Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Votivtafel Zahnschmerz von 1842

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Votivtafel Zahnschmerz von 1842

Votivtafel
Ex Voto 1842

Diese kleine Votivtafel unbekannter Herkunft habe ich im Jahre 2008 (aus gegebenem Anlaß – aua…) bei einer Auktion erstanden, und zum Jahreswechsel hat sie erneut ihre tröstliche Wirkung entfaltet. Vor 170 Jahren ließ eine von Zahnmalaisen geplagte Bäuerin diese Votivtafel malen und dokumentierte damit ihre Heilung und ihre Dankbarkeit an die Gottesmutter, auf deren Fürsprache sie vertraut hatte. „Ex Voto“ heißt „einem Gelübde zufolge“, d.h. sie hat damit eine Wallfahrt, eine Gebetspraxis, eine Spende oder eine Opfergabe versprochen und erfuhr Heilung.

Gnadenbild
Ex Voto 1842

Das Gnadenbild, vor dem sie betet, ist mir nicht bekannt (für sachdienliche Hinweise wäre ich sehr dankbar!). Maria trägt das Kind auf ihrer rechten Seite ( also auf der linken Seite, der Herzseite, des Betrachter), genauso wie auf dem Gnadenbild von Altoetting. In Maria Zell und Maria Einsiedeln trägt sie das Kind  „anatomisch richtig“ auf ihrer Herzseite und damit vom Betrachter aus gesehen rechts.

An der Tracht der Bäuerin könnte man den Ort der Wallfahrt evtl. identifizieren. Es fehlt mir dazu an Sachkunde, aber die Tracht sieht nordwesteuropäisch aus: Flandern?, Belgien? Holland? Friesland? Das Gnadenbild könnte eine „Schwarze Madonna“ sein. (Öl auf Holz, 15,5 x 22 cm)

Doch nun zum Zahnschmerz: Wilhelm Busch hat auf seine unnachahmliche Art charakterisiert, was er mit dem Menschen macht: er „zwingt uns nach innen“…

Zahnschmerz

Das Zahnweh, subjektiv genommen,

ist ohne Zweifel unwillkommen;

doch hat’s die gute Eigenschaft,

daß sich dabei die Lebenskraft,

die man nach außen oft verschwendet,

auf einen Punkt nach innen wendet

und hier energisch konzentriert.

Kaum wird der erste Stich verspürt,

kaum fühlt man das bekannte Bohren,

das Zucken, Rucken und Rumoren,

und aus ist’s mit der Weltgeschichte,

vergessen sind die Kursberichte,

die Steuern und das Einmaleins,

kurz, jede Form gewohnten Seins,

die sonst real erscheint und wichtig,

wird plötzlich wesenlos und nichtig.

Ja, selbst die alte Liebe rostet,

man weiß nicht, was die Butter kostet,

denn einzig in der engen Höhle

des Backenzahnes weilt die Seele,

und unter Toben und Gesaus

reift der Entschluß: Er muß heraus!

Wilhelm Busch

Ex Voto 1842

Nach vier Wochen mit bisher ungekannten Schmerzerfahrungen und entsprechender Abkehr von der Aussenwelt ist mein Mitgefühl mit unseren medizinisch schlecht versorgten Vorfahren und Mitmenschen ganz entschieden gewachsen. Wenn der „Zahn der Zeit“ unsere Zähne einmal erfasst hat, dann brauchen wir wirklich jede Art von Hilfe und Erbarmen, derer wir habhaft werden können. O Maria hilf! und Liebe Gerda (so heißt meine Zahnärztin) hilf!

Jetzt ist er raus, der Teufelsbraten und seine „Hinterlassenschaft“ wird „ausgeräuchert“. Auf diese von Busch beschriebene Innerlichkeit zum Jahreswechsel 2012/13 hätte ich gut verzichten können, aber sie war immerhin eine „Selbsterfahrung“ von elementarer Kraft. Ein Memento meiner Leidensgenossin von 1842 – ich teile ihre Dankbarkeit.

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4 Kommentare

  1. Ich bin kein Experte, wegen seiner Anordnung und „fliegenden Darstellung“ halte ich das für das Gnadenbild von Mariazell in Österreich.

  2. Ja, an Mariazell habe ich zunächst gedacht, aber das Jesuskind ist auf der falschen Seite – da waren die Votivmaler sehr genau.

  3. Das erinnert mich an das Apollonia-Kapellchen an unserem Lieblingsspaziergangsweg. Als ich mit meiner Mutter mal daher spazierte spottete ich, dass ja heutzutage wohl jedermann lieber zum Zahnarzt pilgere als zur Hl. Apollonia. Da guckte mich meine Mutter nur kritisch an und meinte: „Da täuscht du dich aber gewaltig.“ Und ich glaube ihr.

    Was und wofür genau sind denn Schluckbildchen?

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