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Gebet – Kunst – Geschichte

Seelenführung ist Mittel, nicht Selbstzweck

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Seelenführung ist Mittel, nicht Selbstzweck

P._Lippertaus: Peter Lippert SJ, Briefe an gute Menschen
Seelische Zersplitterung

{…}Eine ähnliche Aufgabe hat auch das Mittel der Seelenführung; denn ein Mittel ist auch sie, nicht Selbstzweck, nicht Ideal, und ihr schönster Erfolg wäre es, die Seele selbständig und eigenkräftig zu machen, ihr eine inwendige Zielsicherheit zu Gott zu geben und sie dann allein ihre Bahn ziehen zu lassen.
Die Leitung soll die Seele mit leisem, fast unhörbarem Flügelschlag umschweben, wachsam, aber nicht aufdringlich; und sie schweigt, solange die Seele munter und sicher ihren Pfad wandelt.
Die Leitung wird auch nicht eindringen wollen in alle Höhen und Tiefen der Seele; noch weniger wird sie die Winkel durchstöbern und in alle Ecken kriechen. Sie wartet, bis die Seele selbst redet, und ehrt mit feinem Gefühl auch ihr Schweigen und ihre Geheimnisse. Sie ist sich bewußt, daß sie nur Dienerin ist, Dienerin der Seele, nicht ihr herrischer Treiber; Dienerin Gottes, der ja eigentlich aller Seelen wahrer Führer ist und sich hier und dort auch der Menschen dazu bedient.
Darum seien diese Menschen taktvoll und zurückhaltend; sie sollen nicht mehr sprechen als ihnen aufgetragen ist; sie sollen nicht eingreifen, wo sie nicht gerufen sind. Sie sollen tragen, trösten, schützen, helfen, aber nicht poltern, schlagen, treiben, nicht binden und lähmen und knechten.

Alle Anweisungen und Richtlinien, Programme und Regeln, alle Bindungen an Personen und Ordnungen sind nur Mittel, nicht Zweck.

johannesminneMittel aber müssen verschieden sein nach Art und Anlage, nach Stufe und Kraft einer Seele. Was einer Seele dient, kann der andern schaden; was heute eine Hilfe ist, kann morgen ein Hemmschuh werden. Wer aber sagt der Seele, was sie eben braucht? Allgemeine Anweisungen reichen hier nicht zu, am allerwenigsten, wenn sie nur gedruckt sind.
Die lebendige Leitung eines Menschen, der wirklich nur Gottes und der Seele treuer Diener und kluger Helfer sein will, der von feinem Geiste, zarter Liebe, geduldiger Schonung und doch, zielfestem Wollen ist, ein solcher Mensch wäre ja freilich das vollkommenste Abbild und Werkzeug des führenden Gottesgeistes; aber auch er hat noch allzu grobe Hände. In das feinste Zellgewebe des Seelenlebens kann er nicht eingreifen.

Dazu braucht es die Feinheit des Lichtes, die Feinheit unsichtbarer, ungreifbarer und unbegreiflicher Wellen, die von Gott ausgehen. Aber wie sollen sie eindringen, wenn die Seele förmlich zugemauert ist mit Vorsätzen und Ordnungen? Wie soll Gott die Seele führen, wenn sie nie Zeit hat, auf ihn zu hören: Sie könnte ja unterdessen einen Punkt ihrer Tagesordnung versäumen?

Über das große Meer zu Gott kommt die Seele nur, wenn sie sich treiben läßt von dem Wehen seines Geistes, von den leisen oder brausenden Stürmen seiner Gnade. Sie aber, mein Freund, wollen hinüberkommen, indem Sie Ihr Schifflein in heftige Bewegung versetzen durch unzählige Stöße, daß es schwankt und bebt, aber – vom Fleck kommt es dabei nicht, oder nur soviel, als Gottes Strömung es ergreift und über den Zickzack und die Unruhe Ihrer Stöße obsiegt.

Ich wollte so gern, Sie hätten mich verstanden. Denn Sie studieren Theologie. Gott segne Ihren Beruf; aber er halte auch seine Hand über den Seelen, denen Sie einmal Führer sein werden!

Siehe auch: „Der Seelsorger darf nicht zum Hindernis werden“ und
Der gute Rat als Werk der Barmherzigkeit

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Ein Kommentar

  1. Liebe Ankerperlenfrau, liebe Annette,
    ich denke heute an Deinem Geburtstag besonders an Dich. Fühl Dich umarmt (wenn Du willst) und lass Dir ein Lied singen:
    Viel Glück und viel Segen auf all Deinen Wegen, Gesundheit und Frohsinn sei auch mit dabei!!
    Sehr herzlich
    Ute

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