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Was geht das Dich an?

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Was geht das Dich an?

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Am Samstag vor Pfingsten hat Papst Franziskus erneut ermahnt, das Antlitz der Kirche nicht mit Neid, Verleumdung und Gerede zu verzerren. Ich kann nicht genug betonen, wie dankbar ich Papst Franziskus bin, daß er nicht müde wird, diese giftigste aller Untugenden beim Namen zu nennen und Betroffene zur Umkehr aufzufordern. Ganz sicher meint er dabei nicht Gläubige, denen das in einem schwachen Moment „unterläuft“ – und wer könnte sich davon freisprechen, daß er schon als „Maulheld“ rücksichtslos und unreflektiert destruktiv und verletzend war?

Es gibt aber Menschen, die gezielt und absichtsvoll den Ruf, die Ehre und das Ansehen von Anderen angreifen und beschädigen um die eigene Geltung, den eigenen Erfolg, das eigene Fortkommen zu fördern. Manchmal tun sie es allein um sich „mächtig“ und „wirksam“ zu fühlen. Und sie scheuen auch nicht davor zurück, sich erst das Vertrauen eines Anderen zu erschleichen, um ihn nachher noch gezielter treffen zu können. Nichts ist so zerstörerisch für das zwischenmenschliche Vertrauen, für die Sicherheit in einer Gemeinschaft. Ich habe das vor einiger Zeit schon ausgeführt.

„Was geht das dich an?“

Papst Franziskus ging in seinen Betrachtungen von der Frage aus, die Jesus an Petrus richtete, als sich dieser in das Leben eines anderen eingemischt hatte: in das Leben des Jüngers Johannes, „den Jesus liebte“ (vgl. Joh 21,20-25). Petrus habe zuerst einen Dialog der Liebe mit dem Herrn geführt, doch dann sei er abgeglitten“, und  der Versuchung erlegen: der Versuchung, sich in das Leben des anderen einzumischen. Wie man umgangssprachlich sagt, steckte Petrus seine Nase in die Angelegenheiten des Anderen.

Der Papst stellte fest, dass es zwei Arten gebe, wie man sich in das Leben der anderen einmische: zuerst das Vergleichen, das sich mit anderen Vergleichen: „Wenn es zu diesem Vergleichen kommt, enden wir in der Bitterkeit und im Neid, doch der Neid zerfrisst die christliche Gemeinschaft, er schadet ihr sehr, und der Teufel will dies“.Einzug_in_JerusalemDie zweite Art der Versuchung bestehe im Geschwätz (gossip). Es fange gern „auf so wohlerzogene Weise“ an und dann endet es in schlechten Gefühlen, im „dem Nächsten die Haut abziehen“.

„Wie viel Geschwätz gibt es doch in der Kirche!“, so Franziskus: „Wie viel schwätzen wir Christen doch! Die Schwätzerei – das ist doch, als ziehe man sich gegenseitig die Haut ab, nicht? Ein gegenseitiges sich Wehtun. Es ist, als wolle man den Anderen herabmindern: statt dass ich wachse, lasse ich den Anderen kleiner werden und fühle mich groß. Das geht nicht! Zu schwätzen – das scheint schön zu sein… Ich weiß nicht warum, aber es scheint schön zu sein. Wie Honigbonbons, nicht wahr? Zuerst nimmst du eines, dann ein anderes, und dann noch eines, und am Schluss bekommst du Bauchweh. Und warum? Das Geschwätz ist genauso, nicht? Es ist süß am Anfang und ruiniert dich dann, es ruiniert dir die Seele! Gerüchte verbreiten ist destruktiv in der Kirche, es ist destruktiv… Es entspricht ein wenig dem Geist des Kain: den Bruder umbringen, mit der Zunge; den Bruder umbringen!“ Auf diesem Weg „werden wir Christen mit guten Manieren und schlechten Gewohnheiten“.

„Normalerweise tun wir drei Dinge: wir betreiben Fehlinformation und sagen nur die Hälfte, die uns passt, und verschweigen die andere. Die andere Hälfte sagen wir nicht, weil es für uns unbequem ist“.

Das Zweite ist Diffamierung: „Wenn ein Mensch wirklich einen Mangel hat, etwas Schlimmes angestellt hat, dann wird das erzählt, und man ‚macht den Journalisten’…. Und der gute Ruf dieser Person ist ruiniert. Und die dritte Art des Geredes besteht in der Verleumdung: Dinge sagen, die nicht wahr sind. Das bedeutet im wahrsten Sinn des Wortes, den Bruder umzubringen! Alle drei – Fehlinformation, Diffamierung und Verleumdung – sind Sünde! Das ist Sünde! Das bedeutet, Jesus in der Person seiner Kinder, seiner Brüder zu ohrfeigen!“.

Aus diesem Grund handle Jesus mit uns wie mit Petrus, wenn er ihn tadelt: „Was geht das dich an? Du folge mir nach!“. So weise der Herr den Weg: „Das Gerede wird dir nicht gut tun, weil es dich zu diesem Geist der Zerstörung in der Kirche führen wird. ‚Folge mir nach!’: dieses Wort Jesu ist schön, es ist so klar, so liebevoll mit uns. Es ist, als sage er: ‚Bildet euch ja nicht ein, dass das Heil darin liegt, sich mit den anderen zu vergleichen, oder im Gerede. Das Heil liegt darin, mir nachzufolgen’. Jesus nachfolgen! Wir wollen heute Jesus, den Herrn, bitten, dass er uns diese Gnade gebe, uns nie in das Leben der anderen einzumischen, nie Christen mit guten Manieren und schlechten Gewohnheiten zu werden, Jesus nachzufolgen, hinter Jesus zu gehen, auf seinem Weg. Und das genügt!“.
(Zitiert nach kath.net und der Quelle in englischer Sprache: Avoid the temptation to interfere )

Genau genommen steckt hinter der Haltung, die der Papst beschreibt, nicht nur der Neid als Wurzelsünde, sondern er paart sich mit Hochmut, Zorn und Rachsucht und manchmal auch mit Geiz und Habgier. Das genau ist der Grund für die langfristige Schädlichkeit solchen Tuns. Das ist das Verwerfliche und zutiefst Unchristliche und daher sind Nächstenliebe und Ehrabschneidung und Verleumdung unversöhnliche Gegensätze. „Geist der Zerstörung“ nennt es der Heilige Vater. Und nichts braucht der Mensch dann mehr als das reuevolle Geständnis im Confiteor:
„…Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken, durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld…“. Schuld bekennen heißt, die Verantwortung übernehmen und ist ein Akt des Erwachsenen, Reifen, Reflektierten. Nach meiner Beobachtung leben wir mehr mit „guten Gründen“ und „(Selbst-) Rechtfertigungen, – Verteidigungen, als zu unserer Verantwortung für angerichtete Beziehungsschäden und Zerstörungen zu stehen.
Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt,
nicht auf dem Weg der Sünder geht, nicht im Kreis der Spötter sitzt,
sondern Freude hat an der Weisung des Herrn,
über seine Weisung nachsinnt bei Tag und bei Nacht.“ (Psalm 1, 1-2)

Ist es da nicht bedrückend, daß wir das Confiteor kaum noch beten in der Gemeinde? Ist das nicht symptomatisch für unser „gedimmtes“ Gewissen in der Sache, die kindliche Unschuldsbehauptung?

Herr, befreie uns! Herr, erbarme Dich unser! Komm Heiliger Geist!

(Die Karte, Einzug in Jerusalem aus dem Luitold – Evangeliar 12. Jahrh., hat Pfr. Josef Weiger 1956 mit diesem Spruch zum Neid versehen. Auf der Rückseite schreibt er unter anderem, „ist er nicht lieb, der Zachäus in der „Zwiebel“?)

 

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