Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Rosenkranz Marotte

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Rosenkranz Marotte

Rosenkranz mit Teilen von Piéchaud 2014

Rosenkranz mit Teilen von Piéchaud 2014

Zum neuen Jahr habe ich mir einen schönen Rosenkranz gefertigt. Kleine Malachitperlen, weil Grün mit der Hl. Anna verbunden wird und die Paternosterperlen in Silber, weil silbern der Mond leuchtet und der Mond in der christlichen Ikonographie ein Attribut der Muttergottes ist.
Das Mittelstück ist ein Silberherz aus der Werkstatt Piéchaud in Frankreich und auch das moderne Abschlußkreuz stammt von dort; ein silbernes Kreuz mit Christusmonogramm und grün emaillierten Kreuzesbalken.

Erst kürzlich habe ich entdeckt, daß zwei Rosenkränze, die mich schon viele Jahre begleiten, von dem französischen Bildhauer und Medailleur Dominique Piéchaud (1922 – 2011) entworfen wurden. Piéchaud war akademischer Bildhauer aus Bordeaux und lernte im Krieg als Kriegsgefangener in Deutschland den für liturgische Kunst bekannten Trierer Bildhauer Anton Nagel kennen. In seinem Atelier in Villefagnan kann man bis heute liturgische Kunst nach seinen Entwürfen erwerben.
piechaud_kreuzcenterpiece_piechaud

 

Ich habe ein Faible für Emaillekunst und Piéchauds Arbeiten mit dem Rückgriff auf historische Vorbilder gefielen mir auf Anhieb.

So habe ich mich zur Ergänzung des Vorhandenen entschlossen und werde die neue „Schönheit“ bei der Heiligsprechung meiner „Lieblingspäpste“ in Rom weihen lassen.
Als Rosenkranzsammler kann man den Tag auf diese Weise schön „verewigen“.
Piéchaud_rosaryManche Freunde betrachten das Sammeln als Marotte.

Laut Definition: eine „seltsame Gewohnheit, wunderliche Neigung, Schrulle“ wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von französisch marotte entlehnt.
Dieses zuerst für das 15. Jahrhundert nachgewiesene französische Substantiv gehört als verkleinernde Suffixbildung (wie frz. marionnette und altfranzösisch mariole („kleines Marienbild, Heiligenbild“) zum französischen Namen Marie (lat. Maria), aus dem sich im 17. Jahrhundert der weibliche Vorname Marotte herausgebildet hat.

Der in der französischen Sprache zu beobachtende Bedeutungswandel führte von „Marienbild, Heiligenfigur“ über „Puppe, Marionette“ zu einem aus einem Stab mit Puppenkopf bestehenden „Narrenzepter“ im 16. Jahrhundert, weiter zu „Narrenkappe“ und schließlich im
17. Jahrhundert zu „närrischer Einfall, Narrheit, seltsame Liebhaberei“. (Quelle)

Glücklicherweise bin ich mit dieser „marotte“ in allerbester Gesellschaft: Weihbischof em. Heinrich Janssen (selbst Rosenkranzsammler) zitiert aus den persönlichen Aufzeichnungen von Romano Guardini; unter dem Datum vom Samstag, dem 30. Mai 1953 notiert er, wie sehr ihn das Asthma quäle,  „umso mehr freut mich jetzt ein Rosenkranz, den ich gestern erworben habe: pastellblau, facettierte Perlen und schön-graues Filigran.“
piéchaud_blauVier Monate später notiert er: „Am Nachmittag habe ich mir die Sachen vom Juwelier geholt. Den Rosenkranz, den ich mir aus den Anhängern des buddhistischen Rosenkranzes habe machen lassen: die Perlen der Gesätzchen sind mattblaues Emaille auf Silber. Ein merkwürdiges Gefühl:die buddhistische Gebetskette ins Christliche aufgenommen zu sehen – wie wenn ein alter Tempel zur Kirche wird.
Und dann den goldenen Rosenkranz. Eine Marotte von mir: etwas Reines und ganz Kostbares zu haben. Er ist nicht ganz geworden, wie ich ihn gewollt habe. Das Gold ist zu rot und zu blank. Schade.
Vielleicht kann man aber noch etwas daraus machen.“

"Guardini - Rosenkranz" Fünf Gesätze, 50 cm, Ave-Perlen Elfenbein; Paternosterperlen, Mittelstück, Kreuz und Kettelung aus 585er Gold

„Guardini – Rosenkranz“
Fünf Gesätze, 50 cm, Ave-Perlen Elfenbein; Paternosterperlen, Mittelstück, Kreuz und Kettelung aus 585er Gold

Für mich ist der Rosenkranz nicht nur Gebetszählschnur. Er ist auch mit seinen Materialien, dem Kruzifixus und den Heiligenmedaillen „die Kapelle“ in der Tasche, „to go“ gewissermaßen.

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Ein Kommentar

  1. Das ist ja beruhigend, daß es auch Andere erwischt…..!!

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