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Zölibat – Meine Allergie gegen das Wort „Reform“

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Zölibat – Meine Allergie gegen das Wort „Reform“

An anderer Stelle habe ich, zu gegebenem Anlaß, einen Text zur Dauerforderung „kirchenferner Kreise“ über die „Reform des Pflichtzölibates katholischer Priester“ geschrieben. Da ich in den letzten Tagen hauptsächlich im Nachrichtenteil dieses Blogs veröffentlicht habe, kann ich nun auch noch diesen „Ausruf einer tödlich Genervten“ einstellen: von meiner wachsenden allergischen Reaktion auf das wohlfeile Wort „Reform“.

Ausschnitt eines KNA – Bildes

Zum Thema „Reformen“ und Kirche:

  • das bisher maximale „Reformwerk“, nach wie vor unverdaut und nicht annähernd weltweit „operationalisiert“, sind die Schlußdokumente des Vatikanum II.
  • Reformen müssen aus dem Inneren einer „Institution“ wachsen und können nicht von außen aufgesetzt oder erzwungen werden. Es ist eine psychologische Tatsache, daß Druck Gegendruck und Verhärtung der Fronten hinterläßt: DARAUS wachsen Spaltungen. (Daß Kirche vom Wesen her weder Konzern noch Institution ist, muß ich hier nicht eigens erwähnen.)
  • Eine globale „Organisation“ von an die 1,2 Milliarden Menschen kann nicht durch „Wohlfühlbeschlüsse“ oder „gute Ideen“ von einigen Europäern „reformiert“ werden.

Den Zölibat „kippen“ (nur als Beispiel für eine der vielgeforderten Reformen) würde, wie man an evangelischen Verhältnissen unschwer erkennen kann, ganz andere Glaubwürdigkeitskrisen bewirken: Wollen wir zukünftig wirklich geschiedene Priester? Priester mit Abtreibungen von Kindern? Schlagende oder vernachlässigende Priesterväter? Wiederverheiratete Priester? Gleichstellung „Homoehe“ = „Verpartnerung“ mit Gleichgeschlechtlichen für Priester, gar sakramentale „Ehe“? „Rosenkriege“ bei Priestern (mit Grausen stelle ich mir DIESE Schlagzeilen vor)? Reproduktionsmedizin für Priesterehen? usw. Ergo: die Priesterehe müsste, um diese Quellen der Unglaubwürdigkeite bezogen auf den gesamten Ethikcodex der Kirche, zu verhindern, extrem reglementiert werden. Welche Entrüstungsschreie der „MenschenrechtshüterInnen“ á la Matthäus-Meier würden dem folgen? Wir würden aus den Schlagzeilen nicht mehr herauskommen!

Der Zeitgenosse unterwirft sich „freiwillig“ schon im normalen Arbeitsleben ungeheuren „Zumutungen“, um in Leitungspositionen zu „überleben. (Man schaue sich an, unter welchen „corporate identity rules“ in der Wirtschaft „existiert“ wird – ich sehe kaum entrüstete  „Schlagzeilen“ dazu. In Japan fallen die Leistungsträger reihenweise am plötzlichen Herztod vom Stengel, siehe Karoshi – Tod ). (Ironie an!) Nur der „Priesterberuf“ in der katholischen Kirche evoziert maximalen Einsatz: Der von der kapitalistischen Arbeitswelt Geknechtete fühlt sich gedrängt, in einer Art gesamtgesellschaftlicher Gewerkschaftsattitüde, das Regime DIESES miesen „Arbeitgebers“ endlich zu beenden und das Menschenrecht Ehe (das ansonsten verhasst ist) für Priester zu erstreiten. (Ironie aus!)

Für mich gehören Zölibat und Ehelehre der Kirche eng zusammen (siehe unten, Anmerkung 1). Sie hat sich entwickelt aus geschichtlicher Erfahrung und der Zölibat ist zum „spirituellen Werkzeug“ geworden, wofür er bereits in der Urkirche (mindestens von Paulus) gehalten wurde. Wer daran scheitert, hat es mit „persönlichem Versagen“ zu tun, damit jedoch ist JEDER Mensch jederzeit konfrontiert: es scheitern sehr viel mehr Menschen an ihrer Ehe oder ihrem Elternsein, als Priester am Zölibat! Wer wollte das einem Priester ankreiden?

Zölibat ist Ausdruck einer „eheähnlichen“ Bindung, wie es eine „ewige Profeß“ ist. Hier finde ich das sehr gut ausgeführt: http://www.karl-leisner-jugend.de/Zoelibat.htm (von Zeitgenossen, die „Liebe“ mit „Sex“ verwechseln, siehe Bild, darf man Erwägungen dieser Art offensichtlich nicht mehr erwarten…).

Für unsere „Kultur“, insbesondere im „Zeitgeist“ sieht der Pflichtzölibat des Priesters natürlich „alt“ aus (weil, wenn wir ehrlich sind, JEDE als unauflöslich geltende BINDUNG „alt“ aussieht!). Ich darf jedoch darauf hinweisen, daß es anderswo in der Welt durchaus andere Auffassungen und Bewertungen gibt!.
Bindungsstörungen sind das kollektive Symptom in westlichen Industriestaaten, Folge unserer immer absurder werdenden Lebensweise. Es gibt in dieser Hinsicht deutlich gesündere Gesellschaften (fahren aber meist nicht Mercedes und essen nicht „Bio“).

RICHTIG pervers und als Argument infam finde ich, wie bei uns ein Zusammenhang zwischen Mißbrauch und Zölibat konstruiert wird. Die überwiegende Mehrzahl der von Klerikern verübten Untaten erfolgten an gleichgeschlechtlichen Kindern und Jugendlichen: da haben wir es also nicht mit der „erzwungenen Ehelosigkeit“ zu tun, sondern mit der Deformation (und Gewissenlosigkeit) pädophiler homosexueller Männer.

Ein Pädophiler handelt jedoch IMMER unter ZWANG, ob nun verheiratet, unverheiratet oder im „Scheinzölibat“ lebend.
„Gewöhnliche“ am Zölibat scheiternde Priester leben höchstens im „Konkubinat“ mit erwachsenen, mündigen und dieses „Arrangement“ BEWUSST eingehenden und inkauf nehmenden Frauen. Das war schon immer so und wurde weder im Kirchenvolk, noch im Führungsklerus übermäßig „skandalisiert“. In vielen Diözesen gab es verschwiegen und selbstverständlich Alimentierungsregelungen / Alimentierungsstellen für Priesterkinder.

Der Zölibat gilt kirchenrechtlich als „Ehehindernis“ d.h. es ist klar, daß sich das „Ehehindernis“ auf künftige Eheschließungen bezieht. Bei „spätberufenen“ Witwern, anglikanischen und lutherischen Geistlichen, die Konvertiten sind und die Priesterweihe erhalten, sind EHEN das Bestehende und nicht das Künftige und es wäre bei der Bedeutung, die die Kirche der „Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe“ beimißt, vollkommen widersinnig, in diesen Fällen Ehelosigkeit zu verlangen! Diese Sonderfälle gegen den Zölibat zu verwenden, finde ich argumentativ unlauter!

Sollte im Umgang mit dem Pflichtzölibat eine Reform gewollt sein, dann müsste sie von der überwiegenden Mehrheit der 400.000 Priester weltweit herbeigeführt werden, denn es ist IHRE Angelegenheit! siehe http://www.kath.net/detail.php?id=36902
Ich kann dort jedoch keine „Massenbewegung“ dieser Art erkennen.

400.000 Priester (genau: 412 000) : 1.200.000.000 (genau 1,196 Mrd. ohne Erhebung, wer tatsächlich am Glaubensleben teilnimmt) Gläubigen ergibt einen „Personalschlüssel“ von höchstens 1: 3000 (ein großes Dorf…)
Würde sich die Zahl der Priester durch Wegsterben, Nachwuchsmangel, Glaubensabfall und Wegheiraten halbieren, wofür nichts spricht, wäre es ein Schlüssel von 1 : 6000 (ein SEHR großes Dorf bzw. ein Kleinstädtchen). Zählt man dann ständige Diakone, ungeweihte Ordensbrüder und Ordensfrauen (ihre Zahl reduziert sich in Europa am dramatischsten) dazu, dann ist es um die Versorgung der Gläubigen nicht SOOO schlecht bestellt, wie hierzulande gebetsmühlenartig heruntergebetet wird.

Zudem halte ich den tatsächlichen Priestermangel in westlichen Industriestaaten für der Geburtenrate geschuldet: bei 1,3 Kindern wird man den Teufel tun und das einzige „Bobbele“ auch noch der Kirche „in den Rachen schieben“. Das ist vielmehr auf Gedeih und Verderb dazu da, seine Eltern zu verewigen, zu erhalten, zu ernähren (siehe China mit seiner erzwungenen Ein – Kind – Politik).
Kinderreiche katholische Drittweltfamilien haben dagegen kein Problem, ein paar von den Kleinen „der Kirche zu stiften“. So war es früher auch bei uns: nicht erb- oder mitgiftfähige Kinder sind nicht nur aus reiner Gottesliebe in die Klöster geströmt, sondern auch, weil sie dort ehrenvoll und sicher „versorgt“ waren.

Würden sich dann noch Benedikts Entweltlichungsappelle durchsetzen und wir würden diesen ungeheuerlichen Institutionswust der Gesellschaft mit freundlichen Grüßen zurückgeben, dann würden uns die nun arbeitslosen Priester geradezu „auf die Nerven gehen“.
Subsidiarität ist ein staatstheoretisch begründeter, verfassungsmäßiger Auftrag und unsere Kirche kann die übernommenen Aufgaben jederzeit in „geeignetere“ Hände zurücklegen: ich sehe es schon vor mir, wie sich die humanistischen, atheistischen, moslemischen und rot-grünen Massen auf die Behindertenheime der Caritas stürzen werden, auch Yupis und Jung – BWLer (die jetzt schon massenweise auswandern, um mehr „Kohle“ zu machen…) werden scharenweise in Altenheime strömen, um demente Alte durch die Parks zu begleiten, gutgelaunt Windeln zu wechseln und im ZeitlupentempoTotkranke zu füttern : man sieht dieses neue deutsche Reich der sozialen Verantwortung, endlich befreit von menschenrechtsverachtenden, steuergelderkassierenden Kirchenleuten geradezu vor sich. Die „Killing fields“ des Sozialwesens findet man allerdings schon heute vorwiegend in „privatisierter“, profitorientierter Hand: schon mal von unnötigen Operationen gehört?
Aber nein, uns wird ins Hirn geblasen, daß die zivile, laiizistische Multikulti-Gesellschaft nur darauf wartet, endlich zu zeigen, den Kirchen zu zeigen, wie WAHRE Caritas aussieht.

Man entschuldige diesen Ausflug in beissende Ironie: ich hätte auch kurz und bündig sagen können: die spinnen, die Deutschen!

Wenn ich also allein die hierzulande beliebteste Reformforderung betrachte in ihren Konsequenzen, dann hätte evtl. eine kleine Zahl von Priestern (auch bereits verheirateten, ehemaligen Pfarrern) eine „Lebenszufriedenheitssteigerung“ und die reformeifrigen Gläubigen hätten die Genugtuung, eine geile Reform durchgesetzt zu haben: „Jesus hätte es auch so gemacht“ sagt Geißler zufrieden. Bei mindestens der gleichen Zahl an Priestern und Gläubigen würde allerdings DANN das „Dach brennen“ und IHRE Lebens- und Kirchenzufriedenheit wäre „im Eimer“. Von den angedeuteten zwingend vorprogrammierten Unglaubwürdigkeiten und schweren Brüchen in der Lehre (bewirkt von Klerikern, die natürlich, wie ihre evangelischen MitbrüderInnen, AUCH an der Ehe scheitern werden) einmal ganz abgesehen. Mein böser Verdacht ist, daß genau darum der „Haupthebel“ der Neo – Reformatoren an Zölibat und Frauenordination angesetzt wird: man will die katholische Lehre als Ganzes „neutralisieren“.

Meine „Allergie“ bezieht sich also nicht auf „Erneuerung“, sinnvolle Weiterentwicklungen und Fortschritte. Sie bezieht sich auf „Reformforderungen“, die meine Religion ablehnen, ihre Lehre verteufeln und ihre Repräsentanten (und Gläubigen) diffamieren.

Auf die Erörterung zum „Frauenpriestertum“ (das andere Lieblingsthema nichtkatholischer Deutscher) verzichte ich jetzt mit Rücksicht auf meine „Mitforisti“ / meine Leser.

Ergo: Papst Benedikt hat in seinem Pontifikat Augenmaß für die Zukunft der katholischen Kirche bewiesen. Daß eine solche „religiöse Vereinigung“ hierzulande weniger erwünscht ist, liegt auf der Hand, wie die Unerwünschtheit gläubiger Moslems, Juden und Protestanten auf der Hand liegt. Im postmodernen, politisch korrekten, pseudoliberalen Einheitsbrei (der langsam aber sicher totalitäre Züge annimmt) sind Religiöse jeglicher Provenienz natürlich ein unerträglicher Anachronismus.

1. Rückgriff auf einen früheren Text im selben Kontext: „Nach katholischer Auffassung gehören christliche Ehe und christliche Jungfräulichkeit als zwei, von Gott in Jesus Christus gestiftete Berufungen zusammen.
Schon allein die Wortwahl: Zölibatszwang, Zwangszölibat, Ehelosigkeit, etc. deuten auf Nichtwissen bzw. bestimmte Absicht des Benutzers.

Eine Zeit, die von „christlicher Ehe“ nichts mehr versteht, sie verachtet und geringschätzt, fühlt sich berufen, die römisch-katholische Kirche von der Geißel des Zölibats befreien zu wollen (zu sollen). Das hat durchaus Witz – zur Klärung der Begriffe: der disputierende Zeitgenosse will WEDER christliche Ehe NOCH christliche Jungfräulichkeit! Wenn überhaupt so will er zur Idealform der Gegenwart „befreien“ zur „befristeten Verpartnerung“ mit Mann oder Frau zum Zwecke der Erreichung kurzfristiger Glücksvorstellungen.

Die Kirchen und Glaubensgemeinschaften der Reformation (zu denen ich die AKK zähle) geben sich im Diskurs mit Katholiken gerne als „leuchtende Beispiele“ der Menschenfreundlichkeit und Toleranz aus. Seit Martin Luther seine Katharina freite, so wird uns gesagt, ist das Christentum so viel besser und „evangelischer“, jesuanischer geworden. Stimmt das wirklich? Meine Geschichtskenntnis gibt dafür leider keine Belege her!

Aus einer kleinen Schrift von Romano Guardini, Ehe und Jungfräulichkeit, Mainz 1926 darf ich zitieren:

…Auch Jungfräulichkeit muß in ihrem wirklichen Wesen gesehen werden. Sie bedeutet nicht etwa nur, daß ein Mensch keine Ehe schließe und enthaltsam lebe. So wäre sie bloß negativ bestimmt: sie ist aber durchaus positiv. Bedeutet auch nicht nur, daß ein Mensch um sozialer Wirkungen willen verzichte, oder um anderen zu dienen. Dann läge Wesen und Sinn in einer Zweckmäßigkeit – so hoch im Übrigen diese Wirkungen und Zwecke angeschlagen werden mögen. Christliche Jungfräulichkeit kann aber nicht aus einem „Zwecke“ her bestimmt werden, sondern trägt ihren Sinn in sich. Ja, ihr Wesen kann im Letzten überhaupt nicht aus dem Bereich des Natürlichen her bestimmt werden. Jungfrauschaft bildet eine besondere Ordnung des Lebens: ist eine Lebenswirklichkeit und Lebensform, die aus Gott stammt. {…}
Beide Ordnungen aber, Ehe und Jungfräulichkeit, stehen zueinander in tiefer Beziehung. Es ist falsch, in der Jungfräulichkeit eine Ablehnung der Ehe zu sehen, oder sie aus irgendwelchen psychologischen Verdrängungsvorgängen ableiten zu wollen; falsch, Sinn und Wesenhaftigkeit der Ehe damit zu begründen, daß aus einem letzten Ressentiment gegen das Über – Gewöhnliche die Jungfräulichkeit als unnatürlich hingestellt wird. Ebenso falsch ist es aber, den Wert der Jungfräulichkeit dadurch herauszuheben, daß die Ehe in irgendeiner Weise herabgesetzt wird. In Wahrheit stehen beide Ordnungen positiv zueinander, und wer eine antastet, verletzt in einem letzten Wurzelzusammenhang die andere mit. {…}
Soll der Verzicht der Jungfräulichkeit voll sein, wirklich ein „ganz gebrachtes Opfer“, wissend und geistig weit, dann muß der Wert der christlichen Ehe lebendig im Bewußtsein der Gesamtheit stehen. Ich sage, der Gesamtheit, ohne damit über den Einzelnen urteilen zu wollen. Der Entschluß zum Weg der Jungfräulichkeit darf nicht von einer Herabsetzung der Ehe leben. Er darf sich den Verzicht nicht leicht machen, indem er diese entwertet. Das wäre ebenfalls Ressentiment, und würde die Lauterkeit der eigenen Lebensordnung vergiften.
Und soll Jungfräulichkeit frei bleiben von aller unnatürlichen Überhitzung; frei von allem gegen das Natürliche gerichteten Ressentiment; frei von aller religiösen Selbstüberhebung, und was daraus an Selbstsucht, Unduldsamkeit und Lebensvergewaltigung kommen kann, dann muß sie von tiefer Ehrfurcht vor der Ehe erfüllt sein. Freilich muß dazu die christliche Ehe selber stark und edel dastehen.
In der Ordnung der Jungfräulichkeit entspringt der heroische, freimachende Antrieb; aus der christlichen Ehe muß die Haltung tiefer Lebens-Ehrfurcht und jener Natürlichkeit kommen – „Natürlichkeit“ nicht als Gegensatz zur Über-, sondern zur Unnatur gemeint – die nur möglich ist, wenn die Wurzeln unseres menschlichen Daseins gesund, von Verehrung behütet und vom Geiste durchwirkt sind.
Die Lebenshaltung der Ehe würde ins Platte geraten, wenn nicht immer wieder aus der Jungfräulichkeit weckende und freimachende Kräfte kämen. Die Lebenshaltung der Jungfräulichkeit würde sich ins Unnatürliche und Gefährliche versteigen, wenn sie nicht vom tiefen Ackerboden der Ehe getragen wäre. Auch hierin vollendet sich die Gemeinschaft der Heiligen.“

Auf dieser Basis wird nicht diskutiert, d.h., der „katholische Standpunkt“ zu beiden Lebensordnungen kommt gar nicht vor. Soll ich das als Katholikin toll finden? Soll ich ein tiefes Ideal (dem ich zustimme) für das Zweckgebundenheitsideal meiner Lebenszeit aufgeben? Sehe ich nicht ein. Der Mensch ist mehr als sein ZWECK und daran halte ich fest! Wer für diese Haltung einen nicht – katholischen Gewährsmann braucht, der lese Martin Buber „Ich und Du“ oder „Das dialogische Prinzip“ (Lambert-Schneider, Heidelberg).

Daß die Eheauffassung in unserer Zeit längst „ins Platte geraten“ ist, dürfte niemandem entgangen sein, wen wundert es also, daß nichts Wertiges und Bedenkenswertes zum Zölibat zu hören ist. Das ebenso platte Propagandagerede aus der Mottenkiste (sorry!) von Reformation und Feminismus beeindruckt wenig! Welche nachahmenswürdigen Lebensentwürfe sollten mich umstimmen und dazu bringen, daß ich die Vorschläge der „Bessermenschen“ für valide halte?

Wir befinden uns in einer tiefen kulturellen Krise, in der der Wert der Person ebenso zur Disposition steht, wie Bindung, Freundschaft, Ehe, Elternschaft und eben Jungfräulichkeit.

Eine zum „Aussterben“ entschlossene Kultur (Geburtenrate 1,3, wo zum Weiterleben 2,2 das Minimum ist), soll mich nicht mit ihren Vorschlägen beeindrucken wollen!
Wir sollen Nutz- und Zweckmenschen werden, Konsumenten – auch Konsumenten von Menschen. Auch wenn ich zum Schluß nur noch mit drei anderen Katholiken dastehen sollte, mein Glaube verbietet mir, mich in dieses Treiben einzureihen. Die katholische Kirche hat schon viele Kulturen und „Zeitgeister“ sterben sehen: wenn Europa stirbt, weil es uns nicht mehr hören will, dann „schütteln wir eben den Staub von unseren Füßen und gehen weiter“! “ (13.2.2013)

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4 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen sehr erhellenden und gut argumentierenden Zornausbruch.

  2. Stehe voll und ganz hinter Deinen guten Gedanken. Ich bin eine von den drei Katholiken, das verspreche ich Dir.

  3. Ich danke der Autorin für die differenzierte Diskussion! Auch ich finde, dass das Pflichtzölibat v.a die Betroffenen, nämlich die Priester, etwas angeht und etwaige Reformen auch aus ihren Reihen angestoßen werden müssen. Dies nehme ich jedoch durchaus wahr, z.B. in den Pfarrersinitiativen in Österreich und der Schweiz und meines Wissens auch in Südamerika. In unserem Landkreis haben wir vor kurzem erlebt, dass ein junger Priester, der in meinem Wohnort aufwuchs und dessen Primiz 2004 ich miterlebt habe, am und im Zölibat „gescheitert“ ist, weil er die Liebe zu einer Frau gefunden hat und mit ihr leben möchte. Ich halte mich auch hier in der Bewertung zurück, kann aber nicht verhehlen, dass ich es es sehr bedauerlich und nicht mit meinem christlichen Glauben an die Liebe und Barmherzigkeit Gottes vereinbar finde, dass er, nur weil er eine Frau liebt und sie nun gemeinsam leben wollen, nicht mehr Pfarrer sein darf, zumal wir hier bei uns sowieso gravierenden Priestermangel haben und für seine Pfarreien kein Nachfolger gefunden wurde. 2015 wird im Bistum Speyer wegen des Priestermangels eine gigantische Umstrukturierung stattfinden und es werden über 300 jahrhundertealte Pfarreien zu neuen großen Pfarreien zusammengefasst, die dann von nur noch wenigen Priestern „verwaltet“ werden. In einer solchen Situation trifft mich das Ausscheiden eines begabten Pfarrers sehr, der zu seiner Berufung zum Priester seine Berufung zur Ehe gefunden hat. Wieso soll Gott das nicht wollen? Ist er nicht selbst die Liebe? Wieso soll einer nicht das Sakrament der Priesterweihe und das Sakrmanet der Ehe empfangen dürfen? Mich rühren die Priester an, von denen ich auch in jüngerer Zeit immer wieder in den Medien erfahren habe, die wegen der Liebe zu einer Frau nun ihr Priesteramt aufgeben müssen, obwohl immer sogar die gesamte Gemeinde hinter ihnen steht und ihr Ausscheiden sehr bedauert wird. Das ist es, wo ich auch als Katholikin mit meinen Brüdern im Glauben (das sind auch die Priester für mich) Mitgefühl und Mitleid habe, weil ich es unmenschlich finde, was ihnen durch den Pflichtzölibat angetan wird. Das ist es auch, wo ich mir von meiner Kirche, jenseits aller womöglichen theologischen oder sonstigen Rechtfertigungen des Zölibats, Barmherzigkeit und Liebe wünsche, wenn ein junger Mann sich für den Zölibat eintscheidet und später dann womöglich auch eine Berufung zur Ehe entdeckt. Ich finde es der Liebe unwürdig, diese Liebe als ein „Scheitern“ zu erklären. Gott ist die Liebe und er ist größer als unser Herz.

    • Danke für Deinen Beitrag. Ich vertrete eine andere Position (wie man gehört hat… 😉 ). Die Glaubensgemeinschaften der Reformation haben sich u.a. von der apostolischen Sukzession und vom Zölibat verabschiedet. Ich kann nicht erkennen, daß sie das in der Verkündigung des Glaubens wirklich „strahlkräftiger“ gemacht hätte. Im Gegenteil – immer mehr „depositum fidei“ wird verabschiedet. Die Stärken von starker sakramentaler, hierarchischer und kirchenrechtlicher Bindung bei gleichzeitiger „Freiheit“ von anderen Bindungen, zeigen sich in Zeiten der Bedrängnis unter repressiven Regimes (Nazi-, Kommunisten-, Kapitalistendiktaturen, etc.). In bequemen, hedonistisch geprägten Zeiten und Umständen mag Ehe und Familie für Priester manchen eine denkbare Option sein. Ich persönlich wünsche mir den freien Priester, der in der Not für die Einsamen, Verstossenen und Unbeschützten einsteht und nicht (wie jeder verantwortungsvolle Vater) zuerst heim zu Frau und Kindern muß. Der Stand des Priesters und das Opfer persönlicher Bindungen zur Ehre Gottes und zum Dienst an den Menschen gehört nach katholischem Verständnis zusammen.

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