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Gebet – Kunst – Geschichte

Seid frei!

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Seid frei!
Die Zusage des Herrn

Es gibt Themen, die beunruhigen. Nicht kurz, wie Tagesschlagzeilen.
Man atmet sie und sie lassen nicht los.
Eines dieser Themen für mich ist die Haltung „im Westen“ zur „Sterbehilfe“, zum „assistierten Suicid“, wie er für Behinderte, Schwerkranke und Sterbende eingefordert wird – es beschäftigt mich dauernd, auch aus schlimmen persönlichen Erfahrungen heraus.

Was aber kann wach halten in der „Zivilisation des Todes“, wie der Heilige Johannes Paul das genannt hat? Unbestechlich?

Alle Dinge sind möglich dem der glaubt. (Markus 9,23)

Die Heiligen der MATER ET MAGISTRA

Die Heiligen der
MATER ET MAGISTRA

Wie hält man einer Zeit stand, die einem mit aller Macht klar machen will, daß es unwürdiges, unerträgliches und unerwünschtes Leben gibt, das jederzeit in menschlicher Verfügungsgewalt liegt (oder künftig liegen soll).
Wie erträgt man es, das diese Art der „Todestrance“ auch noch „Barmherzigkeit“ genannt werden darf?

Man muß ein Turm sein und aufrecht stehen. Ein Leuchtturm, der einen Wächter hat, der in der Dunkelheit nicht schläft! Der Wächter weiß, daß er nichts und niemanden verändern kann. Aber er bleibt wach und hält die Lampen hell und strahlend. Er bleibt frei. Er tut seine Pflicht.

Dazu ein wunderschöner Text vom Heiligen für das Leben. Der Hl. Johannes Paul II. hat auf einer seiner vielen Reisen gesagt, “ich bin gekommen, um Euch daran zu erinnern, wer Ihr wirklich seid” und am 15. August 2004, kurz vor seinem eigenen Sterben, sagt er in Lourdes:

© Rastelli

© Rastelli

Seid frei!
“An euch alle, Brüder und Schwestern, richte ich den dringlichen Appell, daß ihr alles in eurer Macht Stehende tut, damit das Leben, das ganze Leben, von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende geachtet wird.
Das Leben ist ein heiliges Geschenk, niemand darf sich zum Herrn darüber erheben.
Schließlich richtet die Muttergottes von Lourdes folgende Botschaft an alle Menschen: Seid freie Frauen und Männer! Aber denkt daran: Die menschliche Freiheit ist von der Sünde gezeichnet und muß ihrerseits befreit werden. Christus ist ihr Befreier, Er, der uns »zur Freiheit befreit« hat (vgl. Gal 5,1). Verteidigt eure Freiheit! Liebe Freunde, wir wissen, daß wir dazu auf jene Frau zählen können, die niemals der Sünde nachgegeben hat und deshalb das einzig wirklich freie Geschöpf ist. Ihr vertraue ich euch an. Geht mit Maria auf den Wegen der vollen Verwirklichung eures Menschseins! “

Und er erinnert an das Magnificat, den Lobgesang Marias auf die Wunder des Heiligen Geistes, dem sie gerade begegnet ist:

Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.
Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,
das er unseren Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

Und der Heilige fährt fort:

“Ihre Lippen bekennen die hoffnungsvolle Erwartung jener, die »arm sind im Herrn«, und das Wissen um die Erfüllung seiner Verheißungen, denn Er »denkt an sein Erbarmen« (Lk 1,54). Aus eben dieser Gewißheit ergibt sich die Freude der Jungfrau Maria, die aus dem gesamten Magnifikat hervorstrahlt: Freude darüber, sich trotz der eigenen »Niedrigkeit« von Gott »angeschaut« zu wissen (vgl. Lk 1,48); Freude über den »Dienst«, den sie zu leisten vermag dank der »Wunder«, zu denen sie der Allmächtige berufen hat (vgl. Lk 1,49); Freude über den Vorgeschmack auf die eschatologischen Seligpreisungen, die den »Niedrigen« und »Hungernden« vorbehalten sind (vgl. Lk 1,52–53).
Auf das Magnifikat folgt die Stille, und nichts wird über den dreimonatigen Aufenthalt Marias an der Seite ihrer Kusine Elisabet gesagt. Oder vielleicht wird uns gerade das Wichtigste gesagt:

Das Gute erregt kein Aufsehen, und die Kraft der Liebe äußert sich in der zurückhaltenden Diskretion des täglichen Dienens.

Seid also frei, steht aufrecht und putzt regelmäßig die Lampen, „bis er wiederkommen wird in Herrlichkeit zu richten die Lebenden und die Toten“.
Das Stehen aber, exponiert, hat Konsequenzen und das kann durchaus unangenehm werden. Das sollte man wissen.

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2 Kommentare

  1. “ … jene Frau … die niemals der Sünde nachgegeben hat und deshalb das einzig wirklich freie Geschöpf ist“ …

    Trotzdem war Maria des Alltags mit seinen Verflechtungen nicht enthoben und nicht des Leidens – bis unter das Kreuz. Und gerade darum ist dieses Bild so wertvoll. Gottes Freiheit wächst unter diesen Oberflächen – auch bei uns … sofern wir diese Freiheit wachsen lassen und zu ihr aus unseren Sünden durchbrechen.

    Danke für den schönen Text!

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