Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Rosenkranzspende

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Rosenkranzspende

Rosenkranzspende Rot an der Rot © wiki commons, Norbert Schnitzler

Rosenkranzspende
Rot an der Rot
© wiki commons, Norbert Schnitzler

Glücklicherweise lebe ich an der oberschwäbischen Barockstraße, die genaugenommen „Spätbarockstraße“ heißen sollte. Liebliche Kirchen und Kapellen an jeder Ecke, alte Wallfahrten in einer traditionell wohlhabenden und tief katholischen „Ecke“ Deutschlands.
Eine schön gepflegte alte Kulturlandschaft mit einem selbstbewußten Bauernstand, „unter’m Krummstab ist gut leben“, der selbst den „Bauern – Jörg“ das Fürchten lehrte. Von solchen Bauern sagte Luther:

Drum soll hier erschlagen, würgen und stechen, heimlich oder öffentlich, wer da kann, und daran denken, daß nichts Giftigeres, Schädlicheres, Teuflischeres sein kann als ein aufrührerischer Mensch; (es ist mit ihm) so wie man einen tollen Hund totschlagen muß: schlägst du (ihn) nicht, so schlägt er dich und ein ganzes Land mit dir.
(Martin Luther: Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern, zitiert nach Fromm, Erich (1985): „Über den Ungehorsam“, dtv München, S. 15)

Sie haben es überlebt und man kann hier Menschen treffen, deren Familie bewirtschaftet seit über 500 Jahren denselben Hof. Ihre Vorfahren haben sich die Freiheit ertrotzt (Zwölf Artikel) und die Äbte und Kirchenfürsten waren einsichtiger, nachgiebiger und konzilianter als die „weltlichen Obrigkeiten“, der Bauernstolz und die Frömmigkeit leben ungebrochen fort.

Steinhausen St.Peter und Paul © wiki commons

Steinhausen
St.Peter und Paul
© wiki commons

Manchmal, wenn ich ein winziges Dorf mit einer prächtigen spätbarocken Kirche sehe, dann hat wohl mancher baufreudige Abt mit einer repräsentativen Kirche für gute Stimmung bei „seinen“ Bauern gesorgt. Bis heute gibt es in meinem Dorf 32 Bauern und sie leben mit durchaus pfiffigen unternehmerischen Einkommenskonzepten für’s 21. Jahrhundert: von der Scholle trennt sich niemand ohne Not. Als „Reig’schmeckter“ (= Neubürger) bleibt man, selbst mit kleiner Scholle, die seit alter Zeit den Hofstücknamen „St. Oswaldus“ trägt, gutmütig geduldeter Gast. Und kleinere Aufstände gibt es immer noch: als der „reig’schmeckte“ Bürgermeister unser Wasser vermarkten wollte, da ging aber die Post ab… da stand der alte Flecken Kopf.

Rosenkranzspende

St. Johann Rot an der Rot © wiki commons

St. Johann
Rot an der Rot
© wiki commons

Die „Rosenkranzspende“ ist ein beliebter ikonographischer Topos in der Barockzeit und ein paar Minuten entfernt habe ich ein schönes Beispiel in der Kirche der Rosenkranzbruderschaft, St. Johann in Rot an der Rot. Eine lichte Hallenkirche in schönen Farben mit heiteren Deckenfresken von Johann Michael Biehle um 1740. Leider wird St. Johann nur noch als Friedhofskirche genutzt und eine Rosenkranzbruderschaft gibt es auch nicht mehr.
Rot_an_der_Rot
Obwohl die Rosenkranzspende an den Hl. Dominikus eine reine Erfindung von Alanus de Rupe ist, habe ich meine Freude an der Bildaussage – es ist doch eine schöne Vorstellung, daß Maria selbst uns den Rosenkranz in die Hand legt (aufmachen muß man sie halt…).
Und wer hat schon so ein properes Jesulein und solch eine blond – bäuerliche Gottesmutter gesehen. Und dann noch der schöne Engel, der die Rosenkränze anreicht.
Nun wissen Besucher dieser Seite, wo das Kopfbild herkommt, das in meinem Blog manchmal auftaucht: aus der direkten Umgebung der „Ankerperlenfrau“ und es zeigt, daß hier von alters her „Rosenkranzland“ ist. Biehl kann mit Januarius Zick an Meisterschaft nicht mithalten, aber lieb ist es, wie er malt.
In der Hauptkirche St. Verena und Maria Himmelfahrt gibt es das Hauptdeckenfresko von Meister Januarius Zick (dem Maler der „schönsten Dorfkirche der Welt“ in Steinhausen), „Mariä Himmelfahrt“ und da ist der Rosenkranz verschlüsselt und über die Darstellung der  Aufnahme des Menschen in den Himmel kann man lange nachsinnen:

Himmelfahrt Mariens

Mariä Himmelfahrt
St. Verena, Rot
© wiki commons, cropped

Die Putti über Mariens Haupt halten eine Krone und zwei (!) Rosenkränze (Rozenhoedje) über das Haupt der Immaculata (Sternenkranz und Mondsichel), und da ist die emblematische Bedeutung leicht gefunden: Maria wird gekrönt durch die Gebete der Menschen, den glorreichen (Goldkrone), freudenreichen (weiße Rosen) und schmerzhaften (rote Rosen) Rosenkranz. Himmelfahrt Mariens
Die kleinen Putti waren übrigens der Trost der Mütter, wussten Sie das? Alle früh verstorbenen Kinder stellte man sich versammelt um die himmlische Mutter vor.

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2 Kommentare

  1. Vor Zeiten war ich schon einmal in Steinhausen … Irgendwann muß ich jetzt doch mal wieder ins Schwabenland fahren … 😉

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