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Gebet – Kunst – Geschichte

Zachäus, komm vom Baum herunter

| 1 Kommentar

Zachäus, komm vom Baum herunter
Lk 19, 1-10
Der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist

Hl. Lukas Bamberger Evangeliar

Hl. Lukas
Bamberger Evangeliar

+ Aus dem heiligen Evangelium
nach Lukas

In jener Zeit kam Jesus nach Jericho und ging durch die Stadt.
Dort wohnte ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war sehr reich.
Er wollte gern sehen, wer dieser Jesus sei, doch die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht; denn er war klein. Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste. Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.
Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf.
Als die Leute das sahen, empörten sie sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt.
Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.
Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist.
Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.
+++

Delfter Kachel 18. Jahrhundert Zachaeus

Delfter Kachel
18. Jahrhundert
Zachaeus

Ach, mein lieber Zachäus! Schon als Kind habe ich mich mit Dir identifiziert. Der kleine Mensch, der es nicht wagt in die Nähe von Jesus zu kommen und der ihn doch nicht „versäumen“ will, nicht lassen kann. Der kleine Sünder, immer falsch: zu reich, falscher Beruf, falsche Freunde, nicht gut genug, nicht fromm genug, „der menschliche Makel“, das Verfehlte…
Aber er ist quick, der kleine Zöllner. Er weiß, daß Jesus Heil bedeutet. Er weiß nicht wie und was, aber er ist sicher, daß er ihn sehen muß. Also läuft er voraus und versteckt sich im Baum an Jesu Weg und wartet. Versteckt sitzen, Ausschau halten und Warten. Nicht auf irgendeinem Baum – es ist ein großer, tief wurzelnder, Schatten spendender und fruchttragender Baum,  begehrtes Holz, ein biblischer Baum – König David ließ ihn hüten.
Und dann kommt der Herr und ruft Zachäus aus seinem Versteck, „ich muss bei Dir zu Gast sein“ sagt der Herr. Ich muss….heute….Wenn das keine gute Nachricht ist! Und es verwandelt Zachäus augenblicklich, es weckt, was in ihm wartet auf den Anruf des Herrn.
Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.
Mag sein, daß Lukas diesen Satz erklärend hinzugefügt hat
, das Berichtete spricht für sich selbst.

(die Delfter Kachel von Freund Zachäus war ein Geschenk und hängt immer in meiner Blickachse…)

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Ein Kommentar

  1. „Stiller Mitleser“
    „Eingereicht am 11.11.2013 um 23:27

    Wenn Sie diese Figur mögen, dann könnte Ihnen eventuell ein Buch des tschechischen Priesters und Religionssoziologen Tomás Halík gefallen: “Geduld mit Gott – Die Geschichte von Zachäus heute”, das von eben dieser Bibelstelle ausgeht und sie sehr auf die vielen Zweifel der Moderne anwendet und einige starke Argumente gegen vorschnelles “Fertig sein”, sei es mit dem Glauben oder dem Unglauben, bringt. Ich persönlich bin nicht gerade furchtbar religiös, aber ich war erstaunt wie viele und wie tiefe Bedeutungsebenen – ihr Post deutet es schon an – in dieser kurzen Stelle des Lukasevangeliums stecken können.

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