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Schluckbildchen – Mittel zum Heil

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Schluckbildchen – Mittel zum Heil

Auf Nachfrage einer gewogenen Leserin hier eine kleine Aufklärung über ein Hilfs- und Heilmittel, das unsere frommen (oft bäuerlichen) Vorfahren gerne nutzten – das Schluckbildchen.

Schluckbildchen, ganzer Bogen
Maria Zell, 19. Jhdrt. 7 x 10 cm
Quelle: wikimedia

„An vielen Wallfahrtsorten konnten früher Schluckbildchen oder Esszettel – wenn sie nur Text aufwiesen – bogenweise erworben werden. Der Käufer war darauf bedacht, daß der Bogen von einem Geistlichen geweiht worden und nach Möglichkeit auch mit dem am Kaufort verehrten Gnadenbild in Berührung gekommen war.

In Gefahr und Not wurden die einzelnen, oft nur briefmarkengroßen Bildchen verschluckt, (in Wasser aufgelöst und getrunken) oder auch dem kranken Vieh gegeben. Die zu den Sakramentalien zählenden Schluckbildchen wurden als eine Art Medikament angesehen, denen durch den priesterlichen Segen große Kraft innewohnt. Noch im Jahre 1903 billigte die römische Ritenkongregation die Verwendung der Schluckbildchen, allerdings unter dem Vorbehalt, daß sie nicht in „abergläubischer Absicht“ erfolgt. Damit liegt der Gedanke nahe, daß die Kirche zumindest den Verdacht auf Magie nicht auszuschließen vermochte, aber offensichtlich zu einem Kompromiss mit abergläubischen Praktiken bereit war.

Bogen von Schluckbildchen
18. Jhdt. Sammlung Dolderhaus

Den Heilbrauch, Esszettel zu schlucken, kannte schon die Antike, und in karolingischen Quellen ist die Rede vom Verspeisen einer in Brot eingebackenen Heiligendarstellung (bis heute als Osterbrauch in Frankreich erhalten). Es ist nicht klar, ob beim Verspeisen von Schluckbildchen an den Vorgang beim Empfang der Hostie während der Heiligen Kommunion gedacht wurde. Immerhin scheint man auf geistlicher Seite eine Parallele gesehen zu haben.“

aus: „Mittel zum Heil – Religiöse Segens- und Schutzzeichen in der Sammlung Dr. Edmund Müller, Dolderhaus Beromünster, Heft 7, 2005

Der esoterisch Gesinnte unserer Tage wirft ungeweihte Zettel mit Worten (Liebe, Freude, Kraft) ins Wasser und „energetisiert“ sein Getränk…wem’s frommt.

Wie man heute weiß, ist der Placebo – Effekt nicht zu unterschätzen und die Schluckbildchen werden (auch ohne besondere Fürsprache Mariens) ihre Wirkung entfaltet haben.

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2 Kommentare

  1. Herzlichen Dank von der Leserin! 🙂

    Das ist sehr interessant. Vor allem, dass diese Praxis von der Kirche als hart an der Grenze zur Magie gesehen wird.
    Es erinnert mich daran, dass meine Mutter einen Schuss Weihwasser ins Putzwasser tut, damit auch wirklich das ganze Haus gesegnet, geweiht und unter Gottes Schutz steht (als ob sie ihren Gebeten weniger trauen würde). Ich fand, dass das vielleicht kein angemessener Umgang mit dem Weihwasser sei, sie findet es absolut notwendig.
    Magie würde doch bedeuten, mit eigener Macht eine Tat von Gott herbeizuführen, die er nicht tun will. Ihn beherrschen und benutzen. Geht doch gar nicht – meine ich. Nicht mit GOTT.

  2. Liebe Huppicke,
    Putzwasser finde ich auch etwas „gewagt“ 🙂
    vielleicht war das eher ein Scherz von Muttern? —
    Als vor 14 Jahren der Priester unser Haus gesegnet hat, bat ich ihn in jeden Raum, vom Keller bis zum Dach und er hat es gutmütig mitgemacht. Seither fühle ich mich hier sicher und geborgen und nur zu Dreikönig wird der Segen erneuert und mit geweihtem Weihrauch geräuchert, die Türstöcke mit Kreide neu beschriftet (C-M-B).
    Die „sinnlichen“ Zeichen des Glaubens, des Vertrauens finde ich wichtig.

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