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Totus Tuus

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Totus Tuus

Zum Gedenktag des Hl. Louis-Marie Grignion de Montfort (1673-1716) zwei Texte zum Nachsinnen. Zuerst kommt Papst Johannes Paul zu Wort und dann Papst Benedikt als Konzilstheologe. Da ich mich in diesem Blog fast ausschließlich der Rosenkranz – Devotion widme, darf ich diesen „Spannungsbogen“, der jeden Katholiken beschäftigen sollte, aufmachen.

Der Selige Johannes Paul II. hat 2003 geschrieben:

Ein klassischer Text der marianischen Spiritualität

Louis de Montfort
wiki commons

1. Vor 160 Jahren wurde ein Werk veröffentlicht, das dazu bestimmt war, ein Klassiker der marianischen Spiritualität zu werden. Der hl. Ludwig-Maria Grignion von Montfort schrieb zu Beginn des 18. Jahrhunderts den Traktat über die wahre Marienverehrung, aber das Manuskript blieb über ein Jahrhundert lang völlig unbekannt. Als es beinahe zufällig im Jahr 1842 entdeckt und 1843 veröffentlicht wurde, hatte es einen großen Erfolg, weil es sich als ein außerordentlich wirksames Werk in der Verbreitung der »wahren Marienverehrung« erwies. Ich selbst schöpfte in meinen Jugendjahren großen Gewinn aus der Lektüre dieses Buches, denn darin »fand ich die Antwort auf meine Ratlosigkeit «, die auf der Furcht beruhte, daß die Verehrung für Maria und »ihre zu große Verbreitung schließlich den Vorrang der Verehrung, die Christus zukommt, gefährdeten« (Geschenk und Geheimnis, S. 37 ). Unter der weisen Führung des hl. Ludwig-Maria verstand ich, daß, wenn man das Geheimnis Marias in Christus lebt, diese Gefahr nicht besteht. Das mariologische Denken des Heiligen »wurzelt im trinitarischen Geheimnis und in der Wahrheit von der Menschwerdung des Wortes Gottes« (ebd.).

Die Kirche hat seit ihren Anfängen und besonders in schwierigen Augenblicken eines der Leidensereignisse, über die Johannes berichtet, mit besonderer Aufmerksamkeit betrachtet: »Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich« (Joh 19,25–27). Das Volk Gottes hat im Lauf seiner Geschichte dieses Geschenk des gekreuzigten Jesus erfahren: das Geschenk seiner Mutter. Maria ist wirklich unsere Mutter, die uns auf unserem Pilgerweg des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe zu einer immer engeren Vereinigung mit Christus, dem einzigen Erlöser und Mittler des Heils, führt (vgl. Konstitution Lumen gentium, 60 und 62).

Wappen und Wahlspruch
Johannes Pauls II.
in St Peter, Rom

Auf meinem Bischofswappen, das symbolisch den vorgenannten Text aus dem Evangelium darstellt, ist der Wahlspruch Totus tuus zu lesen, der sich bekanntlich an der Lehre des hl. Ludwig- Maria Grignion von Montfort inspiriert (vgl. Geschenk und Geheimnis, S. 37–39; Rosarium Virginis Mariae, 15). Die beiden Worte bringen die vollkommene Zugehörigkeit zu Jesus durch Maria zum Ausdruck: »Tuus totus ego sum, et omnia mea tua sunt«, schreibt der hl. Ludwig- Maria. Und er übersetzt: »Mein Jesus, ich bin ganz dein, und alles, was mein ist, ist dein durch Maria, deine heilige Mutter« (Traktat über die wahre Marienverehrung, 233). Die Lehre dieses Heiligen hat auf die Marienverehrung vieler Gläubigen und auf mein eigenes Leben einen tiefen Einfluß ausgeübt. Es handelt sich um eine gelebte Lehre von bemerkenswerter asketischer und mystischer Tiefe, und sie ist in einem lebendigen, leidenschaftlichen Stil geschrieben, der oft Bilder und Symbole verwendet. Seit der Zeit, als der hl. Ludwig-Maria lebte, und danach hat sich die marianische Theologie weiterentwickelt, vor allem durch den entscheidenden Beitrag des II. Vatikanischen Konzils. Heute ist also die montfortanische Lehre in der Sicht des Konzils zu verstehen und auszulegen, sie behält aber im wesentlichen ihre Gültigkeit.

aus: SCHREIBEN VON JOHANNES PAUL II.
AN DIE ORDENSLEUTE DER MONFORTANISCHEN FAMILIEN

Zu den mariologischen Debatten im Zweiten Vatikanischen Konzil schreibt Papst Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger in „Ergebnisse und Probleme der dritten Konzilsperiode, Köln 1965, 28-31“]

„Es war intentional ohne jeden Zweifel ein ökumenisches Votum, als das Konzil sich im vorigen Herbst entschloß, das Marien-Schema als Kapitel in die Lehre von der Kirche einzubauen. Damit sollte nicht nur die Proportion unter den Texten gewahrt werden, in der Mariologie als Teil, nicht als selbständiges Ganzes neben andern selbständigen Einheiten erscheinen sollte. Damit war vielmehr auch eine gewisse inhaltliche Tendenz gegeben: Maria als Glied der Kirche zu sehen, die nicht wie Christus uns gegenüber steht, sondern mit uns gemeinsam auf unserer Seite vor dem Herrn ihren Platz hat als Darstellung der gläubigen Existenz des Christen in der Welt.

In dem Text, der daraufhin verfaßt wurde und an die Stelle des alten Entwurfs getreten ist, ist die deduktiv-aprioristische Mariologie weitgehend – wenn auch nicht vollständig – durch eine positiv-biblische abgelöst. Es wird nicht mehr spekuliert, sondern den Gegebenheiten der Heilsgeschichte nachgefragt und diese in das Verstehen des Glaubens erhoben. Der Begriff ‚Miterlöserin’ fehlt, ebenso der Begriff ‚Mittlerin aller Gnaden’, von dem nur noch ein Rudiment vorhanden ist, wenn gesagt wird, es habe sich in der Kirche die Gewohnheit herausgebildet, Maria neben anderen Titeln auch unter demjenigen einer Mittlerin anzurufen, was ohne Zweifel etwas anderes bedeutet, als zu sagen, sie sei die Mittlerin aller Gnaden.

Alles dies muß man meines Erachtens bedenken, wenn man die Diskussion richtig würdigen will, die vom 16. bis 18. September über dieses Thema im Konzil stattgefunden hat. Es ist wahr, daß diese Diskussion häufig sich auf sehr mäßigem Niveau bewegte und streckenweise kaum die Ebene eines mittelmäßigen Erbauungsbuches erreichte. Der heilige Joseph und der Rosenkranz, die Marienweihe und die Herz-Mariä-Frömmigkeit, der Titel ‚Mutter der Kirche’ und das Suchen nach anderen neuen Titeln bildeten beliebte Gegenstände von Reden, die zwar für die Frömmigkeit der betreffenden Bischöfe, nicht aber für ihre theologische Erleuchtung sprachen.

Aber darüber darf man doch nicht übersehen, daß Stimmen zu Worte kamen, auf die man jahrzehntelang vergeblich gewartet hatte. Ich erinnere an die bedeutsame Rede von Kardinal Léger, der gegen die marianischen Hyperbeln zu Felde zog und sich gegen den Titel ‚Mittlerin’ auch in seiner verdünnten Form wandte. Selbst wenn er richtig gedeutet werden könne, im täglichen Gebrauch und von seinem christologischen Kontext abgesondert, müsse er zu Mißverständnissen führen. Weiter verlangte er, daß der Text klare Hilfen gegen die Mißbräuche der Marienverehrung bieten müsse.

Kardinal Bea

Ich erinnere ferner an die Rede von Kardinal Bea, der sich gleichfalls mit großer Eindringlichkeit, obgleich selbst marianischer Frömmigkeit stark verbunden, gegen den Titel Mittlerin wandte, und einige bisher unangefochtene, von höchster Seite zur Begründung der Mariologie unkritisch verwendete Schriftstellen in ihrer exegetischen Fragwürdigkeit aufdeckte. Ich erinnere vor allem an die wichtige Rede von Kardinal Alfrink, der die innere Unangemessenheit aufdeckte, die in der üblichen Gegenüberstellung von Maximalisten und Minimalisten liegt, und das theologisch Schiefe herausstellte, das in diesen bislang unangefochtenen Kategorien steckt. Damit ergab sich zugleich die Herausarbeitung des Unterschieds der Ebenen, der zwischen Devotion und Doktrin besteht und von da aus wiederum eine entschiedene Kritik des Titels Mittlerin.

Geben wir uns keinem Mißverständnis hin: Sinn der konziliaren Bemühung konnte es selbstverständlich nicht sein, langsam aber sicher die Marienfrömmigkeit als solche zu demontieren und auf diese Weise gleichsam sich dem Protestantismus allmählich zu assimilieren. Wohl aber mußte das Ziel sein, sich einer schriftvergessenen Spekulationstheologie unter dem Anruf des Fragens der getrennten Brüder zu entziehen und sich nüchtern und entschlossen auf den Boden des biblischen Zeugnisses zu stellen. Nur wer weiß, wie selbstverständlich Titel wie Mittlerin und Miterlöserin unter dem Schutz päpstlicher Lehräußerungen in der Theologie schon geworden waren, wie völlig jeder Widerspruch verstummt war, wird das Gewicht dieser Vorgänge recht einschätzen können. Die Debatte, vor der die ökumenisch denkenden Theologen Angst empfunden hatten, darf rückschauend trotz ihrer Schwächen als heilsam und notwendig bezeichnet werden. Nur so konnten solche Stimmen, zu denen sich übrigens auch diejenige des Kardinals Silva von Santiago de Chile gesellte, laut werden und damit eine Wende in der Mariologie einleiten, die von größter Bedeutung werden kann. Wer um die wirkliche Situation der Theologie vor dem Konzil weiß und um die Schwere der Fragen, die hier stehen, wird nur mit großem Dank auf diese zeitweise öde Debatte zurückblicken können.“

Ich bin der festen Überzeugung, daß die Verehrung der Gottesmutter Maria biblisch und theologisch gut begründet sein muß, um ihre Wirkung in unserem Glaubensleben behalten und entfalten zu können. Eine „gesunde“ Marienfrömmigkeit bildet keinen Widerspruch zu redlicher Theologie in der Tradition der Kirche. Es muß allerdings jeder Gläubige in sich zu einer Balance finden. Für die private Glaubenspraxis kenne ich kein besseres Mittel, als die Betrachtung der Heilsgeheimnisse im Rosenkranzbeten. Der „Rosarium Virginis Mariae“ kann uns wie ein „Eichstrich“ für unser Frömmigkeitsleben dienen:  Diese Gebetsweise bleibt – in rechter Weise geübt – immer christozentrisch und läßt uns gleichzeitig mit Maria, die Du oh Herr in den Himmel aufgenommen hast, in ein Begreifen des Herzens vordringen, das uns auf rein rationalem Wege verschlossen bliebe.

Es gilt, dieses Gebet mit der Sehnsucht des russischen Pilgers zu üben, die Betrachtung zu lernen bis jene „nüchterne Trunkenheit des Geistes“ erreicht ist, in der unser Herz vollkommen geöffnet ist für die Liebe des Vaters, für die wahre Herzensschau.

Und jetzt, quasi zur „Entspannung“ noch etwas Information zum „Totus Tuus“ – Mosaik am päpstlichen Palast in Rom.

DAS MOSAIK IM PALASTFENSTER

Das Mosaikbild der Gottesmutter, welches von der Fassade des Apostolischen Palastes auf den Petersplatz blickt,
hat Papst Johannes Paul II. vor dem Angelus am 8. Dezember 1981 eingeweiht.
Ursprünglich war es auf eine der roten Marmorsäulen gemalt, die sich im Mittelschiff der kostantinischen Basilika befanden.
1607 gelangte es in die neuerbaute, heutige Peterskirche, wo es 1645 vom Vatikanischen Domkapitel gekrönt wurde.
1970 zeichnete sie Papst Paul VI mit dem Titel „Mater Ecclesiae“ aus
Das Gnadenblid befindet sich über dem Altar der Säulenkapelle; im rückwärtigen linken Seitenschiff von Sankt Peter.
Dieses Fresco der „Mater Ecclesiae“ diente der Vatikanischen Mosaikwerkstätte als Vorlage für das Mosaik,
das auf Wunsch des Papstes, an der Eckfassade des Apostolischen Palastes – dem Petersplatz zugewandt angebracht wurde.
Es ist eine gute Wiedergabe: Maria hält den Kopf leicht geneigt, die Augen auf den Betrachter gerichtet.
Ihre Lippen deuten ein Lächeln an. Auf dem Arm hält sie das Jesuskind.
Seine rechte Hand erhoben und der linke Arm liegt mit einer Geste zärtlicher Vertrautheit auf dem Arm der Mutter.

Das Mosaik hat eine Grösse von: 1,34 x 2,55m, Fläche: 3,42qm
und besteht aus ca. 50 000 Mosaiksteinchen,
Im untern Feld sind das Wappen Papst Johannes Paul II. und sein Wahlspruch „TOTUS TUUS“.

Enrico Portmann Mosaikwerkstätten Vatikan

 

 

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