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Gebet – Kunst – Geschichte

Schmerz ist ein Meister

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Schmerz ist ein Meister

schmerz_oelbergDa steht es also, dieses große Wort! Da steht es nun, die Lösung allen Menschenlebens auf Erden, das Sprungbrett jeglicher höheren Würde, das Sieb jeglichen Verdienstes, der unfehlbare Prüfstein aller sittlichen Schönheiten!
Man will durchaus nicht begreifen, daß der Schmerz notwendig ist. Wer sagt, der Schmerz sei nützlich, versteht hiervon nichts. Die Nützlichkeit setzt immer irgend etwas Zusätzliches und Zufälliges voraus, der Schmerz aber ist notwendig. Er ist das Rückgrat, das eigentliche Wesen des sittlichen Lebens. Die Liebe wird an diesem Zeichen erkannt, und wenn dies Zeichen fehlt, ist die Liebe nur eine Prostitution der Kraft oder der Schönheit.
Ich kann erst dann sagen, jemand liebt mich, wenn er es auf sich nimmt, durch mich oder für mich zu leiden…
aus: Der beständige Zeuge Gottes, Leon Bloy, Salzburg 1953

Schmerz

Schmerz ist ein Meister, der uns klein macht,
Ein Feuer, das uns ärmer brennt,
Das uns vom eigenen Leben trennt,
Das uns umlodert und allein macht.

Weisheit und Liebe werden klein,
Trost wird und Hoffnung dünn und flüchtig;
Schmerz liebt uns wild und eifersüchtig,
Wir schmelzen hin und werden Sein.

Es krümmt die irdne Form, das Ich,
Und weht und sträubt sich in den Flammen.
Dann sinkt sie still in Staub zusammen
Und überläßt dem Meister sich.

(Hermann Hesse)

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2 Kommentare

  1. Und was ist passiert, wenn man über eine bestimmte „Situation“ immer wieder und immer wieder neu denselben Schmerz durchlitten hat, immer wieder anders hat er dich getroffen, und dann eines Tages…schmerzt es dich nicht mehr und die Situation ist doch noch immer gleich? Doch ich kann keinen Schmerz mehr erkennen. Bin ich nur „taub“ geworden?

    • Annahme seiner selbst? (Guardini)
      Heilung?
      Wachstum?
      Sich dem Meister überlassen?
      Offenes Herz, wo Schmerz und Liebe entbrennen lassen?

      Ich meine, es zeigt vor allem, daß die Quelle des Schmerzes (der Auslöser) und der Schmerz
      zwei sehr verschiedene Dinge sind. Würdest Du taub geworden sein, wäre all Dein Fühlen taub: man kann Gefühle nicht „selektiv“
      „betäuben“.

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