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Vorfreude auf das Konklave

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Vorfreude auf das Konklave

Da bin ich jetzt noch nicht steinalt und werde nun mein fünftes Konklave und den sechsten Papst erleben. Zugegeben, bei der Wahl Pauls VI. war ich gerade feste am erste Schuhe abnutzen und plapperte munter mit dem Neuerwerb Sprache…Über die Gemütsverfassung der Eltern prägte sich die Zeitstimmung ein: Angst vor einem Weltrieg im Kalten Krieg, Unruhen, Konflikte, Diktaturen…und die ersten Fernsehbilder dazu.

Chruschtschov und Kennedy 1963

Bei uns war die Trauer um Johannes XXIII. groß, das Konzil war unvollendet und der Kontrast zwischen dem allseits geliebten alten Papst „Papa buono“ und dem scheuen, etwas zurückgezogen wirkenden Intellektuellen Papst Paul VI. erinnerte „stimmungsmäßig“ ein wenig an den Übergang von Johannes Paul II. zu Benedikt XVI. –

Die Sechziger waren irgendwie gruselig, aus der Warte eines Kindes betrachtet. Ich gehöre zur ersten „Medienkonsum-generation“ und wir saßen (meist unbegleitet) stundenlang vor verstörenden Fernsehbildern aus Vietnam, Kambodscha, Bangladesh, Biafra – gequälte Menschen und Unruhen, wohin das Auge blickt – Wasserwerfer, Schüsse auf den Straßen…in den Augen der Eltern das Schweigen der Kriegskinder…

Mit Papst Paul VI. bin ich aufgewachsen und verhältnismäßig „kirchenmündig“ war ich zum Heiligen Jahr 1975. Aus Rom kamen immer Friedensappelle, Versöhnungsaufrufe und der alte Papst stellte sich den Terroristen zum Austausch für Aldo Moro als Geisel. In dieser chaotischen, verrücktgewordenen Welt kam mir die Kirche wie ein Hort des Friedens und der Freiheit vor.

Aus meiner Erinnerung kann ich sagen, daß die Zeiten nicht besonders rosig waren: der Terror in Europa hielt besonders Deutschland und Italien in Atem, es waren die schrecklichen Zeiten der RAF, IRA, PLO, Roten Brigaden und wie sie alle hießen. Selbst „zivilisierte“ Staaten agierten wie Gewaltstaaten (die Briten in Nordirland, die Amerikaner in Lateinamerika, Südafrika…). Die Hochrüstung hatte begonnen und in der Pfalz konnte man keine Autobahn befahren, ohne einem ellenlangen Militärkonvoi zu begegnen.

Irgendwie hatte die unbesorgte Kindheit im Sommer 1972 aufgehört, ein heißer Sommer, als die Freude an der Olympiade in München jäh zerriß mit dem Attentat auf die Mannschaft Israels.

RAF erste Generation 1970 – 1977
Fahndungsplakat

Die Gewalt riß nun nicht mehr ab und selbst in unserem kleinen Dorf unweit der Grenze zu Frankreich patroullierten zu Fahndungs – Spitzenzeiten Polizisten mit Maschinen-gewehren. Unsere Kunstlehrerin wurde einmal mit Brigitte Mohnhaupt verwechselt und mußte eine Nacht in Polizeigewahrsam verbringen, bis ihre Identität sicher festgestellt war…Bei unserem Pfarrer am Pfarrhaus machten die „Kölner Bankräuber“ halt und ließen sich von des Pfarrers Schwester Stullen schmieren…mein Vater (Jäger) ging nur noch mit Waffe auf die Pirsch und eines Nachts vertrieb er mit mehreren Schüssen in die Luft aus seinem Colt Magnum eine Einbrecherbande, die dem Nachbarn (Spediteur) gerade eine wertvolle Ladung klauen wollte…“Starfighter“ zerrissen die Stille, wenn sie die Schallmauer durchbrachen…der regelmäßige Probealarm der Luftschutzsirene ließ meine Mutter erstarren – der Krieg „hing in der Luft“. Die vierziger Jahre Geborenen hatten eine „hippe“ Zeit – für Kinder war’s ätzend! Bis heute reagiere ich auf 70er Jahre Signale mit Unbehagen.

Obwohl die Enzyklika Pauls VI. zum Lebensschutz „Humanae vitae“ bereits 1968 erschienen war, ging erst mit den bürgerkriegsähnlichen Kämpfen um die Fristenregelung im § 218 das los, was man heute mit antikatholischer Stimmungsmache oder gar Hetze am zutreffendsten beschreibt.

Von da an konnte man sich nicht als katholisch „outen“ ohne „sprungbereit“ attackiert und teilweise verunglimpft zu werden. Da war ich 13 (sic!) und hatte ehrlich gesagt kaum Wissen und auch keinen wirklichen Standpunkt… das wollten die paar frisch der Uni entsprungenen 68er – Lehrer am Provinzgymnasium mit Entschlossenheit ändern – wir wurden munter indoktriniert, fanden die RAF doch nicht mehr SOOO blöd und Anno 1976 gehörte ich zu den Abtreibungsbefürwortern „Mein Bauch gehört mir“.

Heilung kam überraschend, aber durchschlagend: bei einer unserer heißen Diskussionen im Partykeller einer Schulfreundin (bei Schummerlicht und „I am sailing“) schaltete sich unsere Contergan – geschädigte Freundin Elke leise und unaufdringlich ein und sagte: „wenn das 1961 schon alles so gewesen wäre, wie heute, wäre ich abgetrieben worden“ – betretenes Schweigen (wir hatten sie in all den gemeinsamen Schuljahren gar nicht mehr als behindert wahrgenommen) – sooo konkret hatten wir uns das nun noch nicht vorgestellt. Damit war unsere „Clique“ für die allgemeine Abtreibungseuphorie verloren: Danke Elke, ich denke oft an Dich!

Dann kam das „drei – Päpste – Jahr“ 1978. Der alte Papst war „schnell und leise“ gestorben und es trat dieses lachende Gesicht des Albino Luciani auf die Loggia, der Jubel war groß bei der Nennung seines Namens als Papst: Johannes Paul I. und man kann sagen, die Herzen flogen ihm direkt zu. Völlig ungläubig und zutiefst traurig vernahm man dann die Nachricht von seinem plötzlichen Tod. Ich weinte…

Dann kam „der Pole“. In Deutschland wurde anfangs etwas „geschichtlich“ gefremdelt und die Presse gab sich alle Mühe, ihn in Grund und Boden zu schreiben. Der frisch seiner Missio beraubte Hans Küng – fit und eidgenössisch zornig – ließ kein gutes Haar an ihm.

Wir fuhren mit unserem Religionslehrer gen Rom und erlebten am 4. April 1979 die erste Mittwochsaudienz, die aus der Audienzhalle auf den Petersplatz verlegt werden musste: 50 000 Menschen waren am Mittwoch vor Palmsonntag in die Stadt geströmt. Siehe: http://rosenkranzbeten.info/rosenkranzbeten/johannes-paul-ii-rosenkranz/

Rom, Mittwoch, 4. April 1979
Foto: A. Wolf

Das war ziemlich einschneidend und unser Lehrer (verheirateter Priester mit bleibender Liebe zur Kirche) quittierte unsere jugendliche Begeisterung mit Scherzen: eine nannte er „reliquia tangens“, weil der Papst ihr die Hand gereicht hatte und ich kam mit einer handschriftlichen Urkunde als „Pfeifenraucherin der Woche und Papstfan par excellance“ nach Hause…wir wurden in dem Jahr 18 und wenn ich die Weltjugendtags – kids sehe, weiß ich gut, wie es sich anfühlt, jung und begeisterungsfähig, idealistisch zu sein.

1980 nach dem ersten Papstbesuch in Deutschland ist dann unser PSG – Land Speyer (Pfadfinderinnenschaft St. Georg) geschlossen aus dem BDKJ ausgetreten, weil die BDKJ – Vorsitzende ohne demokratischen Beschluß aller Verbände Johannes Paul II. „fies angemacht“ hat. Das waren die Vorbeben zum heutigen Zustand…schon da gab es die Spaltung zwischen Laienfunktionären und Laien. Wo die Würzburger Synode noch mit Spannung verfolgt wurde, überschlugen sich nachher die Reformeifrigen und entfernten sich mindestens ebenso weit von der „Basis“, wie es angeblich der bischöfliche Klerus tat.

Heute sammeln sich die Reformbewegten jener Tage in dem „Wir sind Kirche“ – Spektrum. Was ich ihnen übel nehme, ist, daß SIE bestimmen, wer „Basis“ ist. Letztlich vertreten sie IHRE Einzelinteressen und wie die reaktionären Kreise um die Piusbruderschaft machen sie aus der Kirche ihren „Popanz“ (pupazzo). Was zuviel ist, ist zuviel. Reformen, ja, Holzhammer, nein! Gell, Heiner Geißler?!

Er hat uns mitgerissen, „der Pole“, und auch wenn es immer Stoff zur kontroversen Diskussion gab, so hat er uns doch nicht losgelassen. Päpste, die bekehren können, sind Heilige. Päpste, die lehren können, die glaubwürdig sind, sind gute Arbeiter im Weinberg des HERRN.

Papa Benedetto? Er war für meine Generation das „alter ego“ zu Johannes Paul II. – Ich war keine Sekunde überrascht, als er zum Papst gewählt wurde, es kam mir ganz natürlich vor. Ich hätte nie gedacht, daß er so lange durchhält.

Jetzt freue ich mich auf das Konklave: das Warten auf den weißen Rauch, das Staunen, wenn er auf die Loggia tritt „Habemus papam“. Das öffentliche Geunke und Kaffeesatzlesen, Blitz, Donner und Asteroiden ignoriere ich geflissentlich, bin froh. daß unser Papst Benedikt demnächst in Sicherheit und „guter Hut“ sein Leben abrunden kann.

Einstweilen  bete ich mit der Kirche um den nötigen „Geistbraus“ und bin gespannt wie ein „Flitzebogen“, wen der Herrgott uns aussuchen wird! Ob Heiliger oder Arbeiter sehen wir dann…

 

 

 

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