Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Weihegebet an Maria – Josef Weiger

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Zu Allerheiligen und Allerseelen 2012

Ravensburger
Schutzmantelmadonna

Weihegebet an Maria –  Diözese Rottenburg – Stuttgart 1943 

von Pfarrer Dr. Josef Weiger im Auftrag von Bischof Sproll

V  Mutter unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus, Mutter aller Erlösten, Königin im Reiche Deines göttlichen Sohnes, Beschützerin der Kirche auf ihrer Pilgerfahrt durch die Jahrhunderte, unbefleckte Gottesbraut, Hoffnung derer, die keinen Ausweg wissen und schuldbeladen sind: Zu Dir nehmen wir unsere Zuflucht in dieser Stunde der Finsternis und erwählen dich heute feierlich und für immmer zu unserer Fürsprecherin bei Jesus, Deinem Sohn.

In Deine mütterliche Hut übergeben wir unseren Bischof N. N., die Priester der Diözese und das ganze heilige Volk Gottes, besonders unsere Jugend, unsere Kinder, die Kranken, die Sterbenden, die Versuchten, alle, die in Gefahr stehen, vom Weg des Heils abzuirren und ewig verloren zu gehen. Erflehe ihnen die Gnade, daß sie sehend werden und voll des Heiligen Geistes. Gib nicht zu, daß Christi Licht in den Getauften Finsternis werde und wir am Ende unseres Lebens dastehen, wie Bäume, die keine Frucht getragen.

A  Rufe auf uns den Segen Deines göttlichen Sohnes herab. Laß unsere Hingabe an Dein heiliges unbeflecktes Herz in dieser Stunde der Weihe nicht ohne Antwort bleiben. Vereinige Deine so mächtige Fürsprache mit unseren schwachen Gebeten um einen gerechten, ehrenvollen Frieden.
Kämpfe Du für die Freiheit unserer heiligen Kirche auf der ganzen Erde. Halte Deine Hand über unseren Heiligen Vater, Papst Benedikt und hilf uns, Deinen Kindern, den Glauben treu zu bewahren, aus seinem Geiste zu leben und ihn vor aller Welt demütig und feudig zu bekennen.

V  Ihm aber, der uns bewahren kann, daß wir nicht zu Fall kommen und der uns ohne Sünde und mit Frohlocken vor sein herrliches Antlitz zu stellen vermag, dem alleinigen Gott, unserem Retter soll sein durch unseren Herrn Jesus Christus Ehre, Majestät, Macht und Gewalt, vor aller Zeit und jetzt und in Ewigkeit.

A  Amen.

Zur Entstehung und Deutung

Domkapitular Mons. Dr. Werner Groß

Zum Gebetsgut der Diözese Rottenburg – Stuttgart gehört das Weihegebet an Maria aus dem Jahre 1943. Ein Zeichen für die Beliebtheit dieses Gebetes ist die Tatsache, daß es sich nicht nur im „Gebets- und Andachtsbuch für das Bistum Rottenburg“ aus dem Jahr 1949 findet, sondern auch im Rottenburger Diözesanteil des 1975 erschienenen „Gotteslob“.

Die Marienweihe der Diözese Rottenburg im Kriegsjahr 1943 steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der von Papst Pius XII. ein Jahr früher vorgenommenen Weihe an Maria. Die Formulierung des Weihegebets übertrug der aus seiner Diözese verbannte Bischof Joannes Baptista Sproll dem oberschwäbischen Pfarrer Josef Weiger in Mooshausen (Dekanat Leutkirch).¹ Die Kontaktaufnahme mit Weiger besorgte der Liturgiereferent des Bischöflichen Ordinariats, Domkapitular Wilhelm Sedlmeier.

Josef Weiger
Mooshausen

Die Diözesanleitung hatte in der Beauftragung Weigers eine glückliche Hand. Der Pfarrer von Mooshausen war einer der profiliertesten Theologen im Rottenburger Klerus und besaß reiche biblische und patristische Kenntnisse. Zugleich war er ein Meister der Sprache, der schriftstellerisch hervorgetreten war. Am bekanntesten wurden seine Marienbücher, die vielen Lesern einen biblisch und spirituell orientierten Zugang zur Mutter des Erlösers eröffneten. Zehn Jahre nach Abfassung des Weihegebetes, 1953, schrieb er in einem Brief:

„Die Gestalt der Mutter Gottes läßt mich nicht los; und besonders ihr Innenleben, dieses Wandern vom Alten in das Neue ihres Sohnes.“

Bevor Weiger an das Formulieren ging, setzte er sich mit dem Problemkreis „Weihe an…“ auseinander; auch in einem intensiven Meinungsaustausch mit seinem langjährigen Freund Romano Guardini kam diese Frage zur Sprache. Im Rückblick auf ein erstes Gespräch mit Domkapitular Sedlmeier im November 1942 schrieb er diesem in einem Brief:

„Der Weiheakt des Hochwürdigen Bischof müsste in einer Weise formuliert sein, daß ihn das gläubige Volk ohne Unterschied des Standes und des Alters und des Geschlechtes mitvollziehen könnte und er müßte dem Volk etwas sagen. Wir haben so viel Leerlauf in den Frömmigkeitsübungen. DIESER Akt dürfte kein Leerlauf sein. Und ein bloßer Gefühlsaufschwung wäre wenig genug. Auch müsste der Tag in der Frömmigkeitshaltung der Diözesanen ein wahrer Gedenktag werden, zu dem man alle Jahre kommen könnte.“ ²

Am 12. Mai 1943 übersandte Pfarrer Weiger Bischof Sproll den Entwurf des Weihegebetes. In seinem Begleitschreiben bemerkte der Autor:

„Wie Ew. Exzellenz sehen, habe ich mich zwar nicht in den Einzelheiten, aber in der allgemeinen Haltung an die Vorlage des Heiligen Vaters angeschlossen. Das Charakteristische dieser Vorlage aber schien mir zu sein, daß sie auch als Weihegebet keinerlei Versprechungen im Namen anderer macht. Wieviele hätten an Stelle Pius‘ XII. in einem solchen Weihegebet der Mutter Gottes weiß nicht was versprochen; ohne zu bedenken, daß es auch in religiösen Dingen eine mißliche Sache ist, im Namen anderer zu versprechen. Denn das „Halten“ hat niemand in der Hand. So habe ich mich also in diesem wie mir scheint wesentlichen Punkt an die Vorlage seiner Heiligkeit gehalten.“ ³

Bischof Sproll bestätigte den Entwurf Weigers; dieser hielt dann am Wortlaut des Gebetes fest und ließ keine Änderungen mehr zu, selbst als Weihbischof Franz Josef Fischer noch in letzter Minute Verbesserungsvorschläge machte.

Am Rosenkranzfest, am Sonntag, 7. Oktober 1943, wurde das Weihegebet in Krumbad in Anwesenheit von Bischof Sproll sowie in den Gemeinden der Diözese Rottenburg – Stuttgart erstmals gesprochen.

Das Weihegebet des Rosenkranzfestes 1943 ging in die Gebetstradition der Diözese Rottenburg ein. Diese Tatsache hängt sicher zuerst mit der zu Herzen gehenden sprachlichen Gestalt des Gebetes zusammen. Sein Sprachgewand aber entspricht seinem wohldurchdachten und ausgewogenen theologischen Inhalt. Die leicht erkennbare Gliederung des Gebetes besticht: Das Weihegebet beginnt mit einem Marienlob, das Ehrentitel der Mutter des Erlösers nennt. Der Lobpreis Mariens geht über in Bitten um ihre Fürsprache. Beide Teile sind gedanklich verbunden durch einen für das Gebet bedeutungsvollen Satz, der zum Ausdruck bringt, was „MARIENWEIHE“ heißt:

„Zu dir nehmen wir unsere Zuflucht in dieser Stunde der Finsternis und erwählen dich heute und für immer zu unserer Fürsprecherin bei Jesus, deinem Sohne.“ Dieser Aussage entspricht die einleitende Wendung der Bitten: „In deine mütterliche Hut übergeben wir…“

So sehr sich das Gebet in Lob und Bitte zuerst und zunächst an Maria richtet, so sehr geht es schließlich über in den Lobpreis des einen Gottes, der mit Worten des (kurzen und kaum bekannten) Judasbriefes (Judas 1, 24) formuliert ist. Das Weihegebet übernimmt die Gebetsbewegung des MAGNIFICAT. Das letzte Wort hat das Lob Gottes, der Maria erwählt und berufen und ihr einen einmaligen Platz in seiner Geschichte mit den Menschen gegeben hat.

¹ Josef Weiger º 10. Juni 1883 in Schloss Zeil, 1911 Priesterweihe in Rottenburg, Vikar in Wangen im Allgäu, 1914 in Herrlingen, 1916 in Hauerz, dann Schelklingen, 1917 – 1957 Pfarrer in Mooshausen, 1951 Dr. theol. h.c. der katholisch – theologischen Fakultät der Universität Tübingen, (Anm. engster Freund von Romano Guardini seit 1906) †27. August 1966 in Mooshausen

² Diözesanarchiv Rottenburg G 1.1, D17.1h

³ ebd.

zitiert aus: Marienlob in Gebet und Gesang, Marianisches Jahr 1987 / 88 Hrsg. Bischöfliches Ordinariat Rottenburg

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Ein Kommentar

  1. Mein Bruder ist 77 Jahre alt und hat nur noch wenig Zeit er liegt im Krankenhaus ist schwerkrank. Ich habe letztes Jahr in Florenz am Dom einen Rosenkranz gekauft. Wo kann ich den segnen lassen.?
    Über eine eine Antwort wäre ich sehr dankbar
    Mit freundlichen Grüssen Christa Kröhner

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