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Gebet – Kunst – Geschichte

Warum ich mit Erscheinungsfrömmigkeit nichts anfangen kann

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Warum ich mit Erscheinungsfrömmigkeit nichts anfangen kann…

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Lichterprozession der Wallfahrer in Fatima

…sehr wohl jedoch die Gottesmutter verehre und auch gerne „wallfahre“.

Es kommt mir so vor, als würden immer mehr fromme Katholiken ohne die Bestätigung ihres Glaubens durch „Wunder und Zeichen“ nicht mehr auskommen. Der Zustrom zu charismatischen Gruppen mit wunderhaften Bekehrungen, Heilungen, der Pilgerstrom zu „Erscheinungsorten“ ohne jede Rücksicht, ob die dort geübte Devotion im Einklang mit der Glaubenslehre steht, sprechen eine beredte Sprache. Offenbar brauchen immer mehr Menschen das emotionale „Durchgeschütteltwerden“ als Motor hinter ihrer Gläubigkeit.

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Bildschirmfoto ORF

Ich selbst habe keine Zweifel an der Möglichkeit „übernatürlicher Phänomene“, von denen Gläubige berichten, von denen die Heiligenleben zeugen. Der Glaube kann, wie das biblische Wort sagt, Berge versetzen (Mt.21,18). Eine der häufigsten Wendungen Jesu in der Schrift lautet: „Dein Glaube hat Dich geheilt“. Der Glaube ist also die offene Tür zur Wirklichkeit Gottes.

Wie kommt es also, daß so viele gläubige Menschen den sichtbaren, erlebbaren, bestaunbaren Beweis suchen? Was beeindruckt und ergreift sie so, wenn Leute plötzlich nach hinten umfallen, angeblich vom Heiligen Geist berührt? Was bringt Menschen dazu, zu Hunderttausenden Sehern und „Warnern“ zu folgen?

Der Unglaube des Heiligen Thomas Caravaggio

Der Unglaube des Heiligen Thomas
Caravaggio

In meinen Augen drückt sich darin allzu oft die Glaubensweise des Hl. Thomas aus: „ich glaube nur, was ich sehe, höre, rieche, mit meinen eigenen Sinnen wahrnehmen kann, was mir bewiesen wird.“ Auch wenn es so aussieht, als seien die Wallfahrer zu den Erscheinungsorten die Frömmsten unter uns, die Glaubensstärksten, stimmt das wirklich? Sind es nicht jene, die Lichtwunder, Heilungswunder, Phänomene jeder Art brauchen, um überhaupt glauben zu können? Wollen sie nicht regelrecht von Jesus Christus und seiner Mutter überzeugt werden durch „Wunder und Zeichen“, verlangen sie nicht danach bis zur Aufgabe jeder Nüchternheit? Es ist, als würde man über die Erfahrungen der „Seher/innen“ die Hand in die Wunde legen wollen. Als würde die Zusage „ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt“ uns nicht reichen. Zu Thomas hat Jesus gesagt: Du hast gesehen und jetzt glaubst Du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Und ich kann nicht verhehlen, daß gewisse Formen des Schwärmertums, der Überbegeisterung und fast zwingenden Bekehrungslust mich von Orten und Zusammenkünften fernhalten.

Für mich sind die Verehrungsorte, die Wallfahrtsorte zu Maria und den Heiligen, die wir von alters her besonders wertschätzen, Orte des Gebetes, Orte, wo viele Gläubige sich im Gebet vereinen. Und solche Orte geben uns Kraft und Zuversicht, ja. Ganz sicher jedoch steht meine Kirche im Dorf, steht meine Gemeinde, wenn sie so betet, keinem Ort in der Welt nach, in der Nähe zu Jesus Christus und seinen Heiligen. Unsere kleine Madonna in unserer Kirche ist ein ebenso gültiges Abbild der Gottesmutter als Begnadete, wie jedes andere in der Welt: so sehr ich sie liebe, die Guadalupa, die Mutter vom Guten Rat, die Immerwährende Hilfe; so sehr auch in meiner Marienverehrung diese Ikonen der Westkirche ihren festen Platz haben: ich verehre immer die Eine, die mich zu Jesus Christus führt.

Und wie sagte die Selige Schwester Blandine Merten: „Herr gib mir die Gnade, daß ich nicht besondere Orte und Zeiten brauche, um Dich anzubeten und Deinen Willen zu tun!“

Auch wenn ich die „Thomasfrömmigkeit“ als einen gerechtfertigten Weg zum wahren Glauben sehe, so bleibt doch festzuhalten, daß sie, bleibt der reifende Katholik darin stecken, zum Heilshindernis werden kann.

 

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10 Kommentare

  1. Ob das wirklich der „typische“ Thomasglaube ist … das Begehren, sehen und quasi ertasten zu können, was sich rein im Glauben erschließen soll? Vielleicht. Eher scheint es mir aber ein Zeichen zu sein, daß manchen das Herkömmliche nicht mehr spannend und vor allem nicht gefühlsselig genug sein könnte. Die Leute glauben ja durchaus, suchen in diesem Glauben nochmals den besonderen Kick.

    Bei Thomas von Aquin gibt es die sogenannte „curiositas“: ein ungeordnetes Streben nach dem Außergewöhnlichen. Das könnte hier auch zutreffen.

    • Hallo Andreas,
      ich beobachte das schon einige Jahre (seit ’88, Medjugorje) und versuche mir einen Reim zu machen. Neugierde und „Kick“ spielen sicher eine Rolle und das wäre „menschlich verständlich“. Immanent jedoch prägt sich da ein Katholizismus, der stark von Weltabkehr, ja gar Verteufelung der Welt geprägt ist. Das sind für mich eher Puritanisch-pietistische Haltungen. Gleichzeitig wird Maria verzerrt und überhöht, ja faktisch zur Göttin, „Miterlöserin“ stilisiert. Von den esoterischen Zügen, die das Ganze hat, ganz zu schweigen. Ich mache mir da für die Zukunft der Kirche schon große Sorgen: auf der einen Seite eine Entkernung der „Basics“, ein wachsendes katechetisches Unwissen der Gläubigen und auf der anderen Seite ein hermetisches Weltbild mit Maria als Retterin, das selbst für den Klerus unzugänglich geworden ist. Genau aus diesen Kreisen kommen die schlimmsten Äußerungen über „Mietlinge“, „Häretiker“ usw. – Ich kann das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Papst Benedikt war da ein guter Gradmesser mit seinen Predigten und Katechesen: er versuchte eine vernünftige und glaubensgerechte Marienfrömmigkeit zu fördern: er konnte in diesen Kreisen jedoch nur bestehen, weil er insgesamt als „konservativ“ eingestuft wurde (was ihm natürlich nicht gerecht wird!). In so wenigen Sätzen kann man das vielschichtige Phänomen und gar die Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit und Motivation nicht gerecht erfassen: ich beziehe mich auf die problematische Tendenz und darin sehe ich eine Gefahr für den katholischen Glauben – ich bemerke es auch daran, daß ich immer mehr geistige Klimmzüge machen muß, um Außenstehenden, anderen Christen diese Form der Marienfrömmigkeit zu erklären…
      Liebe Grüße,
      A.

  2. Ich kenne Fatima, Lourdes und Medjugorje und sehe durchwegs gute Früchte. Sicher ziehen Erscheinungsorte auch labile und Wunder suchende Menschen an. Ich halte das für nebensächlich, es lässt sich auch nicht verhindern. Wozu auch: der Herr ist ja gerade gekommen, um die Kranken und Verlorenen zu suchen. Im Zentrum z. B. von Medjugorje steht die Feier der Eucharistie und die Anbetung des Eucharistischen Herrn, es werden täglich in Gemeinschaft drei Rosenkränze gebetet und rund um die Kirche hat man unzählige Beichtstühle, vor denen Menschenschlangen warten, gebaut. Wer sich auf die gegebene Botschaft einlässt, beginnt eine Gebetsschule, die das gesamte Leben verwandelt. Das nüchterne, katholische Angebot in Medjugorje, das von den Botschaften inspiriert ist, zeitigt geistliche Früchte auch nach einer Wallfahrt. Die heiligste Eucharistie wird regelmäßig mitgefeiert, auch wochentags, die Gläubigen schließen sich für das Gebet zusammen, ihr Interesse für katechetische Unterweisung erwacht und nicht zuletzt beteiligen sie sich in allen Bereichen des Pfarrlebens. Fehlformen geistlichen Lebens liegen auch an mangelnder oder nicht gesuchter Hilfestellung. Oder vielleicht auch daran, dass viele Priester eine solche nicht anbieten. Im Oktober (österr. Nationalfeiertag) begleite ich eine Gruppe nach Medjugorje. Vielleicht ist das eine Möglichkeit, neue und gute Erfahrungen zu machen;-)?

    • Das will ich sehr, sehr gerne glauben! Nur, ich bin im Laufe der letzten 25 Jahre einigen „Gospa – Gläubigen“ in die Arme gelaufen und habe mich zu Diskussionen hinreißen lassen. Es war nicht schön. Ein guter Bekannter (dem ich vertraue) war mehrfach dort und berichtet, daß die „eucharistische Frömmigkeit“ ihn beeindruckt habe, ebenso die Beichtbereitschaft. Ich hege keine Antipathie gegen Gebetsorte mit seriösem Glaubensleben und seriöser Katechese: wie könnte ich!
      Was jedoch diese „Seherinnen“ dort seit über 30 Jahren „verzapfen“ (entschuldige den harten Ausdruck…) geht auf keine Kuhhaut. Es geht schließlich um die GOTTESGEBÄRERIN, die selige Jungfrau Maria, um Maria von Nazareth, die Mutter Jesu Christi: und die redet (erneut Entschuldigung) kein dummes, infantilisierendes Zeug! Weder gestern, noch heute, noch morgen!
      Wer immer dort redet, es ist NICHT die Gottesmutter. Und daher bleibe ich in gesunder Distanz speziell zu diesem Ort. Wer nicht auf die Kirche hört und den Gehorsam nicht nötig hat, dem traue ich nicht! Ich bin jedoch dankbar für Deine Stellungnahme und setze das Gespräch sehr gerne fort! Auch danke vielmals für die Einladung!
      Lourdes genießt mein größtes Vertrauen: ich habe von dort bisher noch nichts (Ver-)Störendes wahrgenommen. (Nur den Kommerz, aber der gehört ja zu solchen Orten und solange Menschen ihre Familie damit ernähren…)

  3. Medju ist tatsächlich ein eigenes Phänomen. Die Früchte sind gut. Bekehrungen, Beichten, Berufungen – dass die Gottesmutter dort allerdings seit Jahrzehnten täglich erscheint und eher mittelprächtige Weisheiten von sich gibt, ist mir äußerst suspekt. Wie das zusammengeht, weiß ich nicht, aber man scheint zumindest nichts falsch zu machen, wenn man nach Medju fährt. In Lourdes oder Fatima scheint es – bezogen etwa auf Bekehrungen oder Berufungen – keine vergleichbare geistliche Kraft mehr zu geben.
    Mir ist diese hyperventilierende Marienfrömmigkeit auch fremd. Maria hat einen große, einzigartigen Platz im göttlichen Heilsplan, sie ist die Mutter des Erlösers und sie hat ihm durch ihr „Mir geschehe nach deinem Wort“ den Weg geebnet. Das ist so etwas großartiges, dass es durch die aufgeregte Marien- und Erscheinungsfrömmigkeit mancherorts eher verdunkelt wird.

    • Sagen wir ‚mal in mancher Hinsicht gut: das Eiferertum, das Sektiererische und vor allem die Haltung gegenüber dem Lehramt schaue ich mit höchster Skepsis an – nach dem Motto „die Gospa hat gesagt, was schert uns da xy“….
      Ich kenne einige Menschen, die in Lourdes bedeutsame Erfahrungen gemacht haben: es gibt dort allerdings nicht den besprochenen Hype.

      Zitat: „Maria hat einen große, einzigartigen Platz im göttlichen Heilsplan, sie ist die Mutter des Erlösers und sie hat ihm durch ihr “Mir geschehe nach deinem Wort” den Weg geebnet. Das ist so etwas großartiges, dass es durch die aufgeregte Marien- und Erscheinungsfrömmigkeit mancherorts eher verdunkelt wird.“

      Diesen Satz möchte ich gerne in großen Lettern über jedes Thema, das mit Maria zu tun hat, stellen. Ich danke Dir sehr!
      Frohe Pfingsten wünsche ich allen Lesern!

  4. Herzlichen Dank für den aufschlußreichen Beitrag, mir wird es auch immer etwas mulmig, wenn ich „begeisterte“ Medju-Pilger höre…
    Vielleicht sollte man sich ab und zu noch im Marienmonat den Hymnos Akathistos anhören, da wird manches wieder klarer.
    Danke für diesen guten Blog, habe ihn durch Zufall entdeckt, eine echte Bereicherung!
    Gesegnete Pfingsten!

    • Hallo Anita Maria,
      schön, daß Du hierher gefunden hast in die „Rosenkranzfundgrube“.
      Der Hymnos Akathistos taugt wirklich als „Eichstrich“ im Verhältnis zur Gottesmutter, Danke für den Beitrag!
      Pfingstliche Grüße,
      A.

  5. Hallo Ankerperlenfrau,

    Deine Bedenken teile ich, wenn ich sehe, wie herzensgute und gläubige Menschen austicken, sobald es irgendwie marianisch wird.Der Schwerpunkt liegt so sehr auf der Gefühlsebene, das verunklart wird, womit der Glaube überhaupt beginnt: Eine lebendige Beziehung zu Gott zu leben, unspektakulär sein Kreuz auf sich zu nehmen und unserem Herrn nachzufolgen. Extrawürste in Frömmigkeitsübungen nehmen wertvolle Zeit für die Nächstenliebe, das ist das einzige Ergebnis dieser Hallelujaschlumpfigkeit.
    Eine sehr wertvolle Zeit für mein Glaubensleben verbrachte ich in Taizé im Schweigen, der Weg führte mich schnurstracks zu vertiefter Praxis und einem jesuitischen geistlichen Begleiter, Orthodoxie und Orthopraxie genial verschmolzen ohne Flausen und faulen Ausreden. Maria ist Vorbild und Weggefährtin, der exemplarische kontemplative Mensch, einzig von Gottvertrauen erfüllt wie nie vorher und hinterher einer, außer unser HERR.
    Der Gradmesser jeder Gläubigkeit ist allein, wo ein Menschenkind im Lieben und Dienen Gott näher kommen will.
    Ist auf diesem Weg auch nur ein Finger breit erlöst, zeigt sich das zuerst in der Praxis, gespeist aus Hingabe und Vertrauen und der Bereitschaft, Unbequemlichkeiten genau so indifferent zu akzeptieren wie großes Gefühlskino.

    Das Heiligste Herz Jesu ist nix für Schwärmer, sondern für harte Arbeiter.

    Zum morgigen Feiertag viele Grüße,

    Martina

  6. Hier Gedanken aus der Bibel zur Warnung, aber BITTE UNBEDINGT die Bibelstelle nachschlagen!
    http://eugenieroth.blogspot.de/2012/09/die-warnung-kommt.html

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