konnte. Er war nahe daran, das Kloster wieder zu verlassen. Da ermutigte ihn sein Abt, eine Perlenschnur aus Gebeten zu winden und sie der Gottesmutter darzubringen, wie vorher den Kranz aus Rosen. (An anderer Stelle heißt es, die Muttergottes sei ihm im Traum erschienen und habe ihm das Rosenkranzgebet als Ersatz aufgetragen.)

Der Vorläufer des Rosenkranzes war die Paternosterschnur. An ihren 150 Perlen beteten Laien und Schriftunkundige das Vaterunser zum Ersatz für das Stundengebet, die vorgeschriebene Rezitation der 150 Psalmen. Die „Paternoster“ waren somit eine schlichte Zählhilfe wie die buddhistische Mala oder die islamische Misbaha / Subha / Tesbih.

Studiert man die Geschichte des Rosenkranzgebetes, seine Entwicklung, dann wird klar, daß eine ganz außerordentliche Verschmelzung theologischer und mystischer Gehalte stattgefunden hat, die sich in Name, Form und Gestaltung des Gegenstandes bis heute widerspiegeln.

Maria mit Rosenkranz
Altarbild
Köln 1445

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nagel schreibt zu diesem Altarbild aus Köln: „Die Rose hatte im Mittelalter neben der Liebes-Symbolik eine sehr viel stärker religiös geprägte Bedeutung, als wir es uns heute vorstellen können. Ein Beispiel hierfür ist der Ehrentitel „Rose ohne Dornen“ für Maria, die Mutter Christi.

Sichtbar wird diese Bezeichnung in dem Mittelbild eines kleinen Altärchens (Wallraf-Richartz-Museum, WRM 70), welches von einem Kölner Maler um 1445 gemalt wurde und mit Stefan Lochner stilistisch in Verbindung steht. Maria trägt eine Krone aus drei weißen und drei roten Rosen. Wären diese Rosen nicht ohne Dornen, so wäre es nicht sehr angenehm, diese zu tragen. Es würde sich dann sozusagen um eine Dornenkrone handeln. Dieser Bezug zu dem mit Dornen gekrönten Christus ist nicht ganz abwegig, denn der Wechsel zwischen roten und weißen Rosen stellt auch den Bezug zum Leid her. Während die weiße Rose die Reinheit Mariens repräsentiert, also ihre Sündenlosigkeit und ihre Jungfräulichkeit, sprechen die roten Rosen nicht nur von der Liebe Mariens, sondern auch von dem Leid, welches sie selbst zu tragen hatte – als sie z. B. die Kreuzigung ihres Sohnes miterleben mußte.

Neben den Rosen des Kranzes zeigt dieses kleine Altarbild eine weitere Rose: eine rote Rose, welche das Christuskind auf Mariens Schoß der Mutter reicht. Im Sinne der mittelalterlichen Rosensymbolik lassen sich hier zwei Deutungen aufzeigen.

Zunächst sind es mit dieser Rose nun 7 Rosendarstellungen. In der christlichen Tradition hat man neben den 7 Freunden Mariens auch der 7 Schmerzen Mariens gedacht. Die Rose des Christuskindes ist noch klein – vielleicht ein Hinweis darauf, daß die „Schmerzen Mariens“ in der Kindheit Jesu noch klein waren im Vergleich zu denen während seines Leidens.

Der Gestus des Reichens einer Rose durch das Christuskind ist aber auch Ausdruck der Liebe Christi zu seiner Mutter. Jedem gebildeten Theologen des Mittelalters kam bei dieser Szenen ein Vers aus dem Hohen Lied der Liebe des Alten Testamentes in den Sinn, welcher auf das Verhältnis Christi zu Maria bezogen wurde: Wie eine Rose unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern (Hohes Lied 2,2).“

Im „Jesusgebet des Westens“ betrachten wir mit den Klauseln (Geheimnissen) das Leben Jesu, wie es uns biblisch überliefert ist. Warum tun wir das aber vor dem Hintergrund des 50-fach wiederholten Ave Maria? Das jedenfalls fragen mich protestantische Freunde. Natürlich läßt sich der Gebrauch des „Englischen Grußes“, Elisabeths Gruß,  biblisch belegen und theologisch begründen. Das kommt mir aber immer etwas apologetisch, rechtfertigend, ja entschuldigend vor.

Tatsächlich ist die Rosenkranzfrömmigkeit der Jahrhunderte nicht ohne die mystischen Erfahrungen der Heiligen und Frommen zu verstehen. Mit dem Rosenkranzgebet, wie es sich seit dem Spätmittelalter entwickelt hat, schaut man auf die Mutter, den Menschen, der Jesus am nächsten stand. Man geht eine seelisch – geistige Verbindung mit der Person Maria von Nazareth ein und betrachtet quasi „durch ihr Erleben“, ihr Herz, das Leben ihres Sohnes.

Nicola Grassi
Rosenkranzspende
Dominikus und Franziskus

Ist Gott in Jesus Christus Mensch geworden, was wir Christen bekennen, dann ist die Sonderstellung der Gottesgebärerin an sich eine Selbstverständlichkeit. Dies anzuerkennen, ist im Kontext der Glaubenswahrheiten vernünftig. Das Bekenntnis der Christenheit gipfelt in dieser „Ungeheuerlichkeit“. Die Verbindung des Ave Maria mit der Betrachtung der Heilsgeheimnisse im Rosenkranzgebet führt uns ständig ins unfassbare Zentrum des Glaubens: Gott aus einem Menschen Mensch geworden zur Erlösung der Menschen (Gegrüßet seist Du Mensch Maria mit der Frucht Deines Leibes Jesus, der Gott ist).

Die Heiligen, Mystiker und Frommen halten es bei geöffnetem Herzen im „Auge des Orkans“ aus, können „es fassen“ (Matthäus 19), wie Rosa von Lima, Therese von Lisieux, Teresa von Avila.  Wenn wir also den Rosenkranz beten, das Herzensgebet des Westens, so dient diese Gebetsweise allein der Öffnung unseres Herzens. Was mit dem zählenden Verstand nicht zu erfassen ist, das begreift das Herz. Er soll uns (mit der Hilfe des Heiligen Geistes) in die Nähe der Erfahrung der Heiligen bringen.

Johannes Paul II. zitiert in Rosarium Virginis Mariae Paul VI.:

„Gerade aus der Erfahrung Marias ist der Rosenkranz ein ausgesprochen kontemplatives Gebet. Wenn es diese Dimension entbehrt, würde ein entstelltes Gebet entstehen, wie Paul VI. unterstrichen hat: »Ohne Betrachtung ist der Rosenkranz ein Leib ohne Seele, und das Gebet läuft Gefahr, zu einer mechanischen Wiederholung von Formeln zu werden, ganz im Widerspruch zur Mahnung Jesu: ,,Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen“ (Mt 6, 7). Seiner Natur nach verlangt das Rosenkranzgebet einen ruhigen Rhythmus und ein besinnliches Verweilen, was dem Betenden die Betrachtung der Geheimnisse im Leben des Herrn erleichtert und diese gleichsam mit dem Herzen derjenigen schauen läßt, die dem Herrn am nächsten stand. So werden sich ihm die unergründlichen Reichtümer dieser Geheimnisse erschließen« (Marialis Cultus)“

Durch das Sprechen und Denken der spezifischen Gebete im Rosenkranz nähern wir uns immer tiefer der eigentlichen Betrachtung, dem Schauen mit dem Herzen, dem Erleben der Maria von Nazareth an. Das erst ist das eigentliche „ROSENKRANZBETEN“, so werden Gebete zum Kranz aus Rosen, ein Gnadengeschenk, das uns der „Imitatio Christi“ näher bringt, weil es uns der Anschauung Jesu näher gebracht hat.

Rembrandt van Rijn
Jesus

Brannte uns nicht das Herz?

(Lk 24,32)

 

 

 

 

 

 

 

Hier finden Sie das Kölner Altarbild zur Betrachtung! Der Text von T. Nagel ist der Website des Wallraff – Richartz – Museums Köln entnommen.

 

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