Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Wie schön darf ein Rosenkranz sein?

| 5 Kommentare

Rosenkranz
Elfenbein / Gold / Messing
2. Hälfte 20. Jahrhundert
Anhänger, Kreuz, Mittelstück Biedermeier

Wie schön oder wie kostbar darf ein Rosenkranz sein?

Diese Frage stelle ich mir, wenn ich sehe, was man heute an Wallfahrtsorten und im einschlägigen Devotionalienhandel findet. Es sieht so aus, als haben sich die Katholiken des 20. Jahrhunderts nicht nur vom Rosenkranzgebet verabschiedet, sondern auch von der Schönheit des Rosenkranzes.

Daß Ordensleute einfache Rosenkränze tragen, hat eindeutig mit ihrem Armutsgelübde zu tun. Wobei die schönen Medaillen am Rosenkranz der Mallersdorfer Schwestern auch schmücken. Wie aber kam es dazu, daß der Rosenkranz im 20. Jahrhundert seine Schönheit, den Charakter des „Schmuckstücks“, der Kostbarkeit verloren hat? Insbesondere für Deutschland muß man das feststellen, auch für Belgien und die Niederlande, wenn man die Rosenkränze der letzten 100 Jahre betrachtet. Der „kostbare“ Rosenkranz ist in dieser Zeit die Ausnahme und wurde höchstens als Geschenk unter besonders frommen Menschen ausgetauscht, dann jedoch meist als Sonderanfertigung durch einen Goldschmied.

Neue Schatzkammer
Altoetting

Die letzten „schönen“ und „kostbaren“ Rosenkränze im Alltagsgebrauch findet man im Biedermeier, dann verschwindet er zunehmend in den Schatullen, ist öffentlich nur noch „auf dem Lande“ zu finden und wird dann von Jahrzehnt zu Jahrzehnt schlichter und „billiger“. Fand man in Urgroßmutters Erbschaft noch solche Schätze (Abb. Schatzkammer), so existiert aus unserem Jahrhundert eher schlichte Massenware, die leider auch schlecht behandelt wird und häufig bei Trödlern oder schlimmer, auf dem Müll landet.

beim Trödler gestrandet…

Steht zu befürchten, daß die Modelaune unserer Zeit noch mehr Vernachlässigtes und Geringgeschätztes „übrig“ lässt… (daß es sich dabei nicht nur um Perlen sondern auch das Abbild des Gekreuzigten handelt, kann einem gläubigen Menschen schon die Ruhe rauben!).

Ich habe über die Gründe der „Verschlichtung“ nachgedacht und das Folgende klingt für mich plausibel:

  • das „Deutsche Reich“ in der Gründerzeit war dank Kulturkampf für bürgerliche Katholiken ein Umfeld, in dem man sich tunlichst „bedeckt hielt“, also nicht mit katholischen „Accessoires“ auffallen wollte.
  • In Kriegs- und Zwischenkriegszeiten schickt sich das Schlichte, Trauer verzichtet auf Schmuck und Mangel diktiert Sparsamkeit.
  • Seit dem Jugendstil galt es Abschied zu nehmen von Prunk und Kitsch der Gründerzeit und die vom Weimarer Bauhaus geprägte Ästhetik ließ „Verspieltes“ nicht mehr zu, ja trieb die Nüchternheit der Dinge „auf die Spitze“.
  • Die katholische Jugendbewegung, die jungen Priester bejahten Schlichtheit, christliche Armutsideale, Askese, eine Strenge und Sachlichkeit in der Form.
  • Und „last not least“ glaube ich, daß der „evangelische“ Vorwurf nach Mt 6,5-15  letztlich seine Wirkung auf Katholiken nicht verfehlt hat, seit die „Milieus“ sich aufgelöst haben und wir „ökumenisch“ korrekt zusammen leben. (Schade, daß wir nicht mit Othodoxen in Ökumene und Nachbarschaft leben, denn dort ist das Gebet mit der Schnur eine ernste Sache, die der Priester dem Schüler erst „erlauben“ muß.)

Detail Altarbild 1505
Jesuskind mit Gebetsschnur

Langsam aber sicher beobachte ich eine „Renaissance“ des schönen Rosenkranzes, nur leider breitet sich auch eine „überbordende“ künstlerische Freiheit und von den USA her eine Unzahl von Sonderformen und Phantasieprodukten aus, die auf Dauer die Gebetstradition ebenso gefährden, wie die Sakramentalie. Im Anglo – amerikanischen Raum ist es zum Hobby geworden, Rosenkränze und „Paternoster“ zu „basteln“. Jede Menge „Kunstprodukte“ fluten den Markt und allerhand „Gebasteltes“ wird dem Laien sogar als „antik“ verkauft.

Das alles tut dem Rosenkranz nicht gut: die ehrwürdige Gebetsschnur, wie sie aus der Gebetserfahrung vieler Jahrhunderte gewachsen ist, sollte ebenso bewahrt werden, wie die bewährte Form des Gebetes, der Betrachtung. Daher mein Appell an Katholiken, an Rosenkranzbeter, an Liebhaber der katholischen „Gebetszählschnur“:

  • Wir sollten die Begriffe eindeutig halten: nicht alles, was Perlen hat und zum Gebet benutzt wird, ist ein „Rosenkranz“.
  • Es ist eine relativ klar umrissene Sache, was es heißt, „Rosenkranzbeten“ – zuletzt Johannes Paul II. hat 2002 in seinem Apostolischen Schreiben „Rosarium Virginis Mariae“ Anleitung und Orientierung gegeben. Meist erscheinen solche Schreiben, wenn wertvolle Güter des Glaubenslebens in Gefahr sind: der alte Papst hat gesehen, daß es eines klärenden Wortes bedarf, wir sollten ihn hören!
  • Rosenkränze sollten die kirchlich approbierte Form behalten. Dazu gehören der Rosenkranz mit 5 x 10 Perlen und Glaube-Liebe-Hoffnung-Absatz mit Kreuz, der franziskanische Rosenkranz mit 7 x 10 Perlen mit Absatz und Kreuz (sieben Freuden/sieben Schmerzen – Rosenkranz) und der Fünf – Wunden – Rosenkranz (5 x 5 bzw. 5 x 10 Perlen mit entsprechenden Medaillen). Alle anderen Formen entspringen „Privatvorlieben“ und sollten auch so behandelt werden.

Weil wir Menschen so sind, wie wir sind und dazu neigen, das Unscheinbare oder nach wenig Wert Aussehende gering zu schätzen, plädiere ich dafür, daß man zum Gebet bestimmte Rosenkränze (wie unsere Ahnen) wieder in wertigen Materialien und so schön wie möglich fertigt oder anschafft. Wenn wir zu den Hochfesten unserer „katholischen“ Biographie Rosenkränze verschenken, dann sollten sie „kostbar“, persönlich und schön sein. Ein Gegenstand, der den Namen „Sakramentalie“ nicht nur durch die Weihe, sondern auch durch seine Gestalt verdient. Die Erfahrung lehrt, daß Wertiges und Schönes weniger leicht „verworfen“ wird.

Elfenbein Rosenkranz

Ich zeige Ihnen diesen „schlichten Rosenkranz“ mit Elfenbeinperlen und einer 14k Goldkettelung mit einem alten, geprägten Messingkreuz, damit Sie sehen, daß Schlichtheit und Wert einander nicht ausschließen. Wir sind findig und phantasievoll, wenn es um schöne Schmuckstücke geht, sollten wir nicht auch dem Rosenkranz, der unser Gebet begleitet, ja führt, nicht ähnliche Aufmerksamkeit schenken?

Wenn ich Kindern eine Reihe von Rosenkränzen zur „Auswahl“ hinlege, was meinen Sie, welchen werden sie nehmen? Auge und Herz greifen immer nach dem Schönen.

Zu einem Tischgespräch bei Bischof Moser unterhielten sich die geistlichen Herren, so wurde mir berichtet, welcher Orden denn noch fehle. Pater von Tattenbach SJ sagte, ihm fehle ein Orden „von der Schönheit Gottes“. Wirklich schön wird ein Rosenkranz durch den Gebrauch, das ist wahr. Bevor er jedoch „abgebetet“ ist, sollte er dazu einladen, ihn in die Hand zu nehmen. „Verlockung“ durch Schönheit ist nicht der schlechteste Weg, will man einen Menschen zum Guten führen.

Print Friendly, PDF & Email

5 Kommentare

  1. Mein Rosenkranz muß schön sein. Ich ärgere mich über Leute, die in selbstgerechter Haltung ihre „Billigrosenkränze“ propagieren. Für mich hat das etwas Abwertendes.

  2. Hier http://brautdeslammes.blogspot.de/search?q=Rosenkranz habe ich gerade eine gute Erwiderung auf diesen Artikel gefunden.
    Danke, Braut des Lammes!

  3. Ich finde deinen blog sehr schön 🙂
    Sehr interessant. Das mit dem zum in die hand nehmen verleiten… meine mama hat einen rosenkranz im auto hängen. Ich will ihn immer anfassen. Er zieht meine hand förmlich an aber ich trau mich nicht ihn anzufassen… :/

    • Liebes Goldmariechen97,
      laß Dir am besten einen eigenen Rosenkranz schenken! Notfalls bekommst Du einen von mir!(Sag nur Bescheid)
      Ja, er zieht die Hand an und nachher auch das Herz.
      Gott segne Dich und schön, daß Du hierher gefunden hast.
      Deine Ankerperlenfrau

  4. Liebe Ankerperlenfrau,
    ich bin in einer bettelarmen Familie aufgewachsen. Der erste Rosenkranz, den ich bekam, war ein Exemplar aus nachtleuchtendem Plastik. Ich war damals nur dem Namen nach katholisch und konnte sehen, wie kitschig und minderwertig der Rosenkranz war, aber berührt hat mich dieses Geschenk eines lieben Pfarrers doch. Auch der Rosenkranz, den ich heute zum Gebet benutze, hat Plastikperlen, doch für mich gibt es keinen Schöneren. Und würden nicht so viele Rosenkränze beim Trödler landen, so hätte ich letzten Winter mein von unserem Papst Franziskus inspiriertes kleines Bastelprojekt mit Rosenkränzen in Medizinflaschen, die ein Priester dann anschließend bei Krankenbesuchen verschenkt hat, nicht durchführen können. Ich freue mich jedoch, dass ich mittlerweile finanziell in der Lage bin, meiner Schwester, die sich ebenfalls zur Taufe entschieden hat, einen hochwertigeren Rosenkranz, womöglich mit Edelsteinperlen, schenken zu können. So haben sowohl teure und schöne, als auch billige und minderwertige Rosenkränze ihre Daseinsberechtigung. Danke für diesen schönen Beitrag.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.