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Tibet – ein Lehrstück

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420630_10151362527480527_5255058_nDiese Woche war der 80. Geburtstag des Dalai Lama. Das wusste ich nicht. Aber manchmal gerät man auf merkwürdigen Umwegen in eine Position, von der man selbst überrascht wird – ich setze mich für ein „tibetisches Thema“ ein.

Die Tibet – Frage beschäftigt jede einigermaßen unterrichtete Person. Sie hat zwei Seiten: einmal die geopolitische Bedeutung des Landes und zum anderen die Fragen der Menschenrechte und Religionsfreiheit.
Geopolitisch ist u.a. bedeutsam, daß das kommunistische China mit Tibet das Ursprungsgebiet von fünf asiatischen Strömen und damit die Wasserversorgung von 47 % der Weltbevölkerung kontrolliert.
Das tibetische Volk mit seinem Schicksal steht stellvertretend für alle Minderheitsbevölkerungen, die planvoll ihrer Rechte beraubt und von autoritären Staaten bedrängt und bedroht, ja ausgelöscht werden.
Tibet und die Tibeter haben mit dem Dalai Lama, ihrer inoffiziellen Exilregierung in Dharamsala / Indien und weltweiter Unterstützung durch „Free Tibet“ Aktivisten sicherlich eine Sonderstellung.
Es nützt nur nichts! Die kommunistische Diktatur in China herrscht ungebrochen und blüht und gedeiht an Macht und letztlich Unkontrollierbarkeit.

Meine „China“ – Geschichte ist völlig unerheblich, gemessen an den wirklich existentiellen Fragen der Zeit.
Und doch zeigt sie etwas Exemplarisches über das kommunistische China, die Machtverhältnisse in der Welt und die Verlogenheit und Doppelmoral westlicher „Wertevertreter“.

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Wie facebook Leser wissen, bin ich glückliche Besitzerin zweier Hunde. Wie es das Schicksal wollte, ausgerechnet TIBET TERRIER. Eine uralte, in Tibet als „Landschlag“ gezogene Rasse, ein Klosterwächter und Nomadenbegleithund. Neben vier anderen im Tibet kultivierten Rassen (Do Khyi/Tibet Mastiff, Lhasa Apso, Tibet Spaniel und Shih Tzu) kamen sie mit Indien- und Tibetreisenden nach Europa und hier, von England angefangen, werden sie seit ca. hundert Jahren geregelt gezüchtet und geschützt.
IMG_0989 KopieEine Berliner Tierärztin hat in den dreissiger Jahren in Deutschland die Tibet Terrier Zucht begründet, kam aber beim Einmarsch der Russen in Berlin, zusammen mit der Mehrzahl ihrer Hunde, ums Leben. Die Zuchtpopulation ist nach wie vor vergleichsweise klein und die Liebhaber dieser Rassen zeichnen sich fast einhellig durch eine „Begleitsympathie“ für Tibet und die tibetische Kultur aus.
Nun unterwirft sich seriöse Hundezucht in Europa und weiteren Staaten weltweit dem Reglement der FCI, der Fédération Cynologique Internationale. Ursprünglich gegründet am 22. Mai 1911 in Paris (Gründungsmitglieder waren Verbände aus Belgien, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Österreich) und 1921 nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wiederbelebt, umfasst sie 90 Mitglieds- und Partnerländer. Sinn und Zweck dieses Dachverbandes ist es, kynologisches Wissen zu erweitern und zu Schutz und Wohlergehen der Hunde weltweit beizutragen (da hätten wir dann „die Werte“). Zum Kerngeschäft gehören internationale Zuchtschauen, idealerweise zur Sicherung gemeinsamer Zuchtstandards. In Zeiten von Qualzuchten und ruchlosen Welpenvermehrern, die massenhaft kranke Hunde „produzieren“, ein durchaus sinnvolles Ziel.

Es zeigt sich, daß es in der Hundezucht und ihrer Weltorganisation genauso unglaubwürdig zugeht, wie in anderen „NGOs“: sobald Geld und Annehmlichkeiten, auch Ruhm und Macht ins Spiel kommen, sind Werte schnell vergessen. Eine „interessengeleitete Seilschaft“ innerhalb der FCI hat die Leitung des Weltverbandes „erobert“ und agiert nun nach Lust und Laune. Alle Ideale der Gründerväter vergessend, hat man sich zu einer World Dog Show ausgerechnet in Shanghai, dem nach Westen gerichteten Schaufenster der kommunistischen Diktatur in China, im Jahr 2019 entschlossen. Auf einer Schleimspur aus Geld und „honneurs“, gelegt von der Futtermittelindustrie, die in Asien einen gewaltigen Markt erschließen will und der kommunistischen Regierung, die jede Gelegenheit wahrnimmt, um westliche Geschäftsleute und Luxusreisende davon zu überzeugen, daß China ein Hort von Freiheit und Wohlstand für die Tüchtigen zu werden verspricht, machen sich die organisierten Rassehundefreaks gen China auf.

Plötzlich ist es den angeblich Hundeverrückten egal, daß dort regelmäßig Hunde gefangen, auf übelste Weise geschlachtet und verspeist werden. Vergessen ist, daß für die China – Olympiade nicht nur unglaubliche Menschenrechtsverletzungen passiert sind, sondern auch die Veranstaltungsorte großflächig von Hunden und Katzen „gesäubert“ wurden. Gleichzeitig musste Hunde- und Katzenfleisch für die zartbesaiteten Westler von den Speisekarten verschwinden.
Eine prestigeträchtige World Dog Show will das Regime zur Eigenwerbung gerne haben, der regierungsnahen „Chinesischen Hunde Union“ wird dafür Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung gestellt, um sich die Hundewelt „gefügig“ zu machen.

© getty images

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Nur eines kommt keinesfalls „in die Tüte“: das verhasste Tibet mit seinen uralten Hunderassen darf nicht in der chinesischen Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Tibet gibt es „per ordre de mufti“ nicht, alles ist CHINA. Und was macht die FCI, um die kommunistischen Kadergemüter zu schonen? Sie erklärt kurzerhand, daß die tibetischen Rassen aus China stammen. Ein Vorstand aus zehn Personen fälscht einfach mal so Geschichte und nimmt dabei keinerlei Rücksicht auf seine „altgedienten“ Mitglieder, Züchter und Besitzer tibetischer Rassen, die über Mitgliedsbeiträge teuer dafür bezahlen, von diesen Leuten vertreten zu werden.

Natürlich bin ich empört über die Machenschaften dieses Verbandes, der mich in seinem Vorgehen unangenehm an die FIFA erinnert. Und nicht nur als Besitzerin zweier tibetischer Hunde identifiziere ich mich mit dem Anliegen der weltweiten „Free Tibet“ Bewegung.

Was mich allerdings besonders anwidert ist fast verallgemeinerbar: die verbreitete Ignoranz und Indolenz gegenüber der letzten kommunistischen Gewaltherrschaft in der Welt. Wirtschaftsleute, Politiker, jeder, der ‚was werden will, „kuschelt“ mit China. Abgehalfterte Politiker und Journalisten (AUCH aus katholischen Kreisen) polemisieren lieber gegen den Dalai Lama und die Sympathien, die ihm und dem tibetischen Volk (AUCH von Katholiken) entgegen gebracht werden, als sich klar und offen und den eigenen Werten verpflichtet zu den Unterdrückten und Entrechteten und gegen die kommunistische Diktatur zu stellen. Aus reinem Opportunismus der „toleranten Zuschauer“ genießt das Regime in Peking quasi Narrenfreiheit.

katholische-kirche-chinaIch erinnere mich noch gut, wie sehr die „Ganzfrommen“ Johannes Paul II. kritisiert haben, weil er immer wieder das Oberhaupt der Tibeter empfing und ihn nach Assisi zum Friedensgebet der Religionen eingeladen hatte.

Ein besonders illustrer Unions Politiker, mächtig unterwegs in „katholischen Fragen“, insbesondere Papstkritik,  gibt den Vizepräsidenten der „Deutsch – Chinesischen Gesellschaft“ und schwadroniert nebenher über „Die blutigen Ikonen der Grünen. Terroristen, Kommunisten, Atheisten“.
Da fragt man sich schon, wie einer das „mental“ unter einen Hut bekommt und es fällt mir dazu nur die bestechende Erklärung von Prof. Arno Gruen über den „Wahnsinn der Normalität“ oder „Den Verrat am Selbst“ ein. In der Psychologie gelten Kohärenz und Konsistenz als Zeichen seelischer Gesundheit. Katholiken, die Gewaltherrschern und Kommunisten huldigen, während sie gleichzeitig den Papst, der für die Armen spricht, für einen verkappten Marxisten halten, kommen offenbar ganz ohne aus…. Im katholischen Kontext vertreten sie eine pharisäerhafte „Buchstabentreue“ und verteufeln den „Zeitgeist“ – Relativismus heißt das schaurige Signalwort. Geht es jedoch um den eigenen Vorteil im neoliberalen Wirtschaftssystem, die eigenen Investitionen, den geliebten Wohlstand, dann wird relativiert, was das Zeug hält und heiligste Werte des Christentums, ja glasklare Anweisungen Jesu Christi werden ohne ein Wimperzucken über Bord geworfen und in wilden Denkmanövern relativiert.

China_Tibet_cartoonJa, es stimmt, Realpolitik ist kein „sauberes Geschäft“. Die Kunst des Möglichen läßt alle Beteiligten regelmäßig mit dem Teufel tanzen. Vor diesem Hintergrund gehört allerhand dazu, wenn ein Politiker soviel persönliche Integrität besitzt, daß ihm auch die Qualität „moralische Instanz“ zugestanden werden kann. Und wenn’s um den Glauben geht, dann wird es mit der Glaubwürdigkeit (remember: Konsistenz und Kohärenz) besonders knifflig. Ich würde es daher allgemein begrüßen, wenn professionelle Meinungsmacher („Journalist“ genannt), Wirtschaftsbosse und Realpolitiker den Ball in Sachen „Moral“, Papst- und Kirchenkritik etwas flacher halten würden. Zu durchschaubar sind ihre Interessen. Zu selten besticht ihre persönliche Glaubwürdigkeit so sehr, daß man ihnen ein Urteil über echte „moralische Instanzen“ wie es u.a. der Papst und der Dalai Lama sind, abnehmen würde.

Was nun die Sache mit meinen Tibethunden angeht, die mich zu diesen Überlegungen gebracht hat, bitte ich meine hundefreundlichen Leser (ausnahmsweise) diese Petition zu zeichnen:
We belong to Tibet, not China
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Da diese Rassen recht wenig verbreitet und bekannt sind, ist es schwer, öffentliche Aufmerksamkeit mit zahlenmäßig beeindruckenden Protesten für dieses Anliegen zu erregen und damit den Verbandsfunktionären „auf die Pelle zu rücken“. Wir können also jede Unterstützung gebrauchen.
Es geht einfach nicht an, daß das chinesische Regime jede Spur von tibetischem Kulturerbe – und dazu gehören diese in einer einzigartigen Umgebung gewachsenen Hunde – auslöscht.

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