Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Wen beten wir an?

| 3 Kommentare

Wer oder was wird von Menschen katholischen Glaubens angebetet?
Eh‘ klar, sagen manche Christen.
Hört man jedoch der Alltagssprache zu, dann bemerkt man schnell, daß auch fromme und wohlunterrichtete Katholiken eine unklare Sprache führen.
Im Rosenkranzmonat Oktober und kurz vor Allerheiligen daher ein klärendes Wort:

Dreieinigkeit St. Sebastian, Neuhausen/Enz um 1600

Dreieinigkeit
St. Sebastian, Neuhausen/Enz
um 1600

Anbetung gebührt allein und ausschließlich dem Dreifaltigen Gott, Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist.
Das schließt für uns Katholiken die Eucharistische Anbetung mit ein, da wir an die Realpräsenz, also die Gegenwart Jesu Christi in Brot und Wein, die in der Eucharistiefeier gewandelt wurden, glauben. In all unseren Kirchen bewahren wir gewandeltes Brot (Hostien) auf. Das „Allerheiligste“ befindet sich im Tabernakel, einem kunstvoll gestalteten, verschließbaren Gehäuse, das sich, je nach Größe oder Bauzeit einer Kirche, im Zentrum des Altarraumes, in einer Sakramentskapelle oder an einem Seitenaltar befindet.  Wir erkennen die Gegenwart Gottes im gewandelten Brot an einer brennenden roten Kerze oder Lampe neben dem Tabernakel. In Kirchen und Kapellen ohne Tabernakel gilt unser Gruß dem geweihten Altar, dem heiligen Ort, wo Wandlung (Transsubstantiation) in der Liturgie stattgefunden hat und der Symbol für Jesus Christus ist. Alle Zeichen der Anbetung wie das Bekreuzigen, Knien, Verbeugen oder Verneigen im Gotteshaus gelten allein dem dreieinigen GOTT.

Quasi codiert ist die Ausrichtung all unserer  Akte der Anbetung im Vollzug des Kreuzzeichens, mit dem wir jedes Gebet beginnen und abschließen und dabei sprechen:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Wir beschließen unser Gebet üblicherweise mit dem „kleinen Lobpreis“, der Doxologie:
„Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie es war im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit, Amen.“

Wie kommt es aber zu dem Mißverständnis, daß wir ZU Maria, den Engeln und Heiligen BETEN und zu dem falschen Eindruck Anders- oder Nichtgläubiger, daß wir mit der Marien- oder Heiligenverehrung eine Art „Götzendienst“ vollziehen und Gott verunehren, gar lästern?

Zunächst liegt die Wurzel des Mißverständnisses in der Sprache selbst. Das Wort BETEN hat im Deutschen die gleiche Herkunft, wie das Wort BITTEN. Im Italienischen wird gar nur ein Wort, „pregare“, sowohl für bitten, als auch beten verwendet: prego – ich bitte.
Ob wir nun das Eucharistische Hochgebet mitbeten, den Rosenkranz betrachten, unseren Schutzengel anrufen oder einen Heiligen verehren, wir nennen es GEBET mit dem Tätigkeitswort „beten“. Kein Wunder also, wenn sowohl jene, die uns beobachten und nichts über unseren Glauben wissen, als auch wir selbst immer wieder in (Sprach – ) Verwirrung geraten.

Eine weitere Quelle für Mißverständnisse ist unsere katholische Auffassung von „Kirche“. Kirche ist für uns weder allein ein Gebäude, eine Organisation oder Institution, menschengemacht und zeitbedingt. Kirche = ecclesia ist für uns jene „Leib Christi Gemeinschaft“, die eine diesseitige, geschichtliche und eine jenseitige, ewige Wirklichkeit umschließt. Wenn wir von „wie im Himmel so auf Erden“ sprechen, dann meinen wir genau diesen Umstand: „Himmel“ ist dabei die Sphäre der Erlösten, jener, die „im Angesicht Gottes“ leben, die auf unaussprechliche Weise mit Gottes Wirklichkeit verbunden sind und dazu beitragen, „daß SEIN Wille geschehe“. „Erde“ hingegen ist der Ort, wo wir Person werden, wo Gott uns „bei unserem Namen ruft“, wo wir im Schweiße unseres Angesichts und unter Tränen unser Brot essen, wo wir den Tod erleiden und getrieben werden von Sehnsucht nach Gott „wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, o Gott, nach Dir!“.
Nur, wenn wir Erde und Himmel als unüberbrückbar getrennt und geschieden voneinander begreifen, wird die Erde schrecklich und dieser „unerreichbare“ (veruntreute) Himmel macht krank (oder böse).

Katholisch heißt „das Ganze betreffend“. Wer also katholischen Glaubens ist, der weiß um „das Ganze“, der weiß, daß Himmel und Erde untrennbar zusammengehören und nicht auseinanderdividiert werden dürfen. Wir begreifen den für uns unsichtbaren, „jenseitigen“ Teil der Kirche als unendlich viel größer und umfassender, als das, was HIER von der Kirche zu sehen und zu erfahren ist. (Lumen Gentium, Kapitel VII, DER ENDZEITLICHE CHARAKTER DER PILGERNDEN KIRCHE UND IHRE EINHEIT MIT DER HIMMLISCHEN KIRCHE)

Wir glauben an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat,
Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott,
Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott
gezeugt nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.

Für uns Menschen und zu unserem Heil
Ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen
durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria
und ist Mensch geworden.

Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus
Hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.

Er sitzt zur Rechten des Vaters
Und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht
der mit dem Vater und dem Sohn
angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten
und die eine, heilige katholische und apostolische Kirche.

Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.
Amen.

Jeder liturgische Vollzug, jedes Gebet und jede „im Namen des Vaters“ erfolgte Liebestat oder Barmherzigkeit eines Gläubigen, jede Umkehr zum Guten geschieht in Verbindung mit der „unsichtbaren“ Seite des Reiches Gottes.
Und weil wir „irdischen“ Kinder Gottes nur zu genau unsere Grenzen, Einschränkungen und Sünden kennen, vertrauen wir uns der Fürsprache, dem Beistand und dem Vorbild von Engeln und Heiligen und „all derer, die bei Dir Gnade gefunden haben, von Anbeginn der Welt“ an. Kurz und salopp gesagt, sind wir der Überzeugung, daß wir auf unserem Weg durch die Zeit und bei dem Versuch Jesus Christus nachzufolgen und Gott gehorsam zu sein, allerhand Hilfe und himmlischen Beistand nötig haben.

Detail Apsismosaik S. Maria Maggiore, Rom © A. Wolf

Detail Apsismosaik
S. Maria Maggiore, Rom
© A. Wolf

Ich erinnere mich an eine ganz außerordentliche Gotteserfahrung in meinem Leben, die in die Frage mündete, was bliebe mir jetzt als einzige Möglichkeit, um dies zu beschreiben, zu feiern? Und die Antwort aus Innen war, ich müsste ein Oratorium schreiben können, einen Jubel über Gott, einen ungehörten Lobgesang. Wie sonst könnte ich mein Glück, meine Freude, meine Dankbarkeit über die Liebe Gottes ausdrücken? Bei Vivaldi, Bach, Mendelssohn – Bartholdy z.B. fand ich Annäherungen an den gefühlten Jubel, aber letztlich vertraute ich mein Gloria und Sanktus der unsichtbaren Kirche, den heiligen Engeln an.
Welche Erleichterung, daß mein Dank, mein Lobpreis nun diese „Verstärkung“, aber vor allem die Unermüdlichkeit der Engel gefunden hat.
Ist nicht jedes Gebet ein Einstimmen in diesen himmlischen Jubel über Gott?

Und unsere Heiligen, Märtyrer und Bekenner, Bekannte und Unbekannte?
Ich schließe mich ihrem Lobpreis an, mehr nicht. „Wunderkraft kommt nicht aus Dir, ist ein Ding von Gottes Gnad, der uns all erschaffen hat.“ , sagt Josef Weiger über den Heiligen Antonius. Ich lehne mich an sie an und bestaune ihre Geschichte mit Gott dem Allmächtigen, der uns die Freiheit zu jeder Sünde und Verfehlung  läßt und gleichzeitig in unendlichem Erbarmen unsere Rettung will. Es ist gut zu wissen, daß es fehlbare Menschen waren und sind, die zu Gottes Willen bedingungslos JA sagen und ihm dienen konnten. Sie sind die Zeugen für die Untrennbarkeit von Himmel und Erde. All unser Beten, unser Denken und Sprechen von Gott sollte diese Einheit widerspiegeln. Allzu oft klingt in unserem Beten und Bitten eine gedachte Kluft zwischen „hüben und drüben“ an, die es so gar nicht gibt: Gott sei Dank!

Papst Paul VI. schreibt im Credo des Volkes Gottes (Sollemni hac Liturgia):

„Wir glauben, daß die große Schar derer, die mit Jesus und Maria im Paradies vereinigt sind, die himmlische Kirche bildet. Dort schauen sie in ewiger Glückseligkeit Gott so, wie er ist. Dort sind sie auch, verschieden dem Grad und der Art nach, Teilhaber jener göttlichen Herrschaft, die der verherrlichte Christus ausübt, zusammen mit den heiligen Engeln. Sie legen für uns Fürsprache ein und helfen uns in unserer Schwachheit durch ihre brüderliche Sorge.

Wir glauben an die Gemeinschaft aller Christgläubigen: derer, die hier auf Erden pilgern; derer, die nach Abschluß des Erdenlebens geläutert werden; und derer, die die himmlische Seligkeit genießen; sie alle bilden zusammen die eine Kirche. Wir glauben desgleichen, daß in dieser Gemeinschaft die barmherzige Liebe Gottes und seiner Heiligen stets unseren Gebeten Gehör schenkt, wie uns Jesus gesagt hat: “Bittet und ihre werdet empfangen.” Mit ebendiesem Glauben und ebendieser Hoffnung erwarten wir die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.

Gepriesen sei der dreimalheilige Gott! Amen.“

3 Kommentare

  1. Liebe Ankerperlenfrau,
    danke für diesen Artikel. Ich hoffe, es geht Dir gut.
    Liebe Grüße 🙂

  2. Liebe Ankerperlenfrau, auch wenn Sie schon länger nichts mehr gepostet haben, schaue ich doch immer wieder gerne auf ihre Seite und finde gute ältere Beiträge zum Lesen.
    Ich hoffe, es geht Ihnen gut und wünsche Ihnen ein friedvolles und schönes Weihnachtsfest.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.